BTHVN 2020: Das Kammermusikfest ist eröffnet

Beethoven Pur: Programm und Einlasskarte
Beethoven Pur: Programm und Einlasskarte

Mein Deutsch-LK-Lehrer war ein Schnösel. Er wusste, dass er schön war. Aber er war arrogant und überheblich. Doch einen Satz hat er gesagt, an den ich gestern denken musste, als ich in der Bundeskunsthalle saß und klassischer Musik lauschte. Er sagte: „Ich muss eine Sprache nicht verstehen, um ihre Schönheit zu erkennen. Liest mir jemand auf Spanisch, Russisch oder Chinesisch vor, kann der Klang schön sein. Auch wenn ich nicht weiß, um was es eigentlich geht.“

Musik ist auch eine Art Sprache. Ich spreche sie nicht – und ich verstehe sie auch nicht. Aber ich kann beurteilen, was mir gefällt und was nicht. Doch als ich die Einladung bekam, als Journalistin kostenfrei am Eröffnungskonzert zur Kammermusikwoche im Rahmen des Beethovenjahres – kurz BTHVN 2020 – in Bonn teilzunehmen, habe ich kurz gezögert. Kammermusik? Der Begriff klingt fürchterlich verstaubt und langweilig. Tatsächlich meint er heute jedoch nur, dass es um Musik für kleine Räume geht. Es steht eben nicht das große Orchester auf der Bühne, sondern ein Duo, ein Trio, ein Quartett – oder sogar ein Oktett. Um ein Kammermusikkonzert sollte es also gehen – und zwar in der Bundeskunsthalle. Das wiederum fand ich interessant. Denn dort ist derzeit auch die Beethoven-Ausstellung zu sehen. Sie wurde übrigens seit der Eröffnung vor vier Wochen von über 20.000 Gästen besucht. Außerdem hat Beethoven gesagt „Die Kunst will es von uns, dass wir nicht stehen bleiben“. Also auf zu neuen Erlebnissen.

Kammermusik beim BTHVN 2020 verbindet Generationen

Gespannt fuhr ich also nach Bonn, und wähnte mich um 20 nach 7 noch sehr früh für ein Konzert, das um 20 Uhr beginnen sollte. Doch als ich ankam, stand die Schlange vom Veranstaltungsraum einmal quer durchs Foyer der Bundeskunsthalle und schließlich im Bogen an den Schließfächern vorbei bis zum Museumskassentresen. Wie ich es erwartet hatte, war das Publikum überwiegend älter. Aber auch erstaunlich viele junge Leute waren zum Eröffnungskonzert gekommen. Aus den Gesprächen um mich herum erfuhr ich, dass viele der Jungen noch studierten.

Ganz schön voll bei BTHVN 2020
Ganz schön voll

Der Veranstaltungsraum mit Theaterbestuhlung, Forum genannt, war schlicht in schwarz mit roten Akzenten gehalten. Auf der kleinen Bühne nahmen nacheinander ein Trio für Klavier, Violine und Violoncello, ein Streichinstrumentetrio und dann das Belcea Quartett mit Violinen, Viola und Violoncello Platz. Nicht, dass ich die Instrumente so einfach unterscheiden könnte. Grundsätzlich ist die Violine kleiner als die Viola und das Violoncello ist am größten. Es wird eben nicht unters Kinn geklemmt, sondern steht am Boden. Ein anderes Wort für Violine ist übrigens Geige, und eine Viola ist eine Bratsche.

Kammermusik mit gemischten Gattungen und Künstlern

Ein Abend also, drei Ensemble und drei Werke. Damit sind wir auch schon bei der Besonderheit dieses Kammermusikfestes: Denn Ziel von „Beethoven Pur“, wie die Reihe heißt, ist es, „die verschiedenen Gattungen, Stilarten und Künstler miteinander zu mischen“. Das entnehme ich der Pressemitteilung. Pro Abend stehen also unterschiedliche Ensemble auf der Bühne, zwischen denen es Querverbindungen gibt. Am Eröffnungsabend ist das – ganz passend – der Anfang. So wird, wie ich im Programm lese, als erstes Beethovens op.1 Nr. 1 gespielt, dann gibt es einen ersten Versuch einer speziellen Gattung und schließlich ein Werk, in dem er erstmals eine bestimmte Kompositionstechnik einsetzte. Eine Querverbindung gibt es außerdem zwischen dem ersten und dem zweiten Ensemble, und das ist Jean-Guihen Queyras, der in beiden mitspielt. Ganz spannend: Einige der Original-Handschriften dieser Stücke sind tatsächlich auch im Beethovenhaus in der Stadtmitte zu sehen.

Und wie war sie nun, die Kammermusik?

Die Musik selbst beim Kammermusikfest im BTHVN 2020 war schön: Fröhliche Teile – Allegro – wechselten mit fast schon melancholischen – Adagio. Violine und Violoncello im ersten Stück schienen einen Dialog zu führen, mal scherzhaft, neckisch, mal eher aufbrausend wütend. Zusammengehalten wurden die beiden Streichinstrumente durch das Klavier, das auch dann zu hören war, wenn die Unterhaltung kurz ins Stocken geraten schien. Im zweiten Stück hörte ich viele sanfte Töne, aber auch wilde Emotionen. Hier spielte übrigens Tabea Zimmermann mit, die sowohl künstlerische Leiterin der BTHVN Woche ist als auch Präsidentin des Beethoven-Hauses. Beim dritten Stück ging’s lebhaft zu und melancholisch gleichzeitig, das Belcea Quartett schien abwechselnd vor Freude zu jauchzen und dann wieder nachdenklich zu werden. Hier spielen übrigens Musiker aus Rumänien, Polen und Frankreich zusammen. Beethoven verbindet eben auch und gerade in seinem Jubiläumsjahr nicht nur Generationen, sondern auch Nationen.

Kammermusikfest in Bonn
Kammermusikfest in Bonn

„Beethoven Pur“ gibt es noch bis zum 9. Februar. Viele Konzerte sind ausverkauft, aber mit etwas Glück kann man an der Abendkasse noch eine Karte ergattern. Die weiteren Konzerte finden im Kammermusiksaal statt.

Als Journalistin halte ich mich an den Pressekodex  des Presserats.  Die Eintrittskosten hat das Beethovenhaus übernommen. Die Fahrt nach Bonn habe ich natürlich selbst bezahlt. Während des Konzerts durfte man übrigens keine Fotos machen.

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