Schokolade für die Weihnachtsfeier in der Flüchtlingsunterkunft

Tütenweise Schokolade
Tütenweise Schokolade

Stellt Euch vor, jemand schenkt Euch 2,5 Kilo Schokolade. Was für manche wie das Paradies klingt, ist für andere eher ein Albtraum: Sie wollen das Geschenk aus sehr persönlichen Gründen nicht haben, aber der Schenkende soll es auch nicht behalten. Da gleich mehrere Menschen, die beschenkt werden sollten, so dachten, befanden sich plötzlich 13 Kilogramm Schokolade in unserem Besitz – verbunden mit der Auflage, damit etwas Sinnvolles zu machen.

Spontan kamen mir dazu drei Gedanken:

  1. Die Give Box in der Körnerstraße. Dort soll man aber keine Lebensmittel einstellen.
  2. Der Fairteiler im Allerweltshaus. Aber für ihn könnten 13 Kilo doch etwas viel sein, und wenn die Schokolade im Warmen steht, wird sie nicht besser.
  3. Wir bringen sie in eine Flüchtlingsunterkunft. Aber geht das überhaupt? Ist es erlaubt und gewollt?

Ich nehme über Twitter Kontakt auf mit dem Account der Bezirksregierung Köln:

Die Antwort kommt postwendend per direct message: Da man zu Weihnachten in Chorweiler einige Veranstaltungen plane, sei die Schokolade dort sehr willkommen. Na denn – drei Taschen voll Schokolade ins Auto und ab nach Chorweiler. Am Aqualand soll die Flüchtlingsunterkunft sein. Vom Parkplatz des Schwimmbades sehen wir eine hohe Absperrung mit Sichtschutz. An ihr gehen wir vorbei, zunächst in die falsche Richtung, bis wir in einer Sackgasse sehen. An einigen Stellen bekommt man Einblicke: In Reih und Glied stehen stabile, große Zelte aus weißen Planen und einem schlanken Schornstein.

Flüchtlingsunterkunft
Flüchtlingsunterkunft

Kurz geht mir der Begriff Lager durch den Kopf, und ich bin froh, dass Deutschland mit diesen Flüchtingsunterkünften diesmal etwas Gutes tut. Die Lager von vor 70 Jahren gehören der Vergangenheit an, hoffentlich für immer.

Wir gehen in die andere Richtung und sehen zwei Container. Auf deren Dach sind übergroße Minions-Figuren, die gelben Gesellen mit den merkwürdigen Augen und den blauen Latzhosen. Sie bringen etwas Farbe in das sonst überwiegende Kunststoffweiß und Metallgrau. Die Container sind der Eingang zur Flüchtlingsunterkunft. Hier sitzt und steht Security, der Sicherheitsdienst, alle drei Männer haben eine andere Hautfarbe und alle drei sprechen akzentfreies Deutsch. Es ist schön, dass unsere Gesellschaft so bunt geworden ist und noch viel bunter werden wird.

„Hallo“, sagen wir. „Wir haben einen Termin mit der Frau Soundso.“ – „Wegen der Schokolade?“, fragt ein Sicherheitsmann. Wir werden wohl schon erwartet. Da kommt auch schon eine Frau auf uns zu, sie strahlt über das ganze Gesicht und schüttelt uns die Hand. Man plane eine Weihnachtsfeier hier in der Flüchtlingsunterkunft, erzählt sie uns. Und da komme unsere Schokolade wie gerufen. „Wir freuen uns“, sagt sie, „wir freuen uns sehr. Vielen Dank!“. Und wir, wir freuen uns auch. Frohe Weihnachten!

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