Weingut Wirsching: Fränkischer Weißwein aus Iphofen

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Bier und Bayern, das gehört zusammen wie Jacke und Hose. Weiß jeder. Dass in Bayern, genauer: in Franken, aber auch Wein hergestellt wird, habe ich selbst erst vor wenigen Jahren bei einer Bloggerreise nach Bayreuth erfahren. Tatsächlich liegen gut sechs Prozent der deutschen Weinanbauflächen in Bayern. Typisch für das Anbaugebiet ist der Silvaner. 

Weil es in NRW gar nicht so einfach ist, an die fränkischen Weine zu kommen, habe ich gleich meine Ohren gespitzt, als meine Freundin Anja mir erzählte, dass sie ein Praktikum in Iphofen auf dem Weingut Hans Wirsching macht. Den Familienbetrieb gibt es seit etwa 1630, also seit gut 400 Jahren. Andrea Wirsching, die das Gut leitet, ist die 15. Generation. Und Iphofen – ich musste das auch schnell nachschauen – liegt etwa 100 Kilometer nördlich von Nürnberg und 140 Kilometer von Bayreuth.

Das Weingut Wirsching

Die Reben der Wirschings wachsen auf etwa 80 Hektar Land. Das entspricht ungefähr acht großen Fußballfeldern – oder fast zweimal der Größe der Theresienwiese in München, auf der regelmäßig das Oktoberfest stattfindet. Die Weine des Guts gehen überwiegend an Einzelkunden und in die Gastronomie, im Handel werdet ihr sie also selten finden. Aber natürlich gibt es einen Onlineshop. Dort kann man auch Probierpakete bestellen. Und noch bis mindestens Mitte Juli finden noch Online-Verkostungen statt, danach hoffentlich wieder Weinproben vor Ort.

Wer einen Blick auf die Internetseite wirft, sieht schnell, dass das Weingut Wirsching Jahr für Jahr Auszeichnungen für die Qualität ihrer Produkte bekommt. Zuletzt übrigens den ersten Platz für die 2018 Iphöfer Kronsberg Scheurebe Beerenauslese in der Kategorie edelsüß. Bei der Blindverkostung der Fachzeitschrift Wein+Markt wurden 246 Weine probiert.

Vom Weingut Wirsching: Silvaner, Grauburgunder, Riesling

Aber zurück zu meiner Freundin Anja. Ihr Angebot, bei einer gemeinsamen Onlineverkostung die Weine der Wirschings kennenzulernen, nehme ich natürlich gerne an. Wir beginnen mit einem Silvaner 2020 aus der Schlegelflasche. Der Begriff war mir auch neu, aber jetzt weiß ich, dass das die schlanken, hohen Flaschen sind. Der Silvaner 2020 von Wirschings wächst auf jüngeren Weinbergen. Eine weitere Besonderheit: Der Wein ist kühler vergoren. „Das hat zur Folge“, erklärt mir Anja, „dass ein bisschen von der Kohlensäure im Wein erhalten bleibt. Er wirkt dadurch frischer.“

Der Silvaner 2020 ist für mich ein typischer Sommerabendwein – leicht. Anja empfiehlt ihn zu Gemüse, Fisch oder asiatischem Essen. Länger lagern würde sie ihn eher nicht, denn dann würde er seine Spritzigkeit verlieren.

Was ist Fair’n green?

Auf der Rückseite der Weine sehe ich ein Siegel, das ich noch nie gesehen habe: Fair’n green. Es steht für Nachhaltigkeit im Weinanbau, erfahre ich. Es geht dabei also nicht darum, nach Bioland– oder Demeter-Vorgaben zu produzieren, sondern den Weinanbau und -vertrieb ganzheitlich zu betrachten. Dazu gehören natürlich auch der Umweltschutz und der naturnahe Weinanbau. Genauso wichtig sind aber faire Löhne und Arbeitsbedingungen  – auch für die ausländischen Saisonarbeitskräfte, gesellschaftliche Verantwortung und eine Reduktion des CO2-Fußabdrucks.

Als nächstes öffnen wir den Grauburgunder. Er wird in Bocksbeutelflaschen abgefüllt. „Die waren im Mittelalter praktischer am Gürtel der Mönche zu befestigen“, erklärt mir Anja. Der 2020 Iphöfer Julius-Echter-Berg kommt von einer alten Rebe. „Das bedeutet, dass der Rebstock mindestens 20 Jahre alt ist und sehr gute Trauben trägt.“ Kein Wunder: Die Wurzeln eines alten Rebstocks gehen tief. Das heißt, sie bringen das Aroma der Erdschichten, die sie durchziehen, in die Früchte. In Iphofen sind das klar die Mineralien des Gipskeuperboden. Dementsprechend ist der Grauburgunder auch nicht so frisch und spritzig wie der Silvaner.

Der Wein kommt aus der ersten Lage. Sie ist nach den Regeln des Verbands der deutschen Prädikatsweingüter (VDP) eine besondere Lage, in der über lange Zeit Weine von herausragender Qualität erzeugt wurden. Es gibt auch die Kategorien Gutswein und Ortswein. Die beste Lage wird Große Lage genannt. Anja empfiehlt, den Grauburgunder zu kräftigen Speisen und cremigen Soßen zu trinken. Und wer mag, kann ihn auch etwas länger liegen lassen. Im Gegensatz zum Silvaner wird er dabei gewinnen.

Zum Abschluss der Riesling vom Weingut Wirsching

Zum Abschluss unserer Weinverkostung öffnen wir den Riesling Sister Act 2018. Er ist genau nach meinem Geschmack, denn man schmeckt, dass er im Holzfass gereift ist. Aber auch alle anderen Informationen, die Anja mir gibt, sprechen für ihn: Die Trauben für den Sister Act kommen von einer Rebe, die etwa 40 Jahre alt ist – und dann ist er auch noch spontanvergoren. Was das nun wieder bedeutet? Wirschings haben keine Hefen zugesetzt, sondern einfach geschaut, was mit dem Wein passiert, wenn die wilden Hefen aus dem Keller, dem Weinberg und von den Früchten ihre Arbeit verrichten.

„Das ist natürlich immer experimentell, weil man nicht weiß, was am Ende dabei herauskommt“, sagt Anja. Aber in diesem Fall ist es gelungen. Sister Act heißt der Wein übrigens, weil er ein Gemeinschaftsprojekt von Andrea Wirsching und ihrer Schwester Lena ist. Anja empfiehlt den Wein zu Pilzspeisen, vielleicht sogar zu Wild und zu Speisen mit Röstaromen.

Mein Fazit: Eine gute Neuentdeckung. Ich hätte mir etwas mehr Wärme am Verkostungsabend gewünscht, weil Weißwein bei mir mit Sommer verbunden ist. Aber da kann der Wein ja nichts dafür. Und im Onlineshop gibt es genug Auswahl, damit ich mich für die kommenden, hoffentlich warmen Wochen, eindecken kann.

Als Journalistin halte ich mich an den Pressekodex des Presserats. Das Weingut Wirsching hat mir die drei Flaschen Wein kostenlos zugeschickt.


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