Bonn und Gronau: zwei Sonderausstellungen zu Beethoven

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Ist Euch das schon einmal passiert? Da ist jemand, der brennt für sein Thema. Und erzählt Euch davon. Und plötzlich beginnt Ihr Euch dafür zu interessieren, obwohl Ihr bislang dachtet, das wäre total langweilig? Das passiert mir ziemlich oft. Zuletzt heute bei einer Pressekonferenz im Beethovenhaus in Bonn. Dort gibt es jetzt eine von zwei Sonderausstellungen zu Beethoven in NRW. Sie heißt „Zündstoff Beethoven“, und es geht dabei darum, wie sich Musiker*innen des 20. und 21. Jahrhunderts mit der Musik vom Ludwig auseinandersetzen. Die zweite Sonderausstellung ist übrigens in Gronau.

Pressekonferenz zur Sonderausstellung im Beethovenhaus
Pressekonferenz zur Sonderausstellung im Beethovenhaus

Klingt erstmal wenig sexy, und wenn ich ehrlich bin, sind es die Notenblätter, Zeitungs- und Tagebuchausschnitte und Fotos erst einmal auch nicht. Doch als die beiden Kuratoren von der Paul Sacher Stiftung in Basel beschreiben, um was es geht, bin ich zunehmend angetan. 

Die Paul Sacher Stiftung

Paul Sacher war ein Schweizer Dirigent und einer der reichsten Männer der Welt. Er förderte die Musik und Musiker*innen und kaufte unter anderem den Nachlass Igor Strawinskys – der mit anderen Dokumenten zusammen zum Grundstock der heutigen Stiftung wurde. Heute hat die Paul Sacher Stiftung über 100 Sammlungen von Musiker*innen des 20. und 21. Jahrhunderts.

Felix Meyer, Direktor der Paul Sacher Stiftung und Simon Obert, wissenschaftlicher Mitarbeiter, haben nämlich ihr Archiv durchforstet nach Dokumenten, die in Bezug zu Ludwig van Beethoven stehen. Sie waren selbst überrascht über die Fülle, die sie gefunden haben. Weil der Platz in Bonn begrenzt ist, haben sie vier Themenschwerpunkte gebildet:

  • Lernen und Lehren – weil auch heute noch viele Musikschüler*innen Beethovens Stücke spielen und analysieren
  • Idealisierungen, weil Beethoven für viele der Größte ist und oft überhöht wird.
  • Strategien des Verweises: Zitate aus Beethovens Stücken oder Werke, in denen seine Kompositionen die Vorlage war.
  • Verfremdungen – Demontagen, in denen Beethoven aufs Korn genommen oder überzeichnet dargestellt wird.

Was also gibt es bei den Sonderausstellungen zu Beethoven konkret zu sehen?

So wird beispielsweise im Schaukasten Lernen und Lehre ein Buchmanuskript der musikalischen Theorielehre gezeigt sowie eine detaillierte Analyse eines Streichquartetts, in der jeder Takt auseinandergenommen wird. Im Schaukasten „Idealisierungen“ liegt das älteste Dokument, ungefähr von 1904. Es ist ein Tagebucheintrag des österreichischen Komponisten Anton Webern, der eine Erneuerung der Musik forderte. Derjenige, dem diese Erneuerung gelänge, „das wäre dann der Beethoven unserer Tage“, schrieb er. 

Neue Sonderausstellung zu Beethoven in Bonn

In „Strategie des Verweisens“ liegt das jüngste Objekt. Es ist von der finnischen Komponistin Kaija Saariaho. Sie hat 2019 mit Chimera einen Beethoven-Jingle – oder neudeutsch Audio Sting – komponiert. Ihr könnt ihn auf der Internetseite der European Broadcasting Union hören. Und schließlich liegt im Schaukasten „Verfremdungen – Demontage“ unter anderem ein Storyboard für den Film Ludwig van. An