ProWein: Weinreise durch Westeuropa an einem Tag


Familie, Historie und Tradition – das sind die drei Begriffe, die ich bei meinem Besuch auf der diesjährigen ProWein am häufigsten gehört habe. Hinter vielen Produkten stecken spannende Geschichten. Da ist zum Beispiel das Weingut Richard Böcking aus Traben-Trarbach an der Mosel. Hier beginnt meine Weinreise durch Westeuropa, etwa 170 Kilometer südlich von Köln. Weine von der Mosel habe ich schon in dem kleinen Dorf Brodenbach kennengelernt. Darum freue ich mich besonders darüber, eine Winzerfamilie zu treffen, die dort in der Nähe anbaut: Das Weingut gibt es seit unfassbaren 400 Jahren – oder in der 15. Generation, wie mir Denman Zirkle erklärt. Er ist heute Geschäftsführer des Weinguts. 2010 hat er es mit seiner Tochter Sigrid Carroll übernommen. Die Namen und der Akzent von Denman und Sigrid verraten es ein wenig: Die beiden sind US-Amerikaner. Ihre Familienbande kommen durch die verstorbene Frau und Mutter, die in die USA geheiratet hatte. So kam es, dass Sigrid als Teenager in den Ferien immer an der Mosel war. Sie liebte die steilen Rebhänge, die Weinlese und die Straußenwirtschaften. Und als es darum ging, wer nach Tante Ulrike das Weingut übernehmen solle, hat sie sich mit ihrem Vater zusammen dieser Aufgabe gestellt. 

Die Macher des Weingutes Richard Böcking

ProWein: Mit Moselweinen in die weite Welt

Das Weingut exportiert derzeit vor allem nach Skandinavien, Großbritannien und logischerweise in die USA. Aber natürlich bekommt man die Weine auch in Deutschland: „Wir haben eine Einsteigerkollektion mit Weinen um acht Euro“, sagt Denman. Ich probiere den Böcking Riesling, der hell ist, leicht süß, und für mich die typische Moselnote hat, die für viele Rheinländer ein zuviel an Säure bedeutet. Ich mag sie. Außerdem gibt es noch die Premiumweine, die eher bei 20 Euro liegen. Wer die Weine kaufen möchte, ruft einfach an oder schickt eine Mail. Und natürlich gibt es auch vor Ort Weinproben.

Wer Moselwein kauft, sollte sich immer dessen bewusst sein, dass die Berge oft besonders steil sind. „Wir ernten mit Hand“, erklärt Winzer Philipp Buchkremer. „Pro Hektar brauchen wir mit zwölf Leuten etwa sechs Tage, auf einem Hektar stehen etwa 8000 Weinstöcke“. Sieben Hektar gehören zum Weingut Richard Böcking.

Luxemburger Cider auf der ProWein

Goldgelber Cider

Die ProWein treibt mich weiter nach Westen. Keine 100 Kilometer sind es bis Born in Luxemburg. Dort produziert Ramborn seit 2012 Cider. Die Idee kam den Machern bei einer Reise durch Schottland: Dort schmeckte ihnen der Cider nämlich nicht. „Das können wir besser“, war der Gedanke. Schließlich gibt es in Luxemburg viele alte Apfelsorten. Und so ließ Ramborn das ursprüngliche Bauern-Getränk Cider wieder aufleben. Im ersten Jahr exportierte man dazu die Äpfel nach England und bekam 2000 Flaschen zurück – die die Freunde begeisterten. Heute produziert die Firma in Luxemburg selbst. Mir persönlich schmeckt der Birnen-Cider ein bisschen besser als der mit Bronze ausgezeichnete Medium Dry Cider aus Apfel. Perry, also Birne, wurde übrigens mit der Goldmedaille des International Cider Award ausgezeichnet.

