Kunst in Köln: Wenn du nichts zu verbergen hast: Ruf’ an!

Ruf' doch einfach an!
Ruf‘ doch einfach an!

+49 174 276 6483 ist offensichtlich die Telefonnummer eines Handys. Diese Telefonnummer klebt seit einiger Zeit auf weiß-gelbem Hintergrund auf Litfaßsäulen in Köln und Karlsruhe. Kombiniert mit der Nummer ist der Satz „Wir haben keine Angst!“. Als ich diese Plakate das erste Mal auf der Litfaßsäule in der Lukasstraße sah, dachte ich, dahinter steckten irgendwelche Rechten, die so Anwerbeversuche machen. Schließlich liegt genau diese Litfaßsäule auf der Hauptrennstrecke zwischen der Flüchtlingsunterkunft in der Herkulesstraße und dem Rewe auf der Subbelrather Straße. Das hat bei einigen Anwohnern schon für viele ungute Gefühle gesorgt – völlig unberechtigt natürlich. Denn wenn man nachhakt, hatte noch nie jemand wirklich Kontakt mit den Menschen, die in der Flüchtlingsunterkunft leben. Das aber ist ein anderes Thema.

Ich hatte die Nummer auf jeden Fall gesehen, mehrfach, und immer wieder gedacht, ich müsse doch einmal sehen, was es damit auf sich hat. Ob es einen Erklärtext dazu gibt, beispielsweise. Aber wie so oft im Leben hab ich’s verbaselt und das Plakat bald nicht mehr wahrgenommen.

Kunst und Geheimdienste

Neulich habe ich aber in einem Podcast von DRadio Wissen gehört, worum es bei +49 174 276 6483 geht: Es ist Kunst! Das Handy liegt nämlich in einer Vitrine im Zentrum für Kunst und Medientechnologie in Karlsruhe. Ruft man auf der Nummer an, klingelt das Telefon, es geht aber kein Mensch dran. Trotzdem könnte der Anruf Einfluss haben auf das Leben aller Anrufer. Denn von diesem Handy aus wurde der Whistleblower William Binney angerufen, der schon vor Edward Snowden über die Abhöraktionen der NSA informierte. Auf der Internetseite zur Aktion kann man nachlesen, dass davon auszugehen ist, dass dieses Handy wegen seiner Verbindung zu Binney weiterhin abgehört wird. Und auch alle die Nummern, die jemals auf diesem Handy angerufen haben oder dort noch anrufen werden. Also auch jeder, der aufgrund der Kunstaktion +49 174 276 6483 wählt.

Zwar werden sowieso alle überwacht, manche mehr, manche weniger, doch wer sich bewusst mit Binney in Verbindung bringt, erhöht damit die Wahrscheinlichkeit, auf dem NSA-Schirm zu landen. Dazu heißt es auf der Homepage:

Ein subtiler und wenig beachteter Nebeneffekt der fortlaufenden Enthüllungen ist, dass durch sie der „chilling effect“ immer effektiver wird. Der unbewussten Selbstzensur ist mit Aufrufen zu mehr Verschlüsselung und Selbstschutz nicht entgegenzuwirken. Hier hilft einzig und allein die bewusste Entscheidung, sich nicht in den eigenen Handlungen einschränken zu lassen.

Und weiter:

Wollen Sie wirklich ein Leben führen, in dem Sie davor zurückschrecken, vollkommen legale Dinge zu tun – wie zum Beispiel eine Handynummer anzurufen?

Für alle, die sagen, sie haben nichts zu verbergen, ist das die Chance, es zu beweisen: Ruft dort an!

Hinter der Aktion steckt übrigens Christian Sievers, in Köln lebender Künstler.

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