Eine Niederländerin über Berlin, deutsche Geschichte und Politik

Brandenburger Tor in Berlin
Brandenburger Tor in Berlin

„Durfte ich das so frei sagen?“, fragt mich die ältere Frau in der Pommesbude auf Texel. „Das mit Hitler und dem Krieg?“. Sie schaut etwas ängstlich. Wir haben beide Hunger auf Pommes an diesem Mittwochnachmittag. Ich bestellte sie mit Erdnusssoße – auf Englisch. Darauf sprach mich die Dame an:“Sind Sie aus England?“ – „Nein, aus Deutschland.“ – „Warum sprechen Sie dann englisch? Es sprechen doch alle deutsch hier.“ Ich erklärte, dass man in Deutschland immer sagt, dass es die Niederländer nicht mögen, wenn man sie auf Deutsch anspricht. Sie lachte und sagte, das sei kein Problem. Dann erzählte sie, dass sie im August in Berlin war. Ein zweites Mal wolle sie aber nicht hingehen. „Wenn ich das Brandenburger Tor sehe, sehe ich Hitler“, sagte sie. Und das Holocaust-Mahnmal mit seinen engen Gassen scheine sie direkt nach Auschwitz zu führen. Allerdings sei die Mauer weg, stellt sie fest.

Ich nicke, verstehend. Ich sage ihr, dass sie das mit Hitler und dem Krieg auf jeden Fall so sagen könne, schließlich sei das unsere Geschichte, und wir müssen damit leben. „Ich war damals noch ein Kind“, sagt sie. „Aber meine Familie hat viele schlimme Dinge im Krieg erlebt“. Ich nicke wieder. „Aber ich habe gar nichts gegen die Deutschen“, sagt sie. „Im Gegenteil, ich habe viele sehr gute Freunde in Deutschland.“

Rechtsruck in Europa

Ich sage ihr, dass das kein Widerspruch sein muss, und dass ich die Niederlande sehr schätze, dass ich gerne in Roermond Käse einkaufe und auch gern an der Küste bin. Dass mir aber die Entwicklungen in vielen Regionen Deutschlands gar nicht gefallen, zu viele Nazis, und dass ich hoffe, dass wir nicht eine Wiederholung der Geschichte erleben werden. Sie sagt, dass sie auch schlimm findet, was bei uns passiert. Aber, sagt sie, bei uns sitzt Wilders im Parlament. „Im Parlament“, betont sie mit erhobener Stimme. „Das ist auch schlimm!“

Leider ja, stimme ich ihr zu, aber auch Frankreich, Italien und Österreich sind nicht besser“. – „Und das alles nur wegen der armen Flüchtlinge, die nirgendwo hinkönnen“, sagt sie. Betroffenes Schweigen. „Ich muss ja noch zahlen!“, sagt sie schließlich und nimmt ihre Fritten. „Fijne Avond noch! Schönen Abend! Und Danke für das nette Gespräch!“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.