Auf der ProWein über Frankreich bis Spanien

Von Born geht es gute 800 Kilometer weiter in den Süden nach Chatauneuf du Pape, in der Nähe von Marseille. Dort ist die Domaine Tour Saint Michel. Seit 2007 führt dort Mireille Porte die Geschäfte. Ihr Großvater gründete das Unternehmen 1930, heute ist mit ihrer Tochter bereits die vierte Generation mit eingestiegen. Die Domaine produziert vier Cuvées, einen hat Mireille ihrem Vater gewidmet: „Er ist eine Hommage an einen großzügigen und starken Mann“, sagt sie. Und darum haben sie ihn Cuvée de Lion, Löwen-Cuvée genannt. Ich schmecke vor allem Holz und Wald bei meinem kleinen Test des Weins. Auch darum passt er gut zu Brie oder Hühnchen, wie mir Mireille verrät. Sie hat einen Wein auch den Frauen gewidmet, Feminessance heißt er, und er ist sowohl elegant als auch kräftig. Ein dritter Cuvée, Le Lien, ist als Erinnerung an die Verbundenheit ihrer Familie seit so vielen Jahrzehnten mit dem Grund und Boden gedacht.

Französische Weine könnt Ihr übrigens bei dem jungen Onlineunternehmen Wein ist Freude bestellen. Geschäftsführer Julius Friedrich hat im Südwesten Frankreichs studiert und gearbeitet, bevor er sich selbstständig gemacht hat. Er bietet auch Tastings an und kommt dazu auch zu Euch nach Hause. Wenn Ihr bei Wein ist Freude mindestens drei Flaschen bestellt und den Gutscheincode OPJUECK eingebt, spart Ihr die Versandkosten in Höhe von 7,95 Euro. Die Aktion läuft bis zum 31. Dezember 2019. Und ich bekomme weder Geld noch sonstwas dafür.

Nordspanien ist bei der ProWein gut vertreten

Weiter reise ich nach Südwesten über die Landesgrenze nach Spanien: Gut 900 Kilometer sind es bis Tirgo im Norden Spaniens. Dort, in der Region Rioja, kann es im Vergleich zu anderen Lagen recht kühl werden. In Tirgo sind die Bodegas Taron, und ihre Geschichte ist schön: Hier werden nämlich schon seit vielen Jahrzehnten Trauben angebaut. Die wurden sehr lange an Unternehmen verkauft, die daraus Wein machten. Bis ein Mann mit Namen Jesus die zündende Idee hatte: Er brachte vier Dörfer mit insgesamt 800 Einwohnern, von denen 200 Bauern sind, zusammen. Seither verarbeiten sie ihre Trauben selbst zu Wein. Der Name leitet sich übrigens von dem Fluss ab, der diese Dörfer verbindet. Ich probiere den Crianza von 2016, der stark und trocken ist, und gut zu Tapas passt, wie mir Luis Taboada, Export Area Manager, verrät. Wer die Weine aus Tirgo probieren will: Der Kaufhof in Köln hat den Taron Reserva 2008. Oder Ihr fahrt auf dem Weg in den Spanien-Urlaub einfach mal bei den Bodegas vorbei: Es gibt nämlich spezielle Touren durch das Dorf, die Rebberge und die Winzereien.

Weine aus der Gemeinschaft

Von Tirgo nach Toro sind es knapp 300 Kilometer gen Westen. Dort wird seit der Zeit der Römer Wein angebaut. Julio Garcia, Export Manager bei Vinaguarena, bietet mir ein Glas Munia Caracter an. Der Wein ist einer ehemaligen Königin gewidmet. Und weil man ihn gut nach der Arbeit mit Tapas im Kreis von Freunden beim Kartenspielen trinken kann, erinnert auch das Etikett an Spielkarten. „Der Wein symbolisiert auch unseren Lebensstil“, sagt Julio. Ich mag die fruchtige Note und die fast violette Farbe.

Wein für Königinnen

Von Toro geht es nochmals gut 220 Kilometer Richtung Norden: Dort ist in El Bierzo der Palacio de Canedo. Dort, bei Prada a Tope, wird Öko-Wein angebaut, 220.000 Flaschen produziert man im Jahr, wie mir Esther Dominguez Mencia erzählt. Der junge rote Wein Maceracion wird übrigens kühl getrunken und ist somit für Sommerabende gut geeignet. Auch Paprika und Kastanien werden dort verarbeitet und die Produkte im eigenen kleinen Laden verkauft. Wer möchte, kann vor Ort sogar im Hotel übernachten, das zur Winzerei gehört, oder im Restaurant zu Abend essen. Mein Vorsatz: Sollte ich je nach Nordspanien kommen, möchte ich hinter den dicken Natursteinmauern gerne einen Abend verbringen. Es sieht ziemlich gemütlich aus.

