Wenn einer eine Reise tut …

Oh, hello!
Oh, hello! Wer reist kommt manchmal in merkwürdige Situationen

Leila weint. Sie hat Angst und will zu ihrer Mama, erzählt sie mir. Sechs Jahre sei sie alt, aber sie gehe noch in den Kindergarten. Leila ist mir vor die Füße gelaufen, als ich in Bremen auf dem Weg zum ältesten Stadtteil Schnorr bin. Als ich an einem Auto mit laufendem Motor vorbeikomme, das in einer Taxibucht steht, ist Leila plötzlich da. Wohin ihre Mama gegangen ist, weiß sie nicht. Sie deutet mal hinter sich ins Parkhaus, mal nach rechts oder links. Fakt ist: Die Mama ist nicht da. Und Leila ist aus dem Auto mit dem laufenden Motor heraus geklettert. Ich verspreche Leila, zu warten, bis die Mama wieder da ist.

Nach etwa fünf Minuten schaue ich auf die Uhr, es ist genau 16 Uhr. Ich beschließe, weitere fünf Minuten zu warten, und die Polizei zu rufen, falls bis dahin die Mama nicht aufgetaucht ist. Wie lange Leila schon alleine im Auto saß, kann sie mir nicht sagen. Fünf nach vier rufe ich die 110 und schildere einem Polizisten die Situation. „Ich finde die Situation merkwürdig“, sage ich, und der Polizist antwortet, dass das in der Tat eine ungewöhnliche Situation sei und er jemanden zu mir schicken werde. Weitere fünf Minuten später sind zwei Polizisten da, von der Mama fehlt noch immer jede Spur. Ein Polizist macht den Automotor aus, der andere spricht mit Leila. Dann nehmen sie meine Personalien auf, ich kann gehen.

Als ich nach etwa 40 Minuten wieder an der Stelle vorbeikomme, ist das Auto weg, Leila und die Polizei ebenfalls. Warum das Kind so lange alleine in einem Auto mit laufendem Motor war, habe ich nie herausgefunden, aber ich habe oft über die Sache nachgedacht. Was hätte der Kleinen alles passieren können!

Nehmen Sie meinen Sohn mit nach Köln?

Tatsächlich ist es nicht das erste Mal, dass meinem Mann und mir so etwas passiert. Als wir einmal in Berlin waren, kam am Flughafen ein Mann mit einem kleinen Jungen an der Hand auf uns zu. Ob wir nach Köln fliegen würden, fragte er. Seine Ex-Frau wohne in Köln, der Junge sei übers Wochenende bei ihm gewesen, und müsse jetzt zurück. Doch die Fluggesellschaft biete keine Kinderbetreuung mehr an. Ob wir ihn mitnehmen könnten nach Hause. Ganz wohl ist uns bei der Geschichte nicht. Was, wenn sie nicht stimmt? Was, wenn im Rucksack des Kleinen etwas versteckt ist, was das Gesetz nicht erlaubt. Andererseits: Wenn wir ihn nicht mitnehmen, vielleicht gerät er dann an jemanden, der es nicht gut mit ihm meint. Mein Herz klopft, als wir durch die Sicherheitskontrolle gehen, doch es ist alles gut.

Heikel wird es nochmals, als er aufs Klo muss. Er ist sechs Jahre alt, hat er uns gesagt, und wir wollen ihn auf keinen Fall alleine zur Toilette gehen lassen. Mein Mann bringt ihn zur Tür, wartet aber nicht im Waschraum auf ihn, sondern außerhalb. Auch jetzt geht alles gut. Wir unterhalten uns über Fußball – obwohl ich nicht einmal halb so viel Ahnung von diesem Sport habe, wie mein Gesprächspartner. Wir sehen beim Landen den Dom von oben, wir verlassen gemeinsam den Flieger und gehen nach draußen. Der Junge sieht dort seine Mutter, läuft auf sie zu. Sie nimmt ihn an der Hand und geht mit ihm weg, ohne uns eines Blickes zu würdigen oder auch nur ein Wort mit uns zu sprechen.

Ein Bündel Dollar-Scheine

Nicht ganz so aufregend, aber trotzdem interessant war unser Spaziergang durch den Kölner Rheinauhafen. Wir waren Gast in der eigenen Stadt, als wir während der Aktion Mein Hotel Colonia ein Zimmer im Kölner art’otel gebucht hatten. Mit den Spiegelreflexkameras spazierten wir durch das ehemalige Hafengelände, als einem jungen Mann vor uns etwas aus der Hosentasche fällt. Ich rief:“Hallo, hey, Sie haben etwas verloren!“. Es dauerte, bis sich der junge Mann umdrehte und zu uns zurückkam. Seine Augen waren vor Schreck sehr groß, und er stammelte „Danke, oh Mann, danke!“. Wir hatten natürlich längst erkannt, was er verloren hatte: Ein dickes Bündel hundert Dollar Scheine, mit einer Sicherheitsklammer zusammengehalten. Warum ein so junger Mann mit so viel Geld in der Hosentasche durch Köln läuft, und warum es US-Dollar und keine Euro sind, wird sich auch niemals klären. Aber so haben wir etwas, worüber wir noch viel nachdenken können.

Und was ist euch auf Reisen schon Merkwürdiges passiert? Ich freue mich auf eure Geschichten.

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