Dresden: Ungewöhnliche Häufung unhöflicher Menschen

Nicht immer sind die Mitmenschen in Urlaubslaune
Nicht immer sind die Mitmenschen in Urlaubslaune

Wenn man ein Wochenende weg fährt, freut man sich, in eine fremde Umgebung einzutauchen. Der Entspannungsmodus ist eingeschaltet. Man hofft auf eine nette Unterkunft und gutes Essen. Oft wird dabei vergessen, dass es auch von den Mitmenschen abhängt, in welchem Licht man einen Ort in Erinnerung hält.

Wenn ich das schreibe, habe ich meine Erlebnisse in Dresden im Kopf. Dort war ich auf einer Weiterbildung in einem großen Hotel untergebracht. Ich hatte nicht viel Freizeit, habe die aber sinnvoll ausgenutzt, um die Altstadt und die Neustadt zu ergründen. Die meiste Zeit habe ich aber damit zugebracht, im Hotel und im Seminar zu sein.

Unsere Gruppe war nicht die einzige, die geschult wurde. Vielmehr handelte es sich um ein großes Weiterbildungszentrum mit sehr vielen Besuchern. Speziell, wenn man alleine unterwegs ist, ist man eigentlich Fremden gegenüber sehr offen, schließlich will man sich mit anderen Menschen unterhalten und austauschen. Aber nicht immer wollen die anderen das auch. In diesem Weiterbildungszentrum hatte ich einige merkwürdige Begegnungen. Wohlgemerkt waren die anderen Gäste Ende 40, Mitte 50. Man kann also nicht von der schlechterzogenen Jugend sprechen.

Beispielsweise hielt ich einer Dame lächelnd die Tür zur Bar auf: Sie ging hocherhobenen Hauptes an mir vorbei, ohne zu lächeln, ohne mich eines Blickes zu würdigen, ohne sich zu bedanken. Ich rief ihr ein fröhliches und lautes „Gern geschehen“ nach. Keine Reaktion. Beim Frühstück am nächsten Tag wartete ich, bis die Bedienung die Schüssel mit Frischobst abgestellt hatte. Als die Bedienung weg war, wollte ich mir Obst nehmen, als eine Dame von links dazwischen sprang, um sich selbst etwas zu nehmen. Ich ließ sie gewähren. Doch als sie das zweite Mal den Löffel in den Obstsalatberg stach, schubste ich sie sanft mit meinem Tablett zur Seite.

Ich setze mich an einen Tisch, an dem bereits ein Mann saß, und ich grüßte ihn mit „Guten Morgen“. Er schaute mich kurz an, aß auf, und verließ den Tisch grußlos. Als ich den Fitnessraum am Abend betrat, sage ich laut und deutlich „Hallo“. Der Mann auf dem Laufband zeigt gar keine Reaktion. Die Frau auf dem Fahrrad schaut mich an, sagt aber nichts. In der Sauna im Anschluss kam ein Mann in die 90 Grad Kabine und begann sofort zu reden. Es sei so schade, dass die Sauna so wenig genutzt werde. Ich sagte, dass ich das ganz gut finde, weil wir so unsere Ruhe haben. Er sagte, ihm sei das zu ruhig, er brauche immer jemanden zum Quatschen. Ich sagte, dass ich die Ruhe sehr schätze. Doch er redete weiter. Ich verabschiedete mich mit den Worten, dass mir 90 Grad nach dem Essen nicht gut bekommen. Tatsächlich ging mir aber sein Gequatsche auf die Nerven.

Ich finde es nicht einfach, bei so vielen unangenehmen Begegnungen selbst noch freundlich zu bleiben. Aber ich glaube, dass es wichtig ist. „Wenn du zu lange in den Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich“, hat Friedrich Nietzsche gesagt. Ich denke, da ist viel Wahres dran, und darum ist es besonders wichtig, sich nicht mit denen gemein zu machen, deren Verhalten man nicht mag. Immerhin wurde ich für meine Standhaftigkeit beim Frühstück am nächsten Morgen belohnt: Ich stellte ich mich von links am Kaffeeautomaten an, den links standen die Tassen. Von rechts hatte sich bereits vor mir ein Mann angestellt, der nun aber keine Tasse hatte. Er sah mich an, schaute genervt, presste die Lippen zusammen. Ich reichte ihm eine Tasse, sagte:“Sie haben noch keine Tasse, nicht?“. Er schaute jetzt überrascht, quetschte hervor: „Sie können auch vor mir Kaffee holen!“. „Nein“, sage ich. „Sie waren ja vor mir da!“. Er lächelte, wartete auf seinen Kaffe. „Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag!“, verabschiedet er sich. Na also. Geht doch.

Kommentar verfassen