Ihr wollt mehr über spanische Weine erfahren? Dann lest hier weiter.

Auf der ProWein von Norditalien bis Sizilien

1800 Kilometer sind es von hier in den Norden Italiens. In Desenzano hatte Pierina Binchini eine Idee: „In Italien gibt es so viele gute Weine“, sagt sie. „Aber die meisten Familienunternehmen können nicht gut kommunizieren.“ Sie hat 15 aus unterschiedlichen Regionen zusammengebracht, die meisten sind Öko-Winzer, Nachhaltigkeit ist für alle wichtig. Genauso wie Leidenschaft für ihre Produkte. Darum heißt ihr Projekt Emotion for Passion only. Die Winzer, die sie vertritt, findet man auf der Homepage. Schreibt man sie direkt an, kann man sich ihren Wein auch nach Deutschland liefern lassen.

Nach Montefalco sind es weitere 500 Kilometer in den Süden. Dort produziert Angelo Fongoli in der vierten Generation Weine. Serpullo heißt einer seiner Bio-Wein, den ich probiere. Benannt ist er nach einem ehemaligen Hofmitarbeiter, dem Schlangenjäger. Den Serpullo trinkt man am besten zu einem BBQ oder mit gut gereiftem Käse, erfahre ich. Von ihm gibt es nur 4000 Flaschen, ich probiere aus Flasche Nummer 1066. Die Zahl ist mit Hand aufgestempelt, der Wein schmeckt weicher als erwartet. 

Jetzt geht es ganz in den Süden von Sizilien. Dort, 1000 Kilometer weiter in Partinico, ist die Azienda Agricola Costantino. Leonardo und sein Sohn sind die zweite und dritte Generation, die hier Wein produziert. Grillo beispielsweise eignet sich als Aperitif – er ist sehr fruchtig und schmeckt leicht nach Pfirsich. Cori, das Herz, dagegen ist ein Dessertwein, goldgelb, aus vollreifen Trauben, und darum recht süß – allerdings nicht unangenehm. Von ihm gibt es nur 1600 Flaschen. Man trinkt ihn mit sizilianischen Süßigkeiten oder zu Käse sowie zu Casado, der typischen Nachspeise der Region. Das Etikett der Flaschen hat ein Künstler aus der Region entworfen: Es zeigt einen typischen Bauern, und im Hintergrund ein Muster, das in Sizilien häufig vorkommt.

Dessertwein aus Sizilien auf der ProWein

Und dann noch einen Schlenker nach Griechenland auf der ProWein

Von hier sind es noch 1200 Kilometer in den Norden Griechenlands. Dort begegnet mir der Tsipouro, der mit einem viel spitzeren Z am Anfang des Wortes gesprochen wird, als es mir gelingen will. Er ist ähnlich traditionell wie Ouzo oder Raki, aber längst nicht so bekannt. Die Firma Dorodouli produziert die Spirituosen, die je nach Trauben an Brandy erinnern, an Tequila oder Grappa, aber doch ganz anders sind. 150 Rezepte haben die Inhaber ausprobiert, bis sie bei 52 gelandet sind, die gut genug waren, um daraus ihre Produkte herzustellen. Besonders ist an den Spirituosen übrigens auch das Design der Etiketten und die Form der quadratischen Flaschen aus dickem Glas.

Mein Weg von Griechenland aus führt über Österreich nach Hause: Dort ist die Firma Xi Winesysteme: Wer mehr als 100 Flaschen zuhause lagert, sollte sich nämlich damit auseinandersetzen, wie er das am besten macht. Markus Scheffknecht, CEO erklärt mir die Vorteile seiner Aufbewahrungssysteme: „Sie halten die Weine auf gleicher Temperatur. Durch den richtigen Winkel ist außerdem der Korken immer gut benetzt. Und außerdem verliert man durch die Ordnungssysteme nicht den Überblick“. Das Einsteigermodul kostet um 500 Euro. Es kann nach oben und in die Breite angebaut werden.

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