„Kölner lassen keinen allein“ gilt nicht für Obdachlosen

Obdachlos in Köln
Obdachlos in Köln

Meine liebe Freundin Feli postet selten etwas auf Facebook. Am 5. Mai hat sie das aber getan. Weil sie mitten in der Stadt, in der Komödienstraße, etwas erlebt hat, was der Kölner Gesellschaft nicht würdig ist. Heißt es nicht immer, Kölner lassen keinen allein? Und gilt dieser Spruch für Obdachlose nicht? So scheint es zumindest, denn Feli hat viele Leute gebeten, ihr zu helfen, einen obdachlosen, angetrunkenen Mann auf die andere Straßenseite zu bringen. Und keiner hat sie unterstützt. Auch ein Reisebusfahrer half nur widerwillig und kurz mit. Ich hoffe, dass viele Leute lesen, was Feli gepostet hat. Mit ihrem Einverständnis darf ich es hier veröffentlichen. Und ich hoffe, dass vorallem Leute es lesen, die am besagten Tag in der Komödienstraße waren und die Szene mitbekommen haben – und nicht geholfen haben. Und ich hoffe, dass viele Reisebusunternehmen es lesen, um ihre Mitarbeiter in Sachen Sozialkompetenz zu schulen:

Ich bin immer noch fassungslos …..

Als ich heute die Komödienstrasse runterfuhr, sah ich im Augenwinkel etwas großes Schwarzes mitten auf der Straße liegen. Ich hielt ein paar Meter weiter an Und sah: Es war kein Gegenstand, es war ein Mensch und offensichtlich war er nicht imstande, schnell die Straße zu überqueren und sich in Sicherheit zu bringen. Die Menschen, die an ihm vorbeifuhren oder gingen, notierten das, aber keiner ging hin oder holte Hilfe. Die Situation würde brenzlig, der Mann konnte jederzeit überfahren werden. Er robbte in Richtung Straßenrand und blieb neben einem Bus liegen, der dort parkte. Wäre der losgefahren, der Mann sofort tot gewesen.

Ich rannte in Richtung Bus, bat Leute auf dem Weg um Hilfe, aber keiner rührte sich. Ich klopfte bei dem Busfahrer an die Scheibe, sagte ihm, dass ein Mann da unten liege, er dürfe jetzt auf keinen Fall losfahren. Der Busfahrer nahm das nahezu teilnahmslos zur Kenntnis, brabbelte irgendwas von: Ja, der liegt da.

Ich schrie ihn jetzt fast an, dass er mir doch bitte helfen möge, den Mann von der Fahrbahn zu tragen. Widerwillig stieg er aus und wir packten zu, einer rechts, einer Links. Der Mann hatte sich inzwischen etwas gefangen, ich fragte ihn, wo er hin wolle, er murmelte nur: ich möchte da hinten in meine Ecke. Dort angekommen, bemerkte ich auf einmal, dass der Busfahrer längst losgelassen hatte.

Es kann doch nicht sein, dass in einer solchen Situation alle wegschauen. Warum? Weil es gerade so viel Dringendes zu erledigen gibt? Weil andere schon helfen werden? Weil der Mann offensichtlich angetrunken war und auf der Straße zu Leben schien? Weil man ihn ohnehin nicht alleine hätte aufrichten können?

Nichts von dem darf der Grund sein und er wird es doch sein.

Wie passt das zusammen mit einer Gesellschaft, die bei jedem großen Unglück ihre Anteilnahme postet, aber wegsieht, wenn ein Obdachloser direkt vor ihr liegt und droht überfahren zu werden?

Vielleicht waren heute an diesem Ort zu dieser Zeit auch einfach nur Arschlöcher unterwegs.

Anlass für mich auch mal im Internet mein Beileid zu posten – Beileid für die Menschen, die in solchen Situationen, wo Hilfe ein Leichtes ist, wegschauen und sich selbst am Nächsten sind.

Was ist bei Euch nur schief gelaufen?

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