Besuch in der Synagoge in Köln

Das ewige Licht
Das ewige Licht

Die Geschichte der Juden in Köln ist lang. Wenn Abraham Lehrer, Vizepräsident des Zentralrats der Juden, sie erzählt, geht er sogar zurück in die Zeit von Kaiser Konstantin. Dieser, so sagt er, habe bereits um 321 die Juden in Köln den Christen zu fast 100 Prozent gleichgestellt. „Die Ansiedlung muss damit schon früher stattgefunden haben“, so Lehrer bei einem Treffen mit der Kölner Journalisten-Vereinigung. „Und somit ist Köln zumindest in Deutschland die älteste belegte jüdische Gemeinde.“ Das jedoch schützte sie nicht vor der dunkelsten Zeit in der Geschichte des Landes: Heute vor 80 Jahren brannten in ganz Deutschland Synagogen. Die Nationalsozialisten zerstörten jüdische Friedhöfe, Wohnungen und Geschäfte. Auch die Kölner Synagogen wurden zerstört.

Kölner Synagoge nach Krieg wieder aufgebaut

Diese Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 ging unter dem verniedlichenden Namen Kristallnacht in die Geschichte ein. Ein Name, der ein Funkeln, ein Glitzern, vielleicht eine Vorfreude auf den ersten Schnee suggeriert, tatsächlich aber mit viel Tod, Leid und Schmerz in Verbindung steht. Darum hört man seit einigen Jahren immer öfter den passenderen Namen „Pogrome“, und wenn von den Novemberpogromen die Rede ist, weiß jeder, dass diese Nacht in Deutschland gemeint ist.

Die Synagoge in der Roonstraße wurde unter Konrad Adenauer nach dem Krieg, ab etwa 1955 wiederaufgebaut und 1959 eingeweiht. Damals gab es in der Gemeinde etwa 120 Juden. Heute, also 80 Jahre später, sind wieder zwei Gemeinden in der Stadt mit insgesamt 4.000 Mitgliedern. 1937, also kurz vor der Reichspogromnacht waren es 20.000. Den akribisch geführten Listen der Nationalsozialisten ist zu entnehmen, dass 11.000 ermordet wurden. Ihnen gedenkt jeder Besucher der Synagoge, bevor er sie betritt. Denn sein Weg führt durch die Gedenkhalle, in der an den Wänden an dieses Verbrechen erinnert wird.

In der Gedenkhalle
In der Gedenkhalle

Kölner Synagoge mit Schönheitsfehlern

Wer die Synagoge betritt, fühlt sich zunächst an eine Kirche erinnert: Hier stehen Holzbänke in Reih und Glied, in manchen liegen Bücher. Auch sonst hat die Synagoge Elemente, die man aus dem Christentum kennt. Das allerdings hat einen eher traurigen Grund: „Als die Synagoge wiederaufgebaut wurde, gab es keine jüdischen Künstler“, erzählt Abraham Lehrer. Und so kam es zu kleinen Schönheitsfehlern: In der Rosette in einem Fenster ist die Struktur der zehn Gebote beispielsweise nicht richtig wiedergegeben. Auf jeder Seite eines angedeuteten Buches sollten fünf stehen, es sind aber, wie im Christentum, drei plus sieben. Auf der anderen Seite ist eine Friedenstaube im Fenster zu sehen. Allerdings hat die Taube im Judentum keine Bedeutung. Auch eine Orgel gibt es. Sie wird jedoch nur für Hochzeiten genutzt, denn im Gottesdienst wird sie nicht gebraucht.

Ganz besondere Torarolle in der Synagoge in Köln

Vorne, also dort, wohin die Gläubigen beim Gottesdienst blicken, leuchtet das ewige Licht. Es ist gelb, aber längst brennt hier keine Ölflamme mehr. Sie wurde durch elektrisches Licht ersetzt. Hinter einem blauen Vorhang – und auch hinter einem Sicherheitsgitter – ist der Toraschrein. Dort werden die Torarollen aufbewahrt, die die fünf Bücher Moses enthalten. „Um eine zu schreiben, benötigt man mindestens ein Jahr“, sagt Abraham Lehrer. Eine Torarolle enthält 300.000 Wörter – die Kosten sind entsprechend hoch. Eine der Torarollen in Köln ist aus mehreren Gründen etwas ganz Besonderes: Sie stammt aus dem 17. Jahrhundert, und wurde 1938 aus der brennenden Synagoge gerettet. Allerdings durfte sie nicht mehr benutzt werden, weil sie so schwer beschädigt war. 2007 wurde sie jedoch restauriert wieder in die Synagoge aufgenommen. Die Restaurierung hatte das Erzbistum Köln unter Kardinal Meissner veranlasst.

Koscher essen in der Kölner Synagoge

In der Synagoge gibt es außerdem einen Festsaal für Mitgliederversammlungen, Feiern und Beschneidungen. Und ein echt koscheres Restaurant, das ab Januar 2019 wiedereröffnen soll. „Speziell zu Messezeiten ist es sehr gut gebucht“, sagt Abraham Lehrer. Wer also dort essen möchte, sollte früh genug einen Tisch reservieren. In der koscheren Küche müssen fleischige und milchige Lebensmittel strikt getrennt werden. „Darum ist beispielsweise das Schnitzel mit Rahmsoße bei uns nicht möglich“, erklärt Lehrer. Und deswegen ist es im Judentum auch normal, zwei Küchen zu haben: beispielsweise eine blaue und eine rote Spülmaschine oder Besteck, das mit „M“ für Milch oder „F“ für Fleisch gekennzeichnet ist.

Heute gehören übrigens zur jüdischen Gemeinde auch das Wohlfahrtszentrum in Ehrenfeld mit einem Kindergarten, einer Grundschule und einem Pflegeheim. Es gibt außerdem ein Jugendzentrum sowie Gottesdienst für Kinder. Und in Porz werden Deutschkurse angeboten, es gibt Sozial- und Gesundheitsberatung, Psychologen sowie eine Bibliothek. In Chroweiler gehört das so genannte blaue Haus zur Gemeinde. Etwa 20 Gemeindemitglieder nehmen übrigens täglich am Morgengottesdienst teil.

Die Kölner Synagoge kann im Rahmen von Führungen besichtigt werden. Rund 13.000 bis 14.000 Besucher, sehr viele Schüler, aber auch Unternehmen und andere Organisationen nehmen jährlich dieses Angebot an.

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