Gelesen: So sind sie, die Spanier

Ich bin total gerne in Spanien. Ich liebe die Sprache, ich liebe die Kultur und ich liebe das Essen. Mallorca, Barcelona, Madrid – ich habe auch schon einiges von Spanien gesehen. Umso mehr fragte ich mich, ob ich in dem Buch „So sind sie, die Spanier(Werbe-Link zu Amazon), das mir Literaturtest kostenlos zur Rezension überlassen hatte, überhaupt noch etwas Neues lesen würde. Hinzu kommt: Ich hatte das Buch mit auf Gran Canaria. Da die kanarischen Inseln aber so weit vom Festland entfernt sind, habe ich mich auch gefragt, wie spanisch die Kanaren überhaupt sein werden, und ob wohl zutrifft, was im Buch so geschrieben wird.

  1. Erkenntnis: Die Menschen in Gran Canaria sind von unfassbarer Höflichkeit, zumindest, wenn man mit ihnen Spenglish spricht, also zumindest versucht, Spanisch zu sprechen, vielleicht auch Englisch, aber nicht gleich die Deutsch-Keule hervorholt. Dabei hatte ich nicht nur Kontakt mit Menschen aus der Tourismusbranche, sondern auch mit einer Servicemitarbeiterin der städtischen Leihfahrräder, einem Techniker sowie einer Dame an der Supermarktkasse.
  2. Erkenntnis: Die Einwohner Gran Canarias sind sehr spanisch, zumindest trifft viel von dem zu, was in dem Büchlein aus der Reihe „Die Fremdenversteher“ von Reise Know-How geschrieben steht.
  3. Erkenntnis: Demnach haben die Spanier und ich leider überhaupt nichts gemeinsam. Im Buch heißt es, die Spanier lieben die Nationalitäten, die die Nacht zum Tage machen. Ich schlafe nachts. Normal sei auch, um zwei Uhr morgens bei geöffnetem Fenster CDs bei voller Lautstärke zu hören, während auf den Straßen Motorräder laut Gas gebend an den Feiernden auf den Bürgersteigen vorbeiknattern. Das kann ich nur unterstreichen, denn das habe ich in Madrid selbst erlebt – und für mich ist das zumindest zuhause die Hölle. In Spanien kann ich darüber hinwegsehen. Weiterhin heißt es in dem Buch, dass die Spanier total unzuverlässig seien und Zeit für sie ein relativer Begriff ist. Ich dagegen bin super-deutsch immer pünktlich und total gut geplant. Und dann gibt es noch die Sache mit den Gruppenabenden: Der Spanier geht laut Buch am liebsten in großen Gruppen weg, was in aller Regel zu großem Chaos führt, weil immer jemand zurückbleibt oder andere Pläne hat. Ich hasse es, in großen Gruppen unterwegs zu sein. Das ist mir zu anstrengend.

So sind die Spanier: Beim Essen und Trinken

Tapas auf Gran Canaria
Tapas auf Gran Canaria

Davon abgesehen, hat mir das Buch im Urlaub viel Freude bereitet. Zum Beispiel an dem Abend, als ich in Las Palmas Tapas gegessen habe. Neben mir war eine Tafel für rund 20 Leute eingedeckt, doch um Viertel vor 9 war noch kein Platz belegt. Aus Interesse fragte ich den Kellner, wann diese Gäste kämen. Das löste einen ganzen Fluss an Erklärungen bei ihm aus:“Also die Engländer kommen gegen 18 Uhr, die Deutschen gegen 19 Uhr, danach die Franzosen und die Spanier von der Peninsula, dann die Kanaren der anderen Inseln, und die Einwohner Gran Canarias kommen in der Regel zwischen 10 und 1 Uhr. Hinzu kommt: Sie sind nie pünktlich. Der Deutsche reserviert auf 19 Uhr und ist spätestens fünf nach da. Bei den Spaniern, die auf 21 Uhr reserviert haben, wird der erste frühestens um 21 Uhr 20 da sein.“

Und was lese ich eine Stunde später, zurück im Hotelzimmer im Kapitel Essen & Trinken: „Kein spanischer Koch geht je davon aus, vor 1 Uhr mit der Arbeit fertig zu sein.“ Passt genauso wie die Erklärung wann der Spanier was isst, denn dazu sagte auch mein Kellner in der Kneipe: Morgens Kaffee und ein Teilchen, mittags ordentlich, nachmittags was Süßes oder ein Baguette mit Limo und dann eben abends noch mal richtig.“

Spanier im Straßenverkehr – so sind sie halt

Zwar ist es keine bahnbrechende Neuigkeit, dass Südeuropäer oft anders Auto fahren als Nordeuropäer. Nicht klar war mir aber, dass es als eine Art Natioanlsport gilt, die Regeln zu brechen, solange die Strafen nicht allzu hoch sind. Nun ist in Las Palmas überall Polizei, mehr als ich in Köln in einem Jahr sehe. Trotz dieser Präsenz sind mir zwei Situationen im Gedächtnis geblieben, bei denen ich als Deutsche mal kurz tief Luft holen musste. Ich wollte mit dem Leihfahrrad auf dem Fahrradweg bei grüner Fußgänger- und Fahrradampel eine Straße überqueren. Als ich schon auf der Straße bin, kommen von rechts drei Autos angebrettert, die mich einfach umgemäht hätten, wenn ich schon weiter gewesen wäre. Außer mir, die ich ziemlich fassungslos war, hat sich daran aber niemand gestört.

Zweites Beispiel: Ein Taxi lässt auf einer einspurigen Straße einen Menschen über die Straße. Ruckzuck stauen sich hinter ihm einige Autos. Nur Sekunden später fährt das erste Auto in der Schlange auf den breiten Bürgersteig und versucht um einen Pflanzenkübel herum vor dem Taxi wieder einzuscheren. Hallo? Geht‘s noch? Bei allen Mentalitätsunterschieden: Das kann ich nicht verstehen.

So sind sie, die Gran Canarier

In Gran Canaria sind mir zwei Eigenarten aufgefallen, die im Buch so nicht beschrieben werden: Dass Zeit in Südeuropa und Lateinamerika relativ ist, weiß jeder. In Gran Canaria ist aber alles 5 Minuten, was mindestens 10 bis zu gut 60 Minuten dauert. So sollte das Shuttle am Flughafen in 5 Minuten kommen, aber ich bestand nach einer halben Stunde auf ein Taxi, der Mietwagen sollte in 5 Minuten gebracht werden, daraus wurden 20 und ein Schild „gleich wieder da“ bleibt ohne Konsequenz, bis man zum Handy greift und mal nachfragt, was genau „gleich“ eigentlich heißt.

Ein anderes Phänomen: Man stellt den Gran Canariern eine scheinbar einfache Frage, und daraus wird eine Gruppendiskussion, die erst gute 10 Minuten später mit einer oft überraschenden Antwort endet. Beispiel: „Was kostet ein Taxi vom Flughafen in die Stadt?“ 15 Minuten später hatten wir eine Freifahrt, die laut Taxameter 40 Euro gekostet hätte. Oder: „Haben Sie noch einen freien Tisch?“. Diskussion. Am Ende saßen wir, während ein anderes Paar aus Köln, erkenntlich am T-Shirt-Spruch, abgelehnt wurde. Oder: „Haben sie noch geöffnet?“. Diskussion. Gegenfrage:“Was wollen Sie denn bestellen (und die anderen 10, die sich hinter Ihnen angestellt haben)?“. Letztendlich bei der Hafenpolizei, die uns nicht zu Avis durchlassen wollte: „Wie kommen wir an unser Auto?“ Diskussion. Ergebnis: Avis brachte das Auto zu uns.

Fazit: Mit knapp 100 Seiten ist „So sind sie, die Spanier“ ja eher ein Büchlein, denn ein Buch. Es ist leicht genug fürs Reisegepäck und lässt sich mit Schmunzeln gut weglesen. Ich habe nach der Lektüre in vielen Alltagssituationen an das Buch gedacht. Und bin jetzt ein bisschen traurig, dass es keine passende Ausgabe für die Vereinigten Arabischen Emirate gibt. Denn dorthin bringt mich meine nächste Reise.

Als Journalistin halte ich mich an den Pressekodex des Presserats. Dieses Buch habe ich von Literaturtest kostenlos zur Rezension bekommen. Alle anderen Kosten während meines Aufenthalts auf Gran Canaria habe ich natürlich selbst getragen.

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