Shalom-Musik Festival Köln im August: Jazz, Beats und mehr

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Jüdische Musik, was verstehst du darunter? Klezmer, werden auf diese Frage viele antworten. Ich auch. Und ganz falsch ist diese Antwort nicht. Klezmer Musik, so beschreibt es Jascha Nemtsov in der Kölner Synagoge in der Roonstraße bei einer Podiumsdiskussion zum Thema „Mehr als nur Klezmer“. Klezmer ist ursprünglich instrumentelle Volksmusik. Gespielt von einfachen Menschen, Schustern oder Hausierern, die keine Noten lesen konnten, aber die Leute beispielsweise bei Hochzeiten unterhalten wollten. Die heutige Klezmer-Musik habe damit allerdings nicht mehr viel zu tun, so Nemtsov bei der Vorabveranstaltung zum Shalom-Musik Festival. Er muss es wissen, denn er ist Musikwissenschaflter und Professor in Weimar an der Hochschule für Musik.

Jascha Nemtsov spielt Stücke von jüdischen Musikern
Jascha Nemtsov spielt Stücke von jüdischen Musikern

Mit ihm diskutierten Inna Goutz, Geschäftsführerin des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Nordrhein, Jürgen Wilhelm, Vorstandsvorsitzender der Kölnischen Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, und Thomas Höft. Er plant gemeinsam mit Ulrike Neukamm das Shalom-Musik Festival, das in Köln vom 4. bis 11. August stattfinden wird. „Mehr als Klezmer“ war eine Vorabveranstaltung, die von WDR 3 aufgezeichnet wurde. Du kannst dir das Gespräch am 1. Juli um 18 Uhr anhören.

Was genau ist jüdische Kunst?

Aber zurück zur Ausgangsfrage: Was ist jüdische Musik? Ist Musik dann jüdisch, wenn sie von Juden gespielt wird? Oder wenn sie jüdische Elemente enthält? „Gustav Mahler, Heinrich Heine und Marc Chagall wollten sicherlich nicht in erster Linie mit ihrer Kunst als Juden gesehen werden“, sagte Jürgen Wilhelm bei der Diskussion. „Vielmehr wollten sie exzellente Musiker, Maler, Autoren sein. Sie wollten sich nicht mit religiösen Künstlern vergleichen, sondern mit den großen Künstlern der Welt“. Mir kommt der Gedanke, dass man Kunst von christlichen Künstlern nicht als solche bezeichnen würde, wenn es dabei nicht um religiöse Inhalte geht. Und ich frage mich, was eigentlich kölsche Musik ist: Musik, die von Kölnern gespielt wird? Musik, die in kölscher Sprache gesungen wird, obwohl die Musiker unter Umständen gar nicht in Köln leben? Wer will die Grenze ziehen, was kölsche Musik, was jüdische Kunst ist?

„Ich begrüße, dass die Grenzen fließend sind“, sagte Jascha Nemtsov auf die Frage, wo jüdische Musik beginnt, und wo sie endet. „Schließlich bin ich kein Buchhalter und froh darüber, nicht so klar wie dieser Dinge einsortieren zu müssen“. Doch wenn jüdische Musik in erster Linie als Musik verstanden werden soll, braucht es dann überhaupt ein Shalom-Musik Festival in Köln? Ja, sind sich die Gesprächspartner*innen einig. Denn ein solches Festival könne helfen, Grenzen im Kopf aufzubrechen und Gespräche in Gang zu bringen. 

Die ersten Grenzen dürften übrigens bereits beim Lesen des Programms fallen. Klezmer-Musik findet man dort zwar auch. Aber eben noch sehr viel mehr. „Wir haben jüdische Künstler gefragt, was sie wichtig finden, was sie vermitteln wollen. Das Ergebnis ist unser Festival“, sagte Thomas Höft. Und das ist vielfältig.

Meine Favoriten beim Shalom-Musik Festival

  • 4. August: Shalom Klubnacht im Bumann & Sohn in Ehrenfeld
  • 6. August: Gekumen. Musiktheater ab 14 Uhr in der KVB-Linie 7
  • 7. August: Trio Picon mit jiddischem Tango im Belgischen Haus
  • 7. August: Igor Eppstein, der Teufelsgeiger, im Rautenstrauch-Joest-Museum
  • 7. August: Sharon Brauner mit einer musikalischen Reise ins Berlin der 20er Jahre im Kleinen Sendesaal des WDR

P.S.: „Klezmer“ wird mit weichem s gesprochen, nicht mit z, habe ich bei der Veranstaltung gelernt.

Wer schreibt hier? Bettina Blass

Bettina Blaß ist Bloggerin, Buchautorin und Verbraucherjournalistin. Sie gibt Seminare und Workshops rund das Internet wie beispielsweise "Personal Branding" oder "Online publizieren". 2021 hat sie das Buch "Zu Fuß durch Köln" herausgebracht.

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