Gelesen: Riskante Rezepte

Riskante Rezepte: Mord im Sternerestaurant
Riskante Rezepte: Mord im Sternerestaurant

Küchenballet. So bezeichnet Birand Bingül in seinem Buch “Riskante Rezepte” (Werbe-Link zu Amazon) die Küche in einem Sternerestaurant. Das Buch habe ich vom Verlag kostenlos zur Rezension bekommen. Tatsächlich hat man in diesen Restaurants den Blick in die Küche eher selten, um beurteilen zu können, wie das Miteinander der Köche aussieht. Wohl aber beispielsweise im Eins unter Null in Berlin, im Nagaya in Düsseldorf oder im FG Food Labs in Rotterdam. Was man dort sieht, habe ich mit diesem Begriff auch schon beschrieben: Küchenballett. Es ist schön, wie präzise sich Köche bewegen, ohne sich auf die Füße zu treten.

Bingüls Küchenballett tanzt übrigens in der Nähe von Hamburg, und zwar im Restaurant einer sehr jungen Köchin des Jahres – Binaca Veh.  Mich erinnert die Romanfigur an Julia Komp, die jüngste Sterneköchin Deutschlands. Denn Binaca Veh hat ein Menü über mehrere Kontinente auf der Karte, mit Pfeffer aus Peru, Käse aus dem Irak, Rind aus Argentinien. Julia Komp ist tatsächlich auch noch nicht lange von ihrer Reise zurück, bei der sie die Küchen der Welt kennenlernte. Jetzt eröffnet sie in Köln ein Restaurant, in dem sich die Geschmäcker der Welt vereinen.

Autor arbeitet in Köln

Allerdings: Um Julia Komp geht es gar nicht in Bingüls Buch, vermute ich. Zumindest wünsche ich ihr das nicht. Leider habe ich von der Agentur und dem Autor selbst trotz Nachfrage keine Antwort auf meine Mail bekommen. Da Bingül ungefähr so alt ist wie ich, und seit 1. Januar Leiter der ARD Kommunikation und stellvertretender Leiter der Hauptabteilung Intendanz des WDR ist, dachte ich, man könnte sich ja mal in Köln treffen. Ich hatte das Astrein in der Krefelder Straße vorgeschlagen. Dort gibt es einen Drei-Gang-Mittagstisch mit Stern für 30 Euro. Das wäre ideal gewesen, um mit ihm über Bianca Veh und sein Buch zu sprechen. Vermutlich war er durch seine neuen Aufgaben zu eingebunden. Oder mein Blog zu klein, um auf meine Anfrage zu reagieren.

Bei Riskante Rezepte geht es um die Gastroszene

Riskante Rezepte kommt davon abgesehen ziemlich sofort auf den Punkt: Im Restaurant von Bianca Veh stirbt nämlich ein Gast. Einem Koch oder vielmehr einer Köchin gehen in diesem Moment viele Gedanken durch den Kopf: Lebensmittelallergie? Verdorbenes Fleisch? Was auch immer es war: Es macht die Runde – nicht alleine, weil ein Journalist dort gegessen hat. Darum engagiert ihre Managerin den Master of Desaster Mats Holm, der sich auf Krisenkommunikation spezialisiert hat. Er ist zu diesem Zeitpunkt in der Nähe von Berlin unterwegs und trägt sein eigenes Bündel an Problemen: Seine Tochter hat den Kontakt abgebrochen, weil sie ihn für schuldig am Tod ihrer Mutter hält. 

  • Julia Komps Dessert im Lokschuppen
  • Pop-up Restaurant im Lokschuppen
  • Gelesen: Riskante Rezepte
  • Gelesen: Riskante Rezepte
  • Sterne-Radieschen im Neobiota
  • Schöne Tische mit Holz und Beton
  • Das La Société-Menü
  • Rhabarber
  • Gruß aus der Küche im Einsunternull
  • Reh in Roermond

Logisch, dass Holm es nicht leicht haben wird: die Vehs scheinen eine verschworene Gemeinschaft zu sein, und dann ist da auch noch der Ex-Freund von Bianca, der aus ganz anderen Kreisen stammt. Toll, wie sich Bingüls Schreibstil ändert, wenn er von ihm berichtet. Dort geht es auch um die Kritik am Sterneessen: Letztlich gehe es dabei zwar um verdammt gutes, aber auch sehr teures Essen – während in der Welt Menschen an Hunger sterben. Als ob das nicht schon genug Spannungspotenzial bieten würde, kommt auch noch Fußball ins Spiel und die EM 2020. Das Buch wurde also zum richtigen Zeitpunkt veröffentlicht.

Interessant an dem Buch: Der Protagonist, Mats Holm, ist ein echter Kommunikationsfachmann. Und der Autor des Buches ist das auch. Das merkt man beim Lesen: Holm analysiert seine Gesprächsteilnehmer en detail – und hat rhetorisch immer die perfekte Antwort parat. Da kann man als Leser*in noch einiges lernen. Alles in allem schreibt Bingül flott, das Buch besteht zu großen Teilen aus lebhaften Dialogen. Es lässt sich gut weglesen. Allerdings haben mir zu viele Leute einen Braten im Feuer: Hier ein Problem, da eine Liebschaft, da verliere ich schnell den Überblick, wie die einzelnen Teile zusammenhängen. Manchmal ist – wie auch in der Küche – bei einem Krimi weniger mehr. Trotzdem bleibt Riskante Rezepte bis zum Schluss spannend. Und auch wenn man es sich eigentlich hätte denken können: Der Mörder wird den Lesern erst ganz am Ende offenbart.

Gelesen: Riskante Rezepte

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

I accept that my given data and my IP address is sent to a server in the USA only for the purpose of spam prevention through the Akismet program.More information on Akismet and GDPR.

* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld.

*

Ich stimme zu

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.