Lakritz-Salami und Lollis für Roboter: Auf der ISM 2018

Traumhaft! Der Kölner Dom aus Marzipan
Traumhaft!

Der Kölner Dom aus Niederegger Marzipan. Wenn das nicht das Schlaraffenland ist, dann weiß ich auch nicht mehr! Und nicht nur der sieht zum Anbeißen aus, sondern auch die Schokoladen-Kaffeebecher, die die flandrischen Chocolatiers auf der Internationalen Süßwarenmesse (ISM 2018) ausstellen. Ich weiß gar nicht, wohin ich zuerst schauen soll, und gehe darum zunächst zu den neuen Produkten: Ardo bietet mir einen Smoothie an. Mich schrecken Grünkohl und Spinat, aber ich vertraue dem Mitarbeiter – und nein, der Smoothie schmeckt nicht nach Gemüse, sondern nach Ananas, Mango und vor allem Minze. Das Besondere an Ardo: Man kauft die Obst-Gemüse-Packung tiefgefroren. Pro Beutel bekommt man sechs einzeln abgepackte Portionen Seelenstreichler oder Traumfänger, derzeit leider nur über den Onlineshop von Eismann. „Drei Jahre haben wir das Produkt entwickelt“, erzählt mir der Standmitarbeiter. „Es ist ohne Zusätze, nur der Fruchtzucker ist enthalten“. Als Tipp gibt er mir mit: „Pürieren Sie die Obststücke ruhig auch mit Haferflocken oder Haselnüssen, dann haben sie ein komplettes Frühstück!“.

Frühstücksriegel und Fleischsnack

Weiter treibe ich durch die vielen Stände und bleibe bei Doctor’s Orders Company aus den Niederlanden hängen. Hier gibt es Frühstücksriegel mit Orange oder Himbeere – sehr fruchtig! Und auch hier wieder: Ohne künstlich zugesetzten Zucker. Die Hülle für das getrocknete Obst besteht aus Mandeln und Vollkorn. „Mit einem oder zwei Riegeln können sie eine ganze Mahlzeit ersetzen, und sind trotzdem bestens mit Mineralien und Vitaminen versorgt“, verspricht mir der Firmenvertreter.

Genug des Süßen: ich stehe bei Kraftfleisch aus München. Beef Jerky verkaufen sie, „aber in gesund“, wie mir der junge Mann erläutert. Das getrocknete Fleisch, das sich ein Freund aus den USA vor gut 20 Jahren während seines Studienaufenthalts hier regelmäßig von seinen Eltern schicken ließ, ist auch in Deutschland seit einiger Zeit angesagt. „Aber“, so sagt mir der Standmitarbeiter, „in den USA wird oft Zucker oder Geschmacksverstärker zugesetzt“. Darauf verzichte man bei Kraftfleisch komplett. Das Fleisch sei vom Black Angus Rind, in diesem Fall aus Irland, und es werde mariniert und luftgetrocknet. Real beispielsweise habe das Produkt im Sortiment.

Die Top 10 Trends für 2018

Auf der Experten-Bühne kommt jetzt die Präsentation der Top 10 Trends für dieses Jahr. Innova Markets Insights hat diese Trends herausgearbeitet, indem das Unternehmen in 85 Ländern das Konsumverhalten beobachtet. Die Trends widersprechen sich manchmal, was für mich ein Zeichen dafür ist, dass sich die Weltgesellschaft immer mehr diversifiziert. Ein Beispiel: Ist dem einen die Vermeidung von Plastikmüll wichtig, will der andere lieber viele kleine Portionen – und natürlich jede separat verpackt.

