Sterneköchin Julia Komp in Köln

Garnele mit fruchtiger Ananassoße
Garnele mit fruchtiger Ananassoße

Ob wir hier richtig sind? Die Straße ist dunkel, links von uns stehen Lagerhallen. Außer uns scheint hier kein Mensch unterwegs zu sein. Das ist ein bisschen wenig dafür, dass in der Hafenstraße in Köln-Mülheim ein Pop-up Restaurant der Sterneköchin Julia Komp sein soll. Doch da, einige Meter weiter geradeaus, ist ein unscheinbarer Tordurchgang mit Lichterkette geschmückt. Dahinter ist ein Parkplatz – und dann führt ein Fußweg an einer Feuerschale mit flackernden Flammen vorbei zu einem ein beleuchteten Gebäude: Lindgens Lokschuppen – davon hatte ich bisher noch nie gehört. Dabei hat das Gebäude mit den großen Fenstern und Domblick, mit den Backsteinmauern und der hohen Decke Charme. Und zwar so viel, dass Julia Komp, einst Deutschlands jüngste Sterneköchin, hier in der Vorweihnachtszeit ein Pop-up Restaurant eröffnet hatte.

Julia Komp ist asiatisch-orientalisch inspiriert

So ein Pop-up Restaurant gibt es nur für kurze Zeit. Das Prinzip ist in der Zwischenzeit bekannt von Läden und Marketingaktionen. So hatte beispielsweise Aldi vor einigen Jahren im Mediapark ein Pop-up Restaurant für einige Wochen aufgebaut. Dieses Mal hat sich Julia Komp dafür entschieden, und zwar zu seinem durchaus spannenden Zeitpunkt: Die Sterne-Köchin ist nämlich zurück von einer langen Reise. Sie hat in Küchen im Iran und Oman gekocht, hat sich in China und Indien Inspiration für ihre Küche geholt – und aus dem neu erworbenen Wissen ein vorweihnachtliches Menü zusammengestellt. Das wurde an den Wochenenden vor Weihnachten im Lokschuppen in Mülheim serviert.

Dazu standen acht große runde Tische mit vielen Gläsern und viel Besteck auf weißen Tischdecken, in dem Gebäude. An jedem Tisch saßen acht oder neun Gäste nach dem Zufallsprinzip zusammengewürfelt. An manchen Tischen, so kam es mir zumindest vor, kamen die Leute gut miteinander ins Gespräch. Bei uns klappte das leider überhaupt nicht. Das ältere Paar links von uns interagierte überhaupt nur, wenn es angesprochen wurde. Es kam auch nicht von sich aus auf die Idee, das Brot oder die Pralinen weiterzugeben, sondern achte lediglich darauf, selbst gut versorgt zu sein. Und das, obwohl offensichtlich war, dass wir keinen Zugang zu den entsprechenden Tellern beziehungsweise Platten hatten. Die anderen Gäste am Tisch waren ihnen schlicht egal, wenn nicht vielleicht sogar unangenehm. 

Nicht immer sind Zufallsbekanntschaften erfreulich

Rechts von uns saß ein junger Mann, der vermutlich mit seinen Eltern da war. Diese scheinen jedoch in seiner Erziehung das ein oder andere verpasst zu haben, denn auch er kam nicht auf die Idee, Brot oder Pralinen weiterzureichen oder auch nur ein Wort mit uns zu wechseln. Schade. Allerdings für mich nicht das erste Mal, dass ich feststelle, dass diese Zufallsbekanntschaften sehr schwierig sind. Ich verstehe zwar, dass es für die Veranstalter einfacher ist, große Tische aufzustellen. Es ist jedoch nicht immer zur Freude der Gäste. Noch schwieriger habe ich allerdings einen Abend bei YouDinner im Gedächtnis. Mein Tipp für weitere Veranstaltungen dieser Art im Lokschuppen: Stellt doch einfach jeder Partei am Tisch Brot und Pralinen vor die Nase. Dann ist zumindest sichergestellt, dass sich Gäste nicht benachteiligt fühlen müssen, nur weil sie mit sozial inkompatiblen Menschen am Tisch sitzen.

Julia Komp: sehr persönlicher Umgang mit den Gästen

Von den Tischnachbarn abgesehen, war der Abend kulinarisch durchaus ein Highlight: Zur Begrüßung gab es einen Champagnerempfang mit Produkten von Henri Chauvet, zu dem ich erstaunlich wenig im Internet finde. Ich finde aber, dass er mit Moet et Chandon mithalten kann, und besser ist als der zweite Champagner, den ich neulich bei einem Tasting kennengelernt habe. Sehr nett fand ich, dass Julia Komp jeden Gast mit Handschlag begrüßt hat. Was für ein Unterschied zu dem Schickimicki-Getue im Gut Lärchenhof. Auch nach dem Essen kam sie an jeden Tisch und fragte, ob man zufrieden sei. Eine sehr schöne Geste. Im Internet ist übrigens zu lesen, dass Komp ein Restaurant 2020 in Köln eröffnen wird. Auf meine Frage, was sie den so vorhabe, sagte sie, sie bleibe auf diesem Gelände. Und da dort auch ein ganz neues Gebäude gebaut wird, könnte ich mir gut vorstellen, dass das das eigentliche Restaurant werden wird.

Wird das Julia Kamps neues Restaurant in Köln?
Wird das Julia Kamps neues Restaurant in Köln?

Toller Service bei der Weinbegleitung

Sehr angenehm und lösungsorientiert fand ich übrigens auch den Sommelier: Eigentlich mag ich nämlich die Weinbegleitungen zum Menü. Immerhin haben sich da Leute Gedanken gemacht, welcher Wein gut zum Essen passen könnte. Das Problem: Nach sechs Gläsern Wein bin ich jenseits von gut und böse. Und ehrlich gesagt glaube ich, dass man dann das Essen auch nicht mehr würdigen kann. Abgesehen davon kostet die Weinbegleitung für zwei in der Regel nochmals gut so viel wie ein drittes Menü. Der Sommelier bot uns kurzerhand an, eine Weinbegleitung zu teilen: Wir bekamen also jeweils nur 0,1 Liter ins Glas – und das war optimal. Wir hatten danach zwar trotzdem einen im Tee. Aber: Wir konnten beide alle Weine probieren, und das, ohne ein Vermögen dafür bezahlen zu müssen. Ich wünsche mir, dass alle Fine Dining Restaurants künftig so flexibel sind. Die Realität sieht ja leider so aus, dass es auch Sternerestaurants gibt, die nicht einmal den Preis für die Weinverkostung nennen, was am Ende eines Abends einen bitteren Nachgeschmack bei den Gästen hinterlassen kann.

Mein Fazit: ich habe außer vielleicht im Nagaya in Düsseldorf noch nie so exotische Geschmackskombinationen wie bei Julia Komp auf dem Teller gehabt. Den Service fand ich äußerst kundenfreundlich. Und ich freue mich schon auf meinen ersten Besuch in ihrem neuen Restaurant. Ganz besonders natürlich, weil es in Köln das Gastronomie-Angebot bereichern wird.

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