In den Berliner Unterwelten

Eintrittskarte für den Fichtebunker
Eintrittskarte für den Fichtebunker

Immer wieder überrascht mich Berlin mit Sehenswürdigkeiten, die ich noch nicht kenne. Das ist gar nicht so einfach, denn alles in allem habe ich seit 1992 sehr viel Zeit in Berlin verbracht, nicht nur Wochenenden, sondern auch einige Monate während Praktika und Fortbildungen. Trotzdem gibt es sie immer wieder, die neuen Erfahrungen, und manchmal sind sie richtig klasse. Auf meine Frage bei Facebook, was ich mir denn in der Hauptstadt unbedingt mal ansehen sollte, hat mir Reisebloggerin Jessica Koch von Fernweh und so den Tipp mit den Unterwelten gegeben.

In unserer Berlin Welcome Card gab es Rabatt für die Führung im Fichtebunker. Etwas unpraktisch finde ich zwar, an die Karten zu kommen: Auf der Internetseite lese ich, dass kein Vorverkauf möglich ist, vor Ort erfahre ich, dass die Kasse erst eine Viertel Stunde vor Führungsbeginn öffnet, man aber im Internet einen Platz hätte reservieren können. Egal, es klappt. Zusammen mit rund 50 Besuchern warten wir in der Herbstsonne, bis Günter B. die Gruppe teilt, und uns durch das Gebäude führt.

Der 81-Jährige hat einen tragbaren Beamer dabei und erklärt mit vielen Karten und historischen Fotos, wie der runde Turm erst als Gasometer genutzt, und dann umgebaut wurde zum Bunker. Er zeigt uns die Krankenstation mit der noch phosphoreszierenden Wandfarbe im Dunkeln, zeigt uns die Schlafräume, die Waschküche, die Toiletten und einige alte Maschinen zur Be- und Entlüftung.

Konzipiert war der ehemalige Vorzeigebunker der Nazis, der sogar Fliesen auf dem Boden hat, für 6500 Frauen mit ihren Kindern, genutzt wurde er am Kriegsende von bis zu 35.000 Menschen. Günter B. hat den Krieg selbst in Berlin als Kind erlebt, und seine Erlebnisse machen die Führung eigenartig bedrückend – besonders in Zeiten in denen so viele Menschen aus Krisengebieten vor der Zerstörung in ihrem Land, vor dem Tod auf der Flucht sind.

Die Berliner Unterwelten bieten aber noch viel mehr Führungen an – und ich bin sicher, dass das nicht meine letzte war.

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