Köln: Wenn ein Burger-Laden App-dreht

Kein Burger ohne Like bei Facebook
Kein Burger ohne Like bei Facebook

Ich habe in den vergangenen Jahren schon einige Groupon-Gutscheine eingelöst. Meistens geht das problemlos. Das Ergebnis ist nicht immer das, was man erwartet: Ich erinnere mich beispielsweise an den schlechtesten Burger meines Lebens, den ich über Groupon hatte oder an einen Abend in einer Örtlichkeit am Ring in Köln, wo es nahezu eine Stunde dauerte, bis die Bedienung nach einem in Currysoße getränkten Hauptgang den Nachtisch brachte. Ich habe daraus gelernt, dass ich diese Läden nie wieder aufsuchen werde. Aber, um das ganz klar zu sagen, die meisten Erfahrungen mit Groupon-Gutscheinen sind gut. Was ich allerdings zuletzt beim Einlösen eines solchen Gutscheins erlebt habe, finde ich ziemlich schräg:

Wir gingen auf die Richard-Wagner-Straße in Köln, dort ist ein kleiner Burger-Salat-Kartoffel-Laden. Unser Gutschein galt für zwei Burger nach Wahl mit Fritten. Wir gingen an die Theke um den Gutschein abzugeben und zu bestellen. Da stand schon ein anderer Gast, der höchst widerwillig und offensichtlich auch nicht erfolgreich irgendetwas mit seinem Smartphone versuchte zu klären. Wir wurden schnell aufgeklärt, denn der Mann hinter der Theke befahl uns, uns ins kostenfrei W-LAN des Ladens einzuloggen. Die Begründung verstand ich nicht wirklich: Wenn man sich einlogge, sei das der Nachweis, dass man tatsächlich da sei. Ich muss mich nicht einloggen, um zu wissen, wo ich bin – aber gut.

Der Mann nannte uns einen W-LAN-Namen den es nicht gab, aber ich fand ein anderes freies W-LAN mit ähnlichem Namen, das ich anklickte. Darauf kam ich auf eine Seite des besagten Ladens, auf der unten ein kleines blaues Facebooklogo war. Der Mann ordnete an, dass ich das anklicken sollte. Mir war nicht klar, warum ich das tun sollte, ich dachte, er will, dass man so Fan seiner Seite wird oder so – was ich nicht vorhatte. Missmutig klickte ich trotzdem das Facebooklogo und sollte mich nun manuell ins soziale Netzwerk einloggen. Dazu hatte ich wirklich keine Lust. Ich hatte noch nicht einmal meine Bestellung aufgegeben und überhaupt hatte ich mein Passwort gar nicht im Kopf und verstand überhaupt nicht, was dieser Zirkus eigentlich sollte. Doch der Mann hinter der Theke stellte klar: Wer sich nicht einloggt, bekommt keinen Burger. Heißt: Auch mein Mann, der gar keinen Gutschein hatte, sondern mich begleitete, sollte sich einloggen. Und die Begleitung des anderen Gastes ebenfalls – ein älterer Herr, vermutlich ohne Smartphone und ohne Facebook-Konto.

Wer sich nicht einloggt, bekommt keinen Burger

Wir fragten, was das solle, und der Mann hinter der Theke behauptete, das Einloggen sei für Groupon der Nachweis, dass man den Gutschein eingelöst habe. Ich sagte, dass ich das nicht glaube, dass ich schon viele Groupon-Gutscheine eingelöst habe, ohne mich einzuloggen und dass ich mich frage, wie Gäste ohne Smartphone und Facebook sich überhaupt verifizieren sollten? Tja, die hätten dann eben Pech gehabt – ohne Einloggen keinen Burger. Vor uns hätten das schon Hunderte gemacht, sagte er und hielt mir sein Handy mit einer Infografik unter die Nase.

Ich sagte, dass mir das herzlich egal sei, denn erstens stehe auf dem Gutschein nichts davon, dass man sich irgendwo einloggen muss, um seinen Burger zu bekommen und zweitens funktioniere offensichtlich technisch etwas nicht richtig, wenn drei Gäste gleichzeitig lediglich auf ein Webformular kämen, auf das sie nicht wollten. Und ich sagte, dass es dann nicht unsere Schuld sein könne und er dementsprechend den Gutschein gefälligst einlösen solle. Doch der Mann blieb dabei: Wer sich nicht einloggt, bekommt keinen Burger.

Da ließen der andere Gast und ich uns unsere Gutscheine zurückgeben und wir verließen zu viert die Burgerbude. Mein Mann und ich machten uns auf dem Weg zu einem Burgerestaurant, in dem wir exzellent gegessen haben. Die anderen Gäste bevorzugten es, in der Metzgerei Hackfleisch zu kaufen. Burger, so versicherten sie uns, würden sie nach dieser Erfahrung nur noch selbst gemacht zuhause essen. Und ach ja, bei Groupon würden sie sich natürlich auch beschweren. So wie ich es soeben gemacht habe.

Das sagt Groupon dazu

Und nochwas: Sollte es künftig ein Pflicht geben, sich über Facebook irgendwo einloggen zu müssen, um einen Groupon-Gutschein einzulösen, dann werde ich kein Groupon-Gutscheine mehr kaufen.

Update 12.11
Kaum ist der Text draußen, kommt eine Reaktion von Groupon. Ich vermute aber, dass da kein zeitlicher Zusammenhang besteht, denn sonst wären sie sehr schnell gewesen:

Sehr geehrte Frau Blass,

es tut uns aufrichtig leid, dass unser Deal Ihre Erwartungen diesmal nicht erfüllt hat und Sie Grund zur Beanstandung haben. Wir haben Ihr Anliegen direkt an unsere Fachabteilung weitergeleitet. Um Ihnen jedoch nicht nur eine schnelle, sondern auch finale Lösung präsentieren zu können, bitten wir Sie um ein wenig Geduld. Sollten sich bei Ihnen bezüglich des Sachverhalts Neuigkeiten ergeben, freuen wir uns, wenn Sie uns im Gegenzug ebenso informieren. Für die Geduld, die Sie aufbringen, während wir an einer Lösung für Ihr Anliegen arbeiten, bedanken wir uns herzlich!

Wir wünschen Ihnen einen schönen Tag!

Freundliche Grüße aus Berlin

Update 14:53
Groupon schreibt den Gutschein gut:

Sehr geehrte Frau Blass,

wir bitten Sie herzlich für die Ihnen entstandenen Unannehmlichkeiten um Entschuldigung. Falls Sie jedoch nicht länger auf eine Lösung warten möchten, bieten wir Ihnen an, den Gutschein einfach zurückzunehmen und Ihnen den Kaufbetrag als Guthaben in Ihrem Kundenkonto für weitere Shopping-Touren auf www.groupon.de wieder zur Verfügung zu stellen.

Sie können über dieses 12 Monate lang frei verfügen. Ihr Guthaben verrechnet sich automatisch bei Ihrem nächsten Kauf. Bitte berücksichtigen Sie, dass eine nachträgliche Auszahlung des Guthabens nicht möglich ist. Wir freuen uns auf Ihre Antwort zu unserem Angebot.

Freundliche Grüße aus Berlin

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