Wein aus Spanien gegen die Tristesse des Winters

Mein Favorit: ein spanischer Weißwein
Mein Favorit: ein spanischer Weißwein

Emoción. Das spanische Wort ist auf der iberischen Halbinsel sehr beliebt. Kaum ein spanischer Liedtext kommt ohne Emoción aus. Und wenn wir ganz ehrlich sind, dann geht es uns allen doch ganz oft um Emotionen, psychische Erregung, das Gemüt – und ganz viel Gefühl. Vielleicht, so dachte sich die Spanische Wirtschafts- und Handelsabteilung, wäre Emoción auch einmal die richtige Herangehensweise, um spanische Weine zu entdecken. Darum lud sie zu einer Weinverkostung ein, bat aber die Gäste, im Vorfeld ein Foto vom letzten Spanienurlaub zu schicken, mit dem man einen besonders schönen Moment verbindet.

Meine Favoriten

Blick übers Meer
Blick übers Meer

Mein Foto ist im Winter 2016 auf Mallorca entstanden, bei einer etwa zehn Kilometer langen Runde rund um Cala Rajada. Und der Weinsommelier Peer F. Holm hat dazu einen Wein ausgesucht: Er kommt von den Bodegas Huerta de Abala, heißt Taberner und ist ein einhundertprozentiger Syrah. „Das ist ein Wein, der im Winter die Farbe zurückholt“, sagt Holm. Kraftvoll sei er und beeindruckend, sagt der Weinexperte. Und ja, ich verstehe, warum er ihn ausgesucht hat. Und: Ich mag ihn!

Mein Favorit ist aber ein Weißwein bei dieser Verkostung im Düsseldorfer Medienhafen. Botani Moscatel seco kommt von den Bodegas Jorge Ordonez & Co. Es ist ein Wein, den Holm zu einem Sonnenuntergang auf Ibiza empfehlen würde. „Dem Alltag entfliehen“ verbindet er damit. Ich mag diesen Wein aus Malaga, weil er so fruchtig ist, 13,5 Prozent Alkohol merkt man ihm nicht an.

Andere spanische Weine

  • Wer’s eher wild mag, eher die abgelegene Schlucht als den überfüllten Strand Mallorcas mag, könnte einmal einen Bosc Silvestre von den Bodegas Casters del Sió probieren.
  • Der Petit Som Roure von den Bodegas Galmes i Ribot, der kleine Verrückte, der voller Lebensfreude steckt, kommt von Mallorca. Eine Besonderheit, den mallorquinische Weine findet man in Deutschland nur selten. „Die Seefracht macht den Wein teuer“, erklärt Holm. Man müsste ihn in großen Mengen abnehmen, „aber die kleinen Bodegas haben oft gar nicht so große Mengen“. Davon abgesehen werde der mallorquinische Wein auf der Insel stark nachgefragt. Es gibt also keinen Grund, ihn zu exportieren. Wer eine Flasche bekommt, sollte sie auf keinen Fall offen stehen lassen, rät der Weinsommelier. Viel mehr öffne man sie, um sie zu trinken. Und wärmer als 15 Grad Celsius sollte sie nicht werden.
  • Einen Ramón Bilbao Gran Reserva von den Bodegas Ramón Bilbao trinkt man am besten, um den Tag in Ruhe ausklingen zu lassen. Ein eleganter Wein sei das, sagt Peer F. Holms, ein Wein, der trotz seiner acht Jahre Reifezeit ungewohnt jung wirke.
  • Sehr bunt ist das Etikett des Orgullo Wine von den Bodegas del Rosario, und mit dieser satten Farbe sei er bestens geeignet für den farbenfrohen Sonnenuntergang auf Menorca, heißt es bei der Weinverkostung. Denn dort verändere sich der Himmel am Abend oft über sämtliche farbliche Nuancen hinweg. Ideal passe dieser Wein zu einem Grillabend mit Freunden oder einem großen Fest.
  • Protos Crianza vom Weingut Bodegas Protos gehört für den Weinexperten zum Besuch in der Tapas-Bar um die Ecke.

Abends in der Tapas-Bars

„Die Spanier essen immer Tapas zum Wein“, sagt Peer F. Holms. Und wir machen das an diesem Abend natürlich auch: Garnelen, Tortilla, Manchego, Serrano und Chorizo gibt’s in kleinen Gläschen und auf Tellerchen. Typische spanische Tapas eben. Wer auf der Suche nach einer authentischen Bar ist, sollte auf den Fußboden blicken. Ist er schmutzig, sollte man dort einkehren, „denn das ist ein Zeichen dafür, dass hier viele Besucher ein- und ausgehen“, so Holm. Ein Glas Wein in der Tapas Bar sollte übrigens nicht mehr 2 Euro kosten, wenn die Flasche bei 20 Euro liegt, sei das schon viel. Kleiner Tipp vom Spanien-Kenner: „Wer die Bedienung anlächelt, bekommt oft einen Schluck mehr ins Glas“.

Mit Weinsommelier Peer F. Holm habe ich mich darüber unterhalten, wann ein Wein gut, was guter Wein kostet, und wo er in Spanien am liebsten unterwegs ist:

Verratet in den Kommentaren doch, welche Weine Ihr besonders gerne trinkt!

Cava, Sherry und Wermut

In Spanien gibt es jedoch nicht nur Rot- und Weißwein, sondern auch Cava, der dem französischen Champagner entspricht, aber weniger Säure hat. 200 Millionen Flaschen werden in Spanien produziert, die Hälfte davon ist für den Export bestimmt. 50 Prozent davon gehen alleine nach Deutschland. Wir trinken einen Raventós Blanc de Nit Rosado aus den gleichnamigen Bodegas als Aperitif. Passend wäre er jedoch auch für einen Start in einen ganz besonderen Tag, um in Schwung zu kommen.

Und dann ist da natürlich auch der Sherry, Fino Inocente von den Bodegas Valdespino Grupo Estevez. Ein Sherry, der gut zum stolzen Andalusier passt, wie Holm sagt. Sein Tipp: „Der Sherry reift im Fass. Wer zuhause eine Flasche anbricht, sollte sie nicht stehenlassen, sondern innerhalb weniger Tage leer trinken“. Ein Fehler sei außerdem, Sherry aus kleinen Gläsern zu trinken: Damit er sich entfalten kann, braucht er Raum. Darum seien große Gläser und eine Menge von 10 cl angebracht.

Schließlich testen wir auch noch einen Vermut Sherry Cask. Wermut ist ein Wein, der mit Kräutern im Fass reift. Zitrone, Orange, Gewürznelke können ihre Geschmacksnoten hinterlassen, und natürlich das Wermutkraut, das dem Getränk seinen Namen gegeben hat. Holm empfiehlt, Wermut mit Cava gemischt als Aperitif anzubieten.

Abends in der Tapas-Bars

Das weintasting hat in Düsseldorf im Medienhafen stattgefunden, und zwar in der Bar The View. Von dort oben hat man – der Name lässt es erahnen – einen tollen Blick über den Hafen. Im Video erfahrt Ihr mehr darüber:

Der Veranstalter hat mir eine Flasche meines Lieblingsweins geschenkt und den Druck meines Fotos auf Leinwand.

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