Diskriminierung einer Pilotin: „Aber nur, wenn sie sich nicht verfliegt!“

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Airberlin über Ibiza
Airberlin über Ibiza

Bei einem Flug von Ibiza nach Mallorca mit Air Berlin saß eine Pilotin am Steuer. Ich habe mich gefreut, doch der Mann hinter Reihe hinter mir hat sich sehr despektierlich über die Dame geäußert. Völlig grundlos. Weil er es witzig fand, vermute ich. Seine beiden Begleiter, eine Frau und ein Mann, amüsierten sich über seine Äußerungen prächtig. Ich nicht. Aber nun war meine Neugierde geweckt, und ich führte mit Air Berlin ein kurzes Interview zum Thema Pilotinnen.

Alles war wunderbar: Auf Ibiza schien die Sonne, der Himmel war blau, der Air Berlin Flieger pünktlich. Wir hatten an diesem Tag eine Pilotin – das empfinde ich selbst im Jahr 2015 noch als etwas Besonderes. Es hat mich gefreut. Offensichtlich ging das nicht allen Passagieren so: Die Dame stellte sich über Lautsprecher vor und erläuterte, dass die Flugzeit nach Mallorca 25 Minuten beträgt. Da sagte ein Mann in der Reihe hinter mir:

„Aber nur, wenn sie sich nicht verfliegt!“

Gelächter von seinen beiden Reisebegleitern, einem Mann und einer Frau. Nun musste die Pilotin zum Start einige Zeit über die Startbahn fahren. Kommentar des Mannes hinter mir:

“Sie fährt uns nach Mallorca, weil sie nicht weiß, wie sie den Flieger hochbekommt“.

Wieder Gelächter. Ich drehte mich zu ihm um, schaute ihm mit hochgezogener Augenbraue in die Augen. Er schwieg von da an. Und ich überlegte mir während des kurzen Fluges, was ich eigentlich über den Beruf des Piloten weiß. So gut wie nichts, stellte ich fest. Darum stellte ich der Pressestelle von Air Berlin einige Fragen, die mir Pressesprecherin Kathrin Zirkel beantwortete:

Wie viele Pilotinnen gibt es bei Air Berlin?

Insgesamt fliegen für uns 1.300 Piloten, fünf Prozent sind Frauen.

Das entspricht also 65 Pilotinnen. Woran liegt es, dass es so wenige weibliche Piloten gibt?
Wir können da nur spekulieren: Es scheint, als ob sich Männer eher für den beruf interessieren. Die Chancen für Männer und Frauen sind identisch. Und wir freuen uns an unserer Flightschool über jede Bewerbung von einer Frau.

Gibt es denn irgendetwas, was Pilotinnen besser können? Oder was Piloten besser machen?

Nein, überhaupt nicht. Das Geschlecht hat nichts mit den Anforderungen zu tun. Frauen und Männer müssen als Piloten die gleichen Fähigkeiten mitbringen Allerdings sind die Anforderungen an sich, um Pilot oder Pilotin zu werden, sehr hoch.

Jetzt bin ich natürlich neugierig und schaue auf die Seite der Air Berlin Flight School. Die Mindestanforderungen, die man erfüllen muss, um sich überhaupt zu bewerben, sind zunächst einmal enttäuschend niedrig: sehr gute Deutsch- und Englischkenntnisse, Hochschulreife, uneingeschränkter Reisepass, Führerschein, Internetzugang, gutes Sehvermögen. Das anschließende Auswahlverfahren sieht da schon anders aus: Geprüft wird unter anderem technisches Verständnis, logisches Denken, räumliche Orientierung, Mathematik und Mehrfachbelastbarkeit. Wer die Prüfungen an Tag 1 bestanden hat, wird für Tag 2 zu einem psychologischen Eignungstest eingeladen. Hier werden unter anderem die Sozialkompetenz, die Belastbarkeit und das Gruppenverhalten bewertet. Wer auch diese Tests bestanden hat, muss vor Vertragsschluss unter anderem ein Tauglichkeitszeugnis Klasse 1 einer anerkannten deutschen fliegerärztlichen Untersuchungsstelle vorlegen.

Ob der Mann, der sich im Flugzeug so dumm geäußert hat, alle Anforderungen erfüllt hätte?

2015 sollen laut Auskunft der Pressestelle 15 neue Flugschüler aufgenommen werden. Der Frauenanteil liege auch hier über die Jahre bei fünf Prozent.

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