Meine erste Kreuzfahrt: Die Mitreisenden

Kreuzfahrttouristen an Land
Kreuzfahrttouristen an Land

Eigentlich ist das Publikum an Bord einer Kreuzfahrt mit das Schönste an der Reise: Es sind junge und alte Menschen dabei, in unserem Fall überwiegend US-Amerikaner, aber auch Italiener, Inder und Chinesen. Die Crew ist super-nett, im Speisesaal bedienen viele aus Lateinamerika, die sich immer freuen, wenn man mit ihnen spanisch spricht. Und die überrascht sind, wenn man sagt, dass man aus Deutschland ist. Denn Deutsche waren nur knapp 150 an Bord, etwa sieben Prozent der gut 2.000 Gäste.

Umso peinlicher war es, als sich nun einige dieser Gäste am zweiten Tag an Bord lautstark beschwerten. Über Bordlautsprecher waren die deutschsprachigen Gäste in eine Bar gerufen worden, um dort Informationen zur Reise zu bekommen. Für uns war nichts Neues dabei: Wir wussten, dass man die wichtigsten Informationen zu Veranstaltungen während der Reise der Bordzeitung entnehmen kann, und wir wussten auch, dass es kostenpflichtige Leistungen an Bord gibt, und welche das sind. Eine große Gruppe speziell älterer Deutscher fühlte sich jedoch deutlich vernachlässigt: Das Ausflugsprogramm gebe es nur auf Englisch, es würden keine deutschsprachigen Ausflüge angeboten, die Ausflüge würden nicht zwei Tage vorher nochmals vorgestellt und auch im Bordfernsehen könne man keine Videos dazu abrufen. Das gehe gar nicht, schließlich habe man genug bezahlt, und eine Gruppe von 150 Menschen sei groß genug, um für sie ein spezielles Programm anzubieten. Es bestehe schließlich Minderheitenschutz, brachte einer der Anwesenden vor, man sei überhaupt nicht zufrieden. Und es könne ja wohl nicht sein, dass der Internationale Botschafter Giovanni seine deutschen Gäste so unzufrieden zurücklasse.

Mir war das alles schrecklich peinlich. Ich bin sicher, dass die italienischen und indischen Minderheiten unter den Gästen auch kein eigenes Programm hatten, und trotzdem keinen Aufstand machten. Ich bin auch sicher, dass man für die Ausflüge nicht zwingend Englisch sprechen muss, weil es aufs Sehen ankommt. Und überhaupt fragte ich mich, wo die Reederei jetzt auf die Schnelle noch einen deutschen Reiseleiter herbekommen sollte, und wie sich die Deutschen das überhaupt so vorstellten. Schließlich waren sie an Bord eines US-amerikanischen Schiffes. Hatte die Agentur, bei der sie gebucht hatten, ihnen eine deutsche Reiseleitung versprochen, dann müssten sie sich dort beschweren und Geld zurückfordern. Aber der arme Giovanni, der nicht besonders gut deutsch spricht, war mit Sicherheit der falsche Ansprechpartner.

Aufständische Deutsche

Vielleicht ist es eine Generationenfrage, dachte ich. Es ist natürlich doof, wenn man kein Englisch spricht, weil man zu einer Zeit geboren wurde, in der es nicht wichtig war. Allerdings sollte man dann eben auch eher deutsche Kreuzfahrtschiffe buchen – und keine aus den USA. Aber auch die Art, wie man eine Forderung stellt, und ob sie überhaupt erfüllbar ist, ist ein wichtiger Punkt. Davon auszugehen, dass man etwas Besonderes ist, nur weil man den Preis für eine Kreuzfahrt bezahlen kann, ist sicherlich der falsche Weg. Denn Kreuzfahrt ist nicht gleich Kreuzfahrt. Und unter allen Angeboten, die es so gibt, gehört Royal Caribbean nicht gerade zu den teuersten.

Ich habe mich auf jeden Fall fürchterlich geschämt. Und nachdem die selbsternannte Anführerin der Aufständischen dem armen Giovanni geradezu entgegenspie, dass er doch nicht 150 Gäste unzufrieden gehen lasse könne, bin ich aufgestanden und sagte, dass ich gehe. „Und Sie gehen unzufrieden, oder?“, fragte sie mich sehr laut. „Nein, überhaupt nicht“, sagte ich. „Ich gehe zufrieden. Ich habe Ihr Problem nicht!“.

Blick vom Mount Dalsnibba
Blick vom Mount Dalsnibba

Trotzdem scheint ihr Aufstand etwas gebracht zu haben: Denn einen Tag später hatte ich eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter des Zimmertelefons: Es gäbe nun doch drei Ausflüge mit deutscher Reiseleitung in Alesund, Bergen und Geiranger. Allerdings müssten sich mindestens 30 Gäste dafür anmelden. Auch wenn ich den Nörgel-Touristen ihre Ausflüge gönne: Ganz heimlich würde ich mich doch freuen, wenn keine 30 Anmeldungen zusammen gekommen wären.

Übrigens habe ich am Ende der Reise Giovanni zufällig im Treppenhaus getroffen. Ich habe ihm gesagt, dass nicht alle Deutsche Idioten sind, und dass es mir fürchterlich leid tut, wie sich meine Landsmänner benommen haben. Er meinte, sie hätten dieses Problem auf dieser Reise immer mit den Deutschen, aber auch mit den Italienern und den Israelis. Sie alle erwarteten Ausflüge in ihrer Landessprache, alle mit der Begründung, die Reise sei ja schließlich teuer genug. Aber es gäbe nun einmal kaum Tourleiter, die auf Deutsch, Englisch oder Hebräisch einen Ausflug leiten könnten. Er meinte, letztlich müssten die Touristen an ihrer Anspruchshaltung arbeiten. Ich stimmte ihm aus vollem Herzen zu. Und war froh, dass bei meinem Ausflug zum Mount Dalsnibba keine Motz-Deutschen dabei waren.

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