Punkte und Meilen sammeln: Nicht immer von Vorteil für den Kunden

Meilen oder Hotelübernachtungen sammeln, um später günstiger zu fliegen oder zu schlafen, das klingt zunächst einmal gut. Allerdings sollte man sich bei diesem Thema nicht von der Spar-Gier treiben lassen. Denn sonst verkommt das Ganze schnell zur Milchmädchenrechnung. Lest hier einige gute und schlechte Beispiele bei der Kundenbindung.

Kundenbindung ist für Unternehmen wichtig – schließlich ist die Konkurrenz groß. Darum sollte auch kein Verbraucher denken, dass es Vergünstigungen gibt, um ihm etwas Gutes zu tun. Vielmehr geht es bei der Kundenbindung darum, dass die Firma mit dem Kunden weiterhin gute Geschäfte zu macht. Denn zu Verschenken gibt es nichts. Speziell in der Reisebranche sind viele Unternehmen, die auf Kundenbindung setzen: bei einigen kann man Flug- oder Zugmeilen sammeln, bei anderen wird man belohnt für jede Hotelübernachtung. Einige dieser Kundenbindungsinstrumente sind ganz sinnvoll – andere sind das eher nicht.

Sinnvoll Punkte sammeln

Von einem Kundenbindungsinstrument profitiert der Verbraucher, wenn er keine Alternative hat – beispielsweise beim Bahnfahren. Das gilt zumindest auf den Strecken, auf denen ein Flug oder ein Fernbus nicht weiter hilft. Fährt jemand sehr viel Bahn, sammelt er auch sehr viele Punkte. Die kann er einlösen – und jetzt wird es interessant: Mit 1.000 gesammelten Punkten bekommt der Vielfahrer beispielsweise einen Wertgutschein fürs Bordbistro in Höhe von 25 Euro (Stand 5/2019). Oder eine Freifahrt in der zweiten Klasse. Nehmen wir die Strecke Köln – Berlin: Hier beträgt der Vorteil für den Bahnfahrer mit BahnCard 50 gut 60 Euro (Stand 5/2019).

Berlin Hauptbahnhof
Berlin Hauptbahnhof

Positiv ist bei einem Kundenbindungsinstrument auch, wenn es transparent ist. Hotels.com hat beispielsweise ein solches System: Man übernachtet in zehn Hotels, die am Unternehmensprogramm teilnehmen, und bekommt dann für die elfte Nacht einen Rabatt in Höhe des Durchschnittspreises der letzten zehn Übernachtungen. Da weltweit sehr viele Hotels an diesem Programm teilnehmen, läuft man kaum Gefahr, ein teureres Hotel zu buchen, nur um Punkte zu sammeln.

Ich sammle auch Punkte bei OpenTable – wenn denn ein Hotel eine Reservierung darüber ermöglicht. Natürlich gehe ich aber auch in Restaurants, die sich nicht über OpenTable buchen lassen.

Immer vergleichen – lohnt sich oft mehr als die Punkte

Gefährlich ist Kundenbindung durch Prämiensysteme dann, wenn der Kunde nicht mehr vergleicht. Wenn er also automatisch bei der Firma einkauft, bei der er Punkte sammelt – obwohl es anderswo unter Umständen günstiger sein könnte. Dass sich der Preisvergleich beispielsweise bei Hotels lohnt, zeigt sich am Beispiel einer Zimmerbuchung in Genf. Darum buche ich auch nicht alle Hotels über Hotels.com, sondern vergleiche grundsätzlich die Preise bei HRS und ab und zu auch bei Hotel Tonight. Im April 2019 hatte ich da ein schönes Beispiel: Ein Hotel kostete bei HRS gut 50 Euro weniger für eine Nacht als bei Hotels.com. Bei HRS kann man übrigens Meilen bei der Lufthansa sammeln. Die reichen bei mir zwar nie für einen Freiflug, aber meistens zu einer Flasche Wein – oder für eine Spende an eine gemeinnützige Organisation.

Bei Flügen, deren Preise in der Regel höher sind, potenziert sich das Problem: Ein Flug mit Delta Airlines kostete im November 2014 von Frankfurt nach Miami etwa 640 Euro, mit United Airlines 1086 Euro. Wer sich am Vielfliegerprogramm von United beteiligt, kann in bestimmten Hotels die Meilen für eine Übernachtung einsetzen, für einen Mietwagen oder für ein Upgrade in eine bessere Flugklasse. In unserem Beispiel würde er, um später irgendwann eine solche Vergünstigung zu bekommen, rund 400 Euro mehr zahlen. Fliegt der Kunde in einem Jahr drei Mal diese Strecke, und bliebe die Differenz beim Angebot der Fluglinien gleich hoch, hätte er 1200 Euro mehr gezahlt, um diese Vergünstigungen zu bekommen. Ist es das wert? Auch das muss jeder selbst entscheiden. Wichtig ist bei der Entscheidung, sich nicht von scheinbaren Gratisangeboten locken zu lassen. Denn die gibt es nicht.

Wenn Punkte sammeln eigentlich ganz schön teuer ist

Payback ist dagegen aus meiner persönlichen Sicht ein weniger sinnvolles Instrument für den Verbraucher. Zwar kann man die Karte an vielen Stellen einsetzen, das heißt aber auch, dass an einer Stelle sehr viele Daten über mein Kaufverhalten zusammenfließen. Natürlich muss jeder selbst entscheiden, ob er das will oder nicht.

Für mich ist das System aber auch aus anderer Sicht fragwürdig: Wir sammelten nicht regelmäßig Punkte beim Tanken, im Supermarkt und beim Einkauf über Expedia. Trotzdem kamen über die Jahre über 3000 Punkte zusammen, die wir gegen eine Tupperware Käseglocke eintauschten. Nicht, dass wir sie gebraucht hätten. Und nicht, dass wir sie auch nur einmal benutzt hätten. Aber es war damals unter der Prämienauswahl für unseren Haushalt die sinnvollste Prämie. Die Käseglocke kostet bei Amazon rund 30 Euro. Wir hatten, um sie als Prämie zu bekommen, alleine bei Expedia für über 3000 Euro eingekauft. Macht man sich das einmal bewusst, verzichtet man künftig vielleicht eher darauf, Punkte zu sammeln und Daten Preis zu geben. Wir haben nach dieser Berechnung die Karte gekündigt. Ich sehe im Supermarkt aber sehr viele Menschen mit dieser Karte. Manche bezahlen damit auch teilweise ihren Einkauf.

Dieser Artikel ist ursprünglich aus dem Oktober 2014. Er wurde im Mai 2019 aktualisiert.

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