  1. Erst denken, dann entscheiden: Was ist das Beste für mich und meinen Körper? Aber auch: Was ist das Beste für die Welt und die Erde? Erstaunlicherweise spielen solche Gedanken in den USA und Großbritannien eine größere Rolle als in Deutschland.
  2. Leichter Genuss: Getränke mit weniger Alkohol sind angesagt, beispielsweise Biere mit Fruchtsaftanteil. Aber auch wenn’s um Kalorien geht, spart man. Nicht durch Light-Produkte, sondern durch kleinere Portionen, die man an Begriffen wie „thin“, also dünn erkennt, oder auch an Geschmacksrichtungen, die als „hint“, also „Hauch“ angepriesen werden.
  3. Schonend hergestellt: Alles, was irgendwie den Begriff „roh“ in sich trägt oder „von Hand hergestellt“ ist und „nach alter Tradition“ produziert wurde, ist angesagt. Meerwasser ist äußerst beliebt – selbst wenn die Kartoffeln darin nur gebadet wurden, bevor man sie zu Chips frittiert hat. Chemische Zusätze sind dagegen unbeliebt.
  4. Der Wertstoffkreislauf spielt eine größere Rolle: Umweltunfreundliche Verpackungen gehen gar nicht mehr. Beliebt sind Verpackungen, die man später anderweitig einsetzen kann oder die kompostierbar sind. Angesagt sind außerdem Techniken, die helfen, Verpackungen komplett zu leeren, denn Lebensmittel sollen nicht unnötig verschwendet werden.
  5. Kaffee und Tee. Es gibt eine nahezu unendliche Vielfalt an Geschmacksrichtungen für Kaffee und Tee, besonders in den USA, Großbritannien und Australien. Zum Beispiel gibt es von Dunkin Donut einen Kaffee mit dem Geschmack von Keksen, die mit Marshmallows gefüllt wurden. Oder einen Tee, der nach Limonencheesecake schmeckt. Andererseits gibt es beispielsweise von M&M Schokolinsen mit Kaffeegeschmack.
  6. Farben sind in. Und das – Überraschung – hängt mit den Instagramposts zusammen. Alle Snacks mit richtig knalligen Farben sind dort äußerst beliebt und bestimmen das Kaufverhalten – besonders in China, Brasilien oder Indonesien.
  7. Hol’ dir die Sterneküche nach Hause. Das geht mit Gourmetprodukten, die man zuhause nur noch zubereiten muss. Jüngere Leute übrigens sind bereit, für „Madagascar Vanille Ganache“ oder „Raspberry double trouble“ sowie ähnlich edel klingende Zutaten mehr Geld als sonst auszugeben. Wer damit nicht dienen kann, sollte eine Schüssel, also ein bowl, zum Produkt oder Taco-Geschmack anbieten – das erhöht derzeit den Verkauf auch deutlich.
  8. Der Snack ist out, die kleine Mahlzeit in. Gesnackt wird rund um die Uhr. Angesagt ist heute jedoch, wenn es nur “bites“ gibt, also einen Bissen, oder die Portionen „Mini“ sind. So kann man eine Packung über mehrere Tage strecken.
  9. Das Meer macht’s. Carpaccio von der Forelle, Sea-Salami, Popcorn mit Algengeschmack. Alles, was mit dem Meer zu tun hat, ist beliebt, eben auch das Meersalz. Das erinnert mich stark an Seealgen-Speck und Algen-Pasta.
  10. Das Trio für jedermann: Geschmack, Funktionalität und Verpackung richtig gemischt führt zu Produkten, die für viele Verbraucher interessant sind. Selbst wenn der Inhalt identisch ist. Älteren Menschen verkauft man Produkte besser mit der Info „für gesundes Altern“, jüngeren zum Muskelaufbau. Passt man nun noch die Verpackung ans jeweilige Alter an, hat man eine Vielzahl an Produkten, in denen sich jeder Käufer irgendwo wiederfinden müsste.

Mit geschärftem Blick zurück

So voll mit neuem Wissen setze ich meinen Streifzug über die ISM 2018 fort: Hier gibt es Nutty Thins mit Sea Salt – siehe Trend 2 und 9. Dann komme ich an Salami mit einem Hauch von Lakritzgeschmack und zu norwegischem Knäcke mit Seesalz – Trend 2. Bei John and John sind die Chips „hand cooked“ – Trend 3 und mit dem Geschmack von Suffolk Cheddar – Trend 7. Außerdem finde ich „fit balls“, die mir Energie liefern sollen und Gummibärchen, die beim Autofahren wach halten – Trend 10. Fudge von Kolafabriken – „only carefully selected ingredients“ – gibt’s in der Geschmacksrichtung Himbeer-Lakritz, Trend 1.

Schließlich bleibe ich bei Cudié hängen, einem Familienunternehmen aus Barcelona, das vor 70 Jahren gegründet wurde. Dort stellt man die so genannten Catanies her, das sind Mandeln in einer Praliné-Crème und überzogen mit Schokolade. Sie gibt es auch mit geröstetem Kaffee – Trend 5 – und grüner Limone, irgendwo zwischen Trend 6 und 7. Nach all dem Naschen und Probieren habe ich schließlich meinen Favoriten der diesjährigen ISM gefunden: so frisch, so limonig, so lecker. Köstlich!

Jetzt erst einmal einen Kaffee

Nach diesen neuen Erkenntnissen brauche ich im Cologne Coffee Forum erst einmal einen Cappuccino. Simone Desti von der Italian Barista School gibt dort gerade seinen Latte Art Workshop: Das Kännchen mit drei Fingern am Griff halten und schwenken, dann stoßweise von links nach rechts in die schräg-gehaltene Kaffeetasse geben und einmal von oben nach unten durchziehen. Voilà. Fast zu schön zum trinken. Aber lecker.

Die Zukunft der Süßigkeiten

Ein Lolli für den Roboter
Ein Lolli für den Roboter

2020 ist es soweit: Schokolade zu essen ist verpönt. Darum wird es eine App geben, die per Augmented Reality automatisch alle Süßigkeiten durch Möhren oder Äpfel ersetzt, wenn man sich beim Essen fotografiert. So sieht das zumindest Beyza Nur Ermis, Studentin an der Köln International School of Design. Sie hat mit Kommilitonen zusammen eine Ausstellung zur ISM gemacht zum Thema Sweet Future. Und was man dort sieht, könnte eines Tages Realität werden. Soaring Sours und SoftBytes erinnern mich zumindest an das Buch „Die Optimierer“ (Werbe-Link zu Aamazon) das ich neulich gelesen habe. Dort sind Roboter unsere täglichen Begleiter, und der Fleischkonsum ist längst verboten. Gilli Levy scheint ihre SoftBytes genau für diese Gesellschaft gemacht zu haben, denn während der Mensch seinen Lolli lutscht, bekommt der Roboterfreund ein Plugin-Pendant. Und Matthew Lobb will den Jagdinstinkt im Menschen weiterhin befriedigen, obwohl längst kein Tier mehr auf den Tisch kommt: Die Soaring Sours fliegen in die Umwelt, sobald die Dose geöffnet ist, und der Mensch muss sie erst wieder mit dem Netz einfangen, bevor er sie genießen kann.

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