Tunesien: letzte Pauschalreise – analoge Erinnerungen

1998 auf dem Souk in Tunesien
1998 auf dem Souk in Tunesien

Ich bin sicher, dass Tunesien seinen Reiz hat. Die Erinnerung, die ich mit diesen Bildern von 1997 verbinde, sind jedoch nicht besonders positiv: Ich wollte Weihnachten in die Sonne. Und weil ich es nicht anders kannte, habe ich im Internet eine Pauschalreise gebucht. Es war wohlgemerkt meine letzte Pauschalreise. Ob das Hotel gut oder schlecht war, weiß ich nicht mehr. Ich erinnere mich aber, dass ein Hotelangestellter meinen Koffer in mein kleines Häuschen brachte. Er fragte mich, ob wir Freunde sein wollten, und in meiner grenzenlosen Naivität sagte ich: Ja, klar. Er meinte, er käme nach Feierabend bei mir vorbei, was ich nicht so ernst nahm. Er schon: Am späten Abend hämmerte es gegen meine Tür, lang und laut. Da ich nicht aufmachte, waren wir am nächsten Tag keine Freunde mehr – er würdigte mich keines Blickes für den Rest des Urlaubs.

Hühner 1998 in Tunesien
Hühner 1998 in Tunesien

Dafür traf ich auf zwei einsame Männer aus Deutschland. Einer war etwas jünger, Polizist, frisch geschieden. Wir waren mit anderen Pauschalreisenden an Heiligabend auf einem Kamelritt durch die Wüste bei Doux. Es begann erstaunlicherweise zu regnen und der Kamelführer bat mich abzusteigen. Er warf eine dicke, stinkende Decke über uns, damit wir nicht nass wurden. Der Polizist fotografierte das und schickte mir später das Bild. Ein Jahr später, ich hatte seinen Namen und seine Geschichte längst vergessen, schickte er mir eine Postkarte aus Mexiko: Er habe seinen Lebenstraum wahr gemacht. Das freute mich, auch wenn ich nicht viel damit anfangen konnte.

Der andere Mann war älter und rauchte viel, auch im Flugzeug. Damals durfte man dort tatsächlich noch rauchen. Irgendwann fragte er mich, was ich eigentlich von ihm wolle, er sei doch viel zu alt für mich. Seine Kinder würden ihm die Hölle heiß machen. Ich wollte gar nichts von ihm – er war mir viel zu alt. Es waren einfach nicht so viele Gäste da, mit denen man hätte reden können. Aber so war es zumindest 1997, wenn man als Frau alleine Pauschalurlaub machte. Man wurde in eine Schublade gesteckt. Übrigens auch von den Hotelangestellten, die mich beim Frühstück und beim Abendessen immer alleine an einen Tisch in einer Ecke setzten.

Diese Fotos entstanden bei einem dieser Ausflüge, bei denen viele Touristen in einen Bus gequetscht werden. Dann wird man von einer Sehenswürdigkeit zu anderen gefahren, läuft im Schweinsgalopp hindurch, und fährt wieder ins Touristenghetto zurück. Wir besuchten das Amphitheater in El Djem und offensichtlich ein Souk, also einen Markt. Doch als wir dort ankamen, war es schon ziemlich leer, wir waren spät dran. Von dem oft beschriebenen bunten Gewimmel bekamen wir also leider nichts mit.

Nach diesen etwas bizarren Erlebnissen war für mich klar, dass ich nie mehr Pauschalurlaub machen würde. Und das habe ich bisher auch nie mehr getan.

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