Hongkong: die Stadt unter der Stadt

In der U-Bahn
In der U-Bahn

Eigentlich komme ich in neuen Städten ganz gut zurecht. In Hongkong weiß ich aber nie, in welche Richtung ich muss. Das Gewirr verschlungener Straßen und Sträßchen mit Schnellstraßen als Brücken über dem Ganzen, die Autos, Busse, Mini-Busse, Straßenbahnen, U-Bahnen, Fähren, Schnellboote, Inseln und Menschenmassen sind total verwirrend.

Darum ist es toll, dass zumindest das U-Bahn-Netz leicht verständlich ist. Allerdings hat auch dieses System seine Tücken. Beim Aussteigen beispielsweise hat man an vielen Stationen bis zu fünf Ausgänge. Diese wiederum können bis zu fünf Unterausgänge haben. Wehe, man nimmt den falschen, dann macht man einen kilometerweiten Umweg. Das Gute an diesem Wegenetz unter der Straße ist aber, dass man oft in klimatisierten Gängen ans Ziel kommt. So sind beispielsweise viele der unzähligen Kaufhäuser und Malls unterirdisch miteinander verbunden. Außerdem gibt es in dem kilometerlangen Wegenetz unter der Stadt kleine Läden und ab und zu auch Cafés und Restaurants. Im Prinzip kann man also oft unter der Erde von einem Ort an den nächsten kommen, ohne ans Tageslicht zu müssen. Bei gefühlten Temperaturen von über 40 Grad ein kaum zu übertreffender Vorteil.

Verlässt man die unterirdische Stadt, trifft einem der chinesische Sommer mit voller Wucht: Die Brillengläser beschlagen, der Körper denkt einige Sekunden, er gehe durch eine endende Wärmeschleuse in kühlere Temperaturen, bis er registriert, dass die Hitze bleibt. Schlagartig beginnt dann der Schweiß zu fließen – und zwar aus jeder vorstellbaren Körperpore. Ich frage mich, wie die Chinesen das im Hemd oder schlimmer noch im Anzug und mit Krawatte aushalten.

Schwierig ist das U-Bahn-Netz übrigens auch dann, wenn man an einer Station umsteigen möchte. Denn darauf ist es nur begrenzt eingestellt. Ein Beispiel: Wir kamen am Fährterminal an. Die nächste U-Bahn-Station ist etwa zehn Gehminuten entfernt. Von dort fährt man eine Station gen Norden, um in die Bahn Richtung Süden umsteigen zu können, um erneut eine Station zu fahren. Die Fahrt dauert jeweils etwa so lange, wie in Deutschland eine S-Bahn zwischen zwei Haltestellen unterwegs ist.

An der zweiten Station legten wir laut Pedometer fast 400 Meter in sechs Minuten zurück, um in die Bahn einzusteigen, die uns in die Nähe des Hotels bringt. Drei Stationen weiter stiegen wir aus. Bis zum Ausgang A1, der am nächsten zu unserem Hotel liegt, gingen wir weitere 440 Meter, für die wir fast zehn Minuten benötigten. Auf dem Weg zum Ausgang fuhren wir viermal auf Rolltreppen sowohl nach unten als auch nach oben. Vom Ausgang aus liefen wir nochmals knapp zehn Minuten. Dabei ist die Lage unseres Hotels sehr gut, aber dies sind normale Distanzen in Hongkong. Heißt erstens: Egal, was man vorhat, man sollte immer genügend Zeit dafür einplanen. Zweitens ist es mit diesem täglichen Sportprogramm kaum möglich, zuzunehmen. Ein weiterer Pluspunkt für Hongkong als Urlaubsziel.

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