Lobgesang auf einen Briefträger

Sie haben Post!
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Zwischen der Subbelrather und der Venloer, besonders oft in der Körnerstraße, treffe ich immer wieder auf denselben Briefträger. Er ist weder groß noch klein, weder dick noch dünn und sein Gesicht ist irgendwie alterslos. Müsste ich ihn beschreiben, könnte ich nur sagen, dass er eine Brille trägt.

Vergangenes Jahr, an einem Sonnentag im April, riet er mir, ein Eis zu essen. „Schließlich ist heute so schönes Wetter“, sagte er. „Wer weiß, wann es wieder so wird? Genießen Sie es!“.

Der Briefträger grüßt jeden, an dem er vorbeikommt, und man sieht ihn häufig in einen kurzen Plausch mit einem Passanten vertieft. Heute kam er mir auf der anderen Straßenseite entgegen. „Guten Morgen“, rief er mir lautstark zu, und ich rief „Guten Morgen!“ zurück. Wir gingen beide weiter, und er rief mir hinterher: „Einen schönen Tag noch!“ – und ich rief hinterher: „Ihnen auch!“. Obwohl nun schon einige Meter zwischen uns lagen, hörte ich, wie er mir noch etwas zurief: “Passen Sie auf sich auf!“. „Das werde ich“, sagte ich, „Sie auch auf sich!“ – doch das erreichte ihn nicht mehr. Zu weit hatten wir uns voneinander entfernt. Aber dieser kurze Austausch an Nettigkeiten hat mich sehr beschwingt. Wieder einmal dachte ich: Köln ist manchmal wie ein großes Dorf.

Manchmal aber auch leider ganz und gar nicht.

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