Garzweiler: Tagebau und Geisterdörfer als Tourismusmagnet

Kohleabbau in Garzweiler

Man kann für oder gegen den Kohleabbau sein: Beide Seiten haben gute Argumente. Aber darum soll es in diesem Artikel nicht gehen. Denn Op jück ist keine politische Plattform, sondern ein Unterwegs- und Genussblog mit dem Schwerpunkt auf Köln und NRW. Mit dieser Fokussierung kommt man aber an einer Sache nicht vorbei. Und das sind die gigantischen Löcher in der Erde, die ganze Dörfer in der Region verschlingen. Wie Wunden klaffen sie in der Erdoberfläche, viele Meter lang, breit und tief, und gleichzeitig sind sie menschliche Wunderwerke. Wer sich für die Arbeit von Ingenieur*innen interessiert, und wer eine Schwäche für besonders große Bagger hat, der sollte auf jeden Fall einmal zum Tagebau Garzweiler fahren. Von Köln aus ist er mit dem Auto in etwa 45 Minuten zu erreichen.

Skywalk am Aussichtspunkt
Skywalk

Tipp: Bei Jüchen und bei Jackerath gibt es zwei Aussichtspunkte. Der Zugang ist kostenlos. An beiden Orten gibt es Parkplätze. Beim Aussichtspunkt Jackerath führt ein Gitterrost, ähnlich einem Skywalk, näher an die Grube. Von dort hat man einen guten Blick.

Allerdings parken auf den zugehörigen Stellflächen längst nicht nur Besucher*innen aus dem Umland. An einem Sonntagvormittag stehen hier Autos aus Stuttgart, Münster und sogar mit bayrischem Kennzeichen. Wer hier auf dem Weg in den Urlaub oder zurück vorbeikommt, hält kurz an. Schließlich gibt es nicht oft die Möglichkeit, einen Tagebau in dieser Größe zu sehen.

Tipp: Von RWE, dem Unternehmen, das die Energie liefert, und dazu Kohle abbaut, gibt es immer wieder verschiedene Besichtigungs-Möglichkeiten.

Der Kohleabbau hat Folgen für die Region

Bis 2045 soll im Tagebau Garzweiler weiter Kohle abgebaut werden – und das hat Folgen für die Umwelt:

  • Der Kohleabbau verschiebt sich ständig, so dass immer neue Dörfer umgesiedelt werden. Immerath beispielsweise ist fast schon unbewohnt, viele Häuser wurden abgerissen, ein verlassener Ort also. Ein Geisterdorf, durch das nachts keine Autos fahren dürfen. Nach Borschemich, ebenfalls ein längst verlassenes Dorf, darf man nicht mehr hinein, weder zu Fuß, noch mit dem Auto. Keyenberg sieht dagegen noch bewohnt aus. Und es ist kaum vorzustellen, dass auch hier eines Tages ein Geisterdorf stehen könnte.
  • Dadurch, dass jeden Tag viel Erde ausgehoben wird, kann man an anderen Stellen, wo keine Kohle mehr abzugraben ist, die Löcher wieder stopfen. Das ist schon an einigen Stellen passiert: das Erholungsgebiet Kasterer See ist beispielsweise rekultiviert.

Foto-Touristen auf der Suche nach Lost Places rund um Garzweiler

Nach Immerath kann man tagsüber noch fahren, aber Vorsicht! Ein Sicherheitsdienst patrouilliert ständig. Hat ein Besucher den Weg verlassen, wird er sofort verwarnt. Das kann selbst dann passieren, wenn sich der Besucher keiner Schuld bewusst ist.

Tatsächlich hat der Sicherheitsdienst an einem schönen Wochenendtag einiges zu tun, denn es kommen viele Besucher in das verlassene Dorf. Zu groß ist die Hoffnung, irgendwo die typischen Lost-Places-Foto-Motive zu finden, bei denen Tapeten von den Wänden hängen oder Glas zerborsten im Rahmen hängt. Das allerdings findet man in Immerath eher nicht, denn die verlassenen Häuser sind gut geschützt gegen Eindringlinge. Dass trotzdem immer wieder mit roher Gewalt versucht wird beispielsweise in die Kirche zu kommen, sieht man den Türen an.

Mein Fazit: Ich bin froh, mir sowohl den Tagebau als auch ein Geisterdorf angesehen zu haben. Beides gehört zur Wirtschaft und zur Geschichte der Region, in der ich lebe.

2 Gedanken zu „Garzweiler: Tagebau und Geisterdörfer als Tourismusmagnet

    • BettinaBlass Autor des BeitragsAntworten

      Liebe Gabriele,

      danke für deinen Kommentar. Wie im Artikel geschrieben, ist Op jück ein Reise- und Genussblog – und nicht der richtige Platz für politische Statements und Diskussionen. Die müssten bitte auf anderen Plattformen stattfinden. Ich habe mir darum erlaubt, deine Einschätzung zur Politik aus dem Kommentar zu entfernen. Das ist erkenntlich an der Klammer mit den drei Pünktchen. Bei weiteren politischen Anmerkungen von Leser*innen werde ich die Kommentarfunktion unter diesem Beitrag schließen.

      Danke für dein Verständnis
      Bettina

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