Portugal: Weine aus dem Alentejo – alles, außer gewöhnlich

Portugiesische Weine

Allenteschou, so klingt es, wenn eine echte Portugiesin den Namen der Region im Südosten Portugals ausspricht. Weich also, warm und voll Sonne. Tatsächlich sind in der Region die Sommer heiß, die Winter dafür kalt und trocken. Hier trifft das atlantische Klima auf das kontinentale, wie Caro Maurer erklärt. Die Journalistin ist auch Master of Wine und führte uns im Oktober durch ein Weintasting in der Winebank in Köln. Nur Alentejo-Weine standen auf dem Programm, und sie sind eher selten und meist aus rein portugiesischen Rebsorten gemacht. Deutlich bekannter ist die Douro-Region bei Porto, also dort, wo eben auch Portwein produziert wird. Antao Vaz heißt beispielsweise eine Rebsorte. Ganz spannend: Auch in Portugal waren die letzten Sommer unverhältnismäßig heiß. Doch während eingeführte Rebsorten unter der Hitze litten, hatte diese heimischen Sorten überhaupt keine Probleme. Eine gute Beimischung, so Caro Maurer, sei Arinto aus dem Norden Portugals, die ursprünglich keine portugiesische Rebsorte war. Auch Roupeiro sei eine Rebsorte, die für einen Blend geeignet sei. Blend ist das englische Wort für das, was wir in Deutschland häufig Cuvée nennen, also eine Mischung. Überhaupt: Blends verschiedener Rebsorten – die findet man in Portugal ziemlich oft. Und das hängt schon alleine damit zusammen, dass viele Weinberge sehr alt sind. Dementsprechend wissen einige Winzer gar nicht, welche unterschiedlichen Sorten dort wachsen.

Manche Weine aus dem Alentejo mag ich gar nicht

Wir machen mehrere Flights durch die Alentejo-Weine, dabei werden jeweils drei Weine verkostet. Ich stelle fest, dass mir längst nicht alles schmeckt, was in meine Gläser kommt. Ich finde beispielsweise den Procura, der 16 Monate im französischen Barrique-Fass gereift ist, sehr trocken und leicht muffig. Den Rubrica 2018, der zum Teil im Stahltank, zum Teil im Holzfass gereift ist, finde ich eher geruchs- und geschmacklos und der Solsticio, der von einem Balletttänzer gemacht wird und eine Mischung aus mindestens zwölf verschiedenen Rebsorten ist, erinnert mich stark an verbranntes Toastbrot. Ich gebe zu, dass mir das etwas peinlich ist, weil die Weine so zwischen 20 und 30 Euro pro Flasche kosten – das ist schließlich ein Wort. Mein Nachbar beruhigt mich aber und sagt: „Sie haben nur einen sehr deutschen Geschmack, machen Sie sich keine Gedanken.“ 

Welche Weine aus dem Alentejo mir geschmeckt haben

Dann ist ja gut, denke ich – und tatsächlich gibt es eben auch einige Weine, die ich mag. Da ist zum Beispiel der Amphora 2018, der in einer Tonamphore gereift ist. Er ist geschmeidig, schmeckt gar nicht wie ein typischer Rotwein, sondern viel leichter. Auch der Torre de Palma Arinto y Alvarinho, der sechs Monate im gebrauchten Barriquefass war, ist einer meiner Favoriten: Er riecht gut, schmeckt recht kräftig und hat etwas mehr Säure als viele andere. Auch der Donna Maria Grande Reserva 2014 ist gut: Er war ebenfalls ein Jahr im Barrique-Fass aus Frankreich. Und er schmeckt nach Reife und Wärme und nach roten Beeren. Mein Favorit ist der Quinta do Paral von Vinhos Veltas. In diesem Zusammenhang finde ich interessant, dass sich dort Dieter Morszeck eingekauft hat. Er ist der ehemalige Inhaber des Kölner Kofferherstellers Rimowa.

Außerdem mache ich eine spannende Entdeckung: Den Zapata de Villar Reserva mag ich beim ersten Schluck überhaupt nicht. Beim zweiten Schluck wird er jedoch deutlich besser, und beim dritten Schluck finde ich ihn sogar gut. „Nicht so ungewöhnlich“, sagt mir später Wilhelm Jochen Behn, der portugiesische Produkte vertreibt. Er gibt mir außerdem den Tipp, portugiesische Weine ruhig einmal einen ganzen Tag offen zu lassen, bevor man sie trinkt. Erst dadurch würden sie fruchtig im Abgang. Ähnlich wie beim Zapata de Villar Reserva ist es mit dem Gloria Reynols Red 2009: Er ist sehr trocken, schmeckt aber ab dem zweiten Schluck  nach Beere – allerdings auch etwas nach Leder. Eine andere spannende Entdeckung ist der Lapa dos Gaivoes Grande Reserva. Der riecht muffig, finde ich, schmeckt aber gut, herb, nach einer kargen Region – und dort kommt er schließlich auch her.

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