Das andere Hongkong: auf dem Heritage Trail

Briefkästen in Hongkong
Briefkästen in Hongkong

Eigentlich mag ich Großstädte. Zumindest für einige Tage. Aber nach zwei Wochen in riesigen Großstädten bin ich sie auch leid. Da fehlt mir die Natur, das Grüne, und auch einmal ein Platz ohne Menschenmassen. Gibt es nicht in Hongkong? Oh doch! Man muss aber ein bisschen Zeit dafür einplanen. Der Lonely Planet schreibt beispielsweise über die Heritage Trails, auf denen man das alte China entdecken können soll. Dazu hat das Hong Kong Tourism Board eine eigene App herausgebracht. Dort werden vier verschiedene Strecken vorgestellt, und zwar mit Offline-Karte und Wegbeschreibungen sowie mit weiteren Informationen zu dem, was man unterwegs sieht.

Orientierung auf dem Heritage Trail in Hongkong

Wir haben uns für den Lung Yeuk Tau Heritage Trail entschieden, der im Norden bei der Metrostation Fanlin beginnt. Laut Lonely Planet ist er 4,5 Kilometer lang, laut App des Tourismusbüros nur 1,5 Kilometer. Was beiden Beschreibungen gemein ist: Sie sind nur begrenzt hilfreich. Zwar findet man mit der App die erste Sehenswürdigkeit in Minuten. Doch auf dem Weg zur zweiten wird’s schwierig, denn dazu muss man den Mini-Bus nehmen. Der Weg dorthin wird zwar in der App beschrieben, ist aber nicht einfach zu finden. Hinzu kommt, dass sich der Busbahnhof die ganze Straße lang erstreckt, was auf den ersten Blick nicht ersichtlich ist. Außerdem fährt der besagte Bus selten, so dass man wahrscheinlich warten muss. Und da der Busfahrer kein Englisch sprach, war es nicht so einfach, herauszufinden, wo man aussteigen muss. Das Foto der beschriebenen Kirche in der App und die Straßenschilder halfen uns aber dabei.

Der in der App beschriebene Weg ist tatsächlich sehr kurz. Allerdings hören nach dem Ahnentempel die Straßenschilder mit den Wegbeschreibungen auf, so dass wir es dabei beließen und nicht die vollen 4,5 Kilometer aus dem Lonely Planet gingen. Bei 34 Grad ohne Schatten sicherlich auch keine falsche Entscheidung. Für den Rückweg stellt man sich einfach an den Straßenrand und winkt dem Bus, zu halten.

Hongkong: Was sieht man auf dem Heritage Trail?
Wunder sollte man nicht erwarten. Der Weg führt an alten, ummauerten Dörfern vorbei. Die Mauern und die Tore sind teilweise gut erhalten, die Dörfer darf man nicht betreten. Rund um diese Dörfer stehen Wohnhäuser, nicht die typischen Silos für Hunderte von Menschen, sondern kleine, ruhige Wohnanlagen. Das Ganze liegt inmitten von Grün: Bäume, Büsche, Luftwurzeln – eine tropische Umgebung. Und es ist ruhig auf der Straße. Selten fährt ein Fahrzeug vorbei, die wenigen Leute auf der Straße plauschen miteinander und lächeln uns zu. Ein alter Mann benutzt ein Fahrrad als Laufrad und holt seine Post an den Briefkästen ab. Er fragt uns in gebrochenem Englisch, wohin wir wollen und weist uns den Weg. Woher wir kommen, fragt er. “Deutschland?”, wiederholt er unsere Antwort. “Hitler”, fügt er hinzu und streckt den Arm zum Gruß. “Leider”, sage ich, “Vergangenheit. Jetzt Fußball!”. Er nickt anerkennend:”Weltmeister. Gut! Deutschland. Immer stark, immer ehrenvoll, Deutschland. Gut!” Er biegt rechts ab, wir müssen nach links. So ist es also auf dem Dorf. Welch ein Unterschied zum pulsierenden und anonymen Hongkong. Aber auch ein Teil davon.

Ein Gedanke zu „Das andere Hongkong: auf dem Heritage Trail

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

%d Bloggern gefällt das: