Großstadtleben: „Sie dumme Kuh, Sie! Ich zeig‘ Sie an!“

Guten Morgen Köln
Guten Morgen Köln

Mittwochmorgen, 7.50 Uhr, ich stehe in der Linie 13 Richtung Aachener Straße. Draußen scheint die Sonne, in meinem Kopf eine kleine Liedzeile:“Ich lass für dich das Licht an, obwohl’s mir zu hell ist. Ich hör’ mit dir Platten, die ich nicht mag.“ Das Leben ist schön. Unmerklich kippe ich ein wenig nach links an die gelbe Stange in der Bahn, es ist noch früh. Da werde ich mit voller Kraft weggeschupst, ich drehe mich erstaunt um: Ich hatte die Hand einer Frau übersehen, die sich genau dort festhielt, wo mein Oberarm Halt suchte. „Oh, Entschuldigung, Entschuldigung, Entschuldigung!“, sage ich und lächle die Frau an. Ich meine es ernst. Sie blickt starr zum Fenster hinaus und sagt mit sehr lauter Stimme:“Das ist keine Schlafstange, sondern eine Festhaltestange!“. Ich lächle sie weiter an:“Sie haben so Recht. Ich hatte Ihre Hand aber trotzdem nicht im Blick.“ Keine weitere Reaktion.

Ich stehe weiter an meinem Platz, halte mich an der gelben Stange vor mir fest, versuche, möglichst gerade zu stehen. In Höhe der Weinsbergstraße schreit die Frau mich plötzlich an:“Verehrte Frau, wenn sie mich noch einmal berühren, klatsch ich Ihnen eine. Das ist eine Unverschämtheit, das muss ich mir nicht bieten lassen!“. Da ich ihre Hand nicht gespürt habe, gehe ich davon aus, dass der Stoff meiner Jacke sie gestreift hat. Ich schaue sie an, jetzt etwas genervt:“Is’ klar!“. Gedanklich frage ich mich, ob diese Frau eine körperliche Gefahr für mich sein könnte: Sie ist zwischen 50 und 60, einen halben Kopf kleiner als ich, durchschnittliche Statur. „Halten Sie sich gefälligst fest“, schreit sie. „Wie Sie sehen halte ich mich fest“, antworte ich. „Halten Sie sich fest“, schreit sie nochmals. Ich schaue sie an, schüttle den Kopf, drehe mich um.

Aachener Straße/Gürtel, ich steige aus:“Ich wünsche ihnen noch einen bezaubernden Tag“, sage ich zu der Frau. Sie schreit, während auch sie aussteigt:“Und ich wünsche Ihnen noch einen frechen Tag! Sie dumme Kuh, Sie! Ich zeige Sie an! Bei der KVB zeige ich Sie an!“. Ich drehe mich zu ihr um, sage ganz ruhig zu ihr:“Sie sollten langsam aufpassen, was Sie sagen. Sonst zeige ich Sie an. Und zwar nicht bei der KVB.“ Ich gehe weiter. Sie ebenfalls. Sie schreit weiter:“Sie haben ja kein Hirn im Kopf! Ich zeige Sie bei der KVB an! Sie haben Stroh im Kopf, sie dumme Kuh! Ich bin im Recht. Sie werden schon sehen, was die KVB mit Ihnen macht, wenn ich sie dort anzeige.“

„Ich bin für dich leise, wenn Du zu laut bist“, summt es in meinem Kopf. Und übrigens: Guten Morgen Köln. Ich hab Dich auch lieb!

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