Köln: Sterneküche im Restaurant Maximilian Lorenz

Das Wein am Rhein habe ich einfach mal verpasst. Aber so ist es in Köln ja oft: Die Fluktuation ist hoch. Bevor man ein Restaurant für sich entdeckt hat, ist es schon wieder weg. Praktischerweise wurde das Wein am Rhein in extrem geschickte Hände übergeben: Sternekoch Maximilian Lorenz bereitet dort seit einiger Zeit die Speisen zu. Übrigens in einer Lage, die ich persönlich fürs Fine Dining ungewöhnlich finde. Wer den Hauptbahnhof am Breslauer Platz verlässt und in die Johannisstraße geht, findet dort rechts nach wenigen Metern das Restaurant Maximilian Lorenz und nebenan das etwas günstigere Weinlokal Heinzhermann, das auch zu Lorenz gehört.

Während ich vom Weinlokal zuletzt gleich zweimal gehört habe, dass der Service dort verbessert werden sollte, kann ich mich über das Fine dining Restaurant überhaupt nicht beschweren. Ja, wir haben manchmal Wasser und Wein selbst nachgeschenkt. Aber dabei bricht einem in einem voll besetzten Restaurant auch kein Zacken aus der Krone. Dafür war das Essen wirklich großes Geschmackskino. Und das, obwohl Enrico Hirschfeld, der seit der Eröffnung im Restaurant Maximilian Lorenz mit diesem zusammen gekocht hat, neulich ins neue Restaurant Prunier Cologne gewechselt ist. Ich gebe zu, dass ich in Sorge war, dass man seinen Weggang irgendwie schmecken könnte.

Ästhetisches Essen bei Maximilian Lorenz

Aber nein: Das Essen war ausgesprochen ästhetisch angerichtet – und ein Genuss. Vorneweg gab es drei Grüße aus der Küche. Eines war ein Mini-Fischbrötchen mit Hering, Weißkraut und Dill. Besonders toll fand ich, dass Rübstiel verkocht wurde, für mich ein typisches Gemüse aus der Region. Ich kenne es nur, weil es ab und zu in meiner Gemüsekiste ist. Und es ist mir noch nie gelungen, es auch nur annähernd so schmackhaft zuzubereiten, wie ich es jetzt auf dem Teller hatte. Bei Maximilan Lorenz übrigens mit Lachsforelle und Zitrusnote.

Auch das Kalb mit Feldsalat und Meerrettich war eine spannende Geschmackskombination. Und besonders hübsch anzusehen übrigens auch. Ich habe mal gefragt, wie lange die Küche braucht, um hier ein Würfelchen aufzulegen, dort eine Pulverspur anzurichten. Sechs bis sieben Minuten pro Teller, sagte man mir. Und: Das sei gar nicht so lange. Ehrlich gesagt, finde ich, dass das nicht wenig Zeit ist. Denn wenn ein Menü sechs Gänge hat und drei Leute an einem Tisch sitzen, sind das 18 Teller mal sechs Minuten = alleine fürs Anrichten über eindreiviertel Stunden.

Das Weihnachtsmenü 2020 zum Zuhause fertig machen

Es war übrigens nicht das erste Mal, dass ich bei Maximilian Lorenz gegessen hatte. Oder nein, das ist falsch ausgedrückt. Ich habe bis Dezember 2021 noch nie in diesem Restaurant gegessen. Ich hatte aber mehrfach das Take away während des Lockdowns aufgrund der Covid19-Pandemie. Großes Kino war beispielsweise das Weihnachtsmenü zum Abholen. Wir seien eine der Letzten gewesen, die noch eine Box bekommen haben, sagte mir die nette Dame an der Ausgabe. Dabei hatten wir schon gut zwei Wochen vor Heiligabend bestellt. Aber offensichtlich waren Take-away-Weihnachtsmenüs im Corona-Jahr der Renner. Ich halte das übrigens für einen geschickten Schachzug der Gastronomen – ähnlich wie den der Köche im Neobiota, die ein eigenes Frühstückskochbuch herausgegeben haben. Der Kunde lernt dabei nämlich eine ganze Menge über die Arbeit der Sterneköche: Zum Beispiel, wie viel Arbeit es macht, einen Teller schön anzurichten. Und wie viele unterschiedliche Zutaten in einem Gang stecken.

Im Fall des Weihnachtsmenüs war die Zubereitung Zuhause super-einfach: Es gab eine Anleitung auf Papier mit farbigen Bildern, die zeigten, wie das Gericht am Ende aussehen soll. Und im Internet ein Video mit einer Schritt-für-Schritt-Anleitung. Was aus einer Spritztülle gespritzt werden sollte, war schon in einer entsprechenden dreieckigen Tülle. Top! Lediglich mit der Soße zur Hauptspeise und der Schokoladen-Ganache für den Nachtisch hatten wir aufgrund der Farbe kurzfristig falsch gedacht. Trotzdem: Mit der Vorspeise, der Suppe und der Nachspeise hatte ich überhaupt keine Probleme. Nur beim Hauptgang hat sich gezeigt, dass die Zutaten alleine eben noch nicht die Sterneköchin machen – selbst dann nicht, wenn sie bestens zubereitet sind.

In diesem Jahr bietet Maximilian Lorenz übrigens an Weihnachten und Silvester ein Menü im Restaurant an.

Der Artikel von Mitte Dezember 2020 wurde Ende Dezember 2020 und im Dezember 2021 aktualisiert.

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Wer schreibt hier? Bettina Blass

Bettina Blaß ist Bloggerin, Buchautorin und Verbraucherjournalistin. Sie gibt Seminare und Workshops rund das Internet wie beispielsweise "Personal Branding" oder "Online publizieren". 2021 hat sie das Buch "Zu Fuß durch Köln" herausgebracht.

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