Rezension: Thomas Cook. Pionier des Tourismus

Zufällig gefunden: Werbung für Thomas Cook Anfang des 20. Jahrhunderts
Zufällig gefunden: Werbung für Thomas Cook Anfang des 20. Jahrhunderts

Thomas Cook – den Namen kennt jeder, der schon einmal verreist ist. Denn Thomas Cook Reisebüros findet man in vielen Städten. Jörn W. Mundt hat ein Buch über den Pionier des Tourismus geschrieben, über sein Leben – und wie es dazu kam, dass er Reisen organisierte. Ich habe das Buch gelesen.

Thomas Cook kam aus einer armen Familie. Mit 12 übernahm er die Verantwortung für seine beiden Stiefbrüder. Da er Geld verdienen musste, konnte er nicht einmal die Armenschule besuchen. Er bekam aber etwas Unterricht an der Sonntagsschule.

Als 20-Jähriger war er als Wanderprediger unterwegs, legte 2.106 Meilen zu Fuß zurück. Schade, dass in einem deutschen Buch statt der Kilometerangabe Meilen stehen, eine Einheit, zu der wir kein Verhältnis haben. 2106 Meilen sind nämlich fast 3.400 Kilometer, eine Strecke, die von Schweden nach Spanien führen würde.

Cooks Familie
Cooks Familie

Dann heiratete Cook und machte sich als Tischler selbstständig. Er bekam zwei Söhne und eine Tochter. Bald danach schloss er sich einer Abstinenzlerbewegung an: Zu schlecht waren die Erfahrungen, die er mit alkoholsüchtigen Chefs gemacht hatte. Auch seine Frau verzichtete auf Alkohol, und so kam das Paar zu ersten Erfahrungen mit der Tourismusbranche: Man bat sie, eine Pension für ebenfalls abstinente Reisende in ihrem Haus zu eröffnen. Bald danach begann Thomas Cook, Tagesausflüge für die so genannten Temperenzler zu organisieren, also für diejenigen, die auf Alkohol verzichteten.

1845 organisierte er erstmals eine Zugfahrt zu verbilligten Preisen inklusive der Möglichkeit, am Reiseziel weitere Ausflüge gegen eine zusätzliche Gebühr zu buchen. Außerdem hatte er einen Reiseführer zum Ziel geschrieben, in dem er vor Fallen für Touristen warnte. Für Unterkunft und Verpflegung für die Reisenden sorgte er allerdings nicht. Darum ist Thomas Cook auch nicht der Erfinder der Pauschalreise, wie es so oft heißt. Wohl aber ist er einer der ersten Stunde des Massentourismus. Schließlich organisierte er Reisen für mehrere hundert, später sogar tausend Menschen.

In den Jahren darauf weitet er sein Angebot auf die Nachbarländer aus, selbst nach Ägypten führte er seine Gäste. Der große Vorteil der Gruppenreisen: Man war sicherer als als Alleinreisender. Doch damit Cooks Dienstleistung funktionierte, mussten die Rahmenbedingungen stimmen:

  • Es muss eine touristische Infrastruktur geben.
  • Menschen müssen ausreichend Geld haben, um zu reisen.
  • Und sie benötigen Zeit.

Diese Grundsätze gelten auch heute noch.

Beginn des Buches
Beginn des Buches

Cook veröffentlichte regelmäßig in den Zeitungen Berichte über seine Reisen. Er war also auch noch das, was man heute einen erfolgreichen PR-Mann nennen würde. Obwohl sein Geschäft ständig wuchs und immer mehr Menschen auf reisen schickte, verdiente er damit nur wenig Geld. Das änderte sich erst, nachdem sein Sohn in die Firma einstieg. Für ihn war sie nicht mehr als Geschäft, und er hatte vielleicht auch darum das bessere Händchen dafür. Allerdings war die Stimmung zwischen Vater und Sohn oft alles andere als freundlich oder gar familiär. Thomas Cook starb 1892 im Alter von 83 Jahren. Seine Enkelsöhne verkauften das Unternehmen 1928. Es wechselte mehrfach den Besitzer und ist heute ein deutsches Unternehmen.

Fazit: auch wenn die Geschichte Thomas Cooks sicherlich interessant ist, so lernt man ihn nicht als Menschen kennen. Auch werden die bereisten Länder vor den Augen des Lesers leider nicht bunt und lebendig. Vielmehr scheint das Buch sich häufig selbst zu wiederholen und ist leider oft steif geschrieben. Eine nüchterne Biographie und Unternehmensgeschichte, nicht mehr. Aber auch nicht weniger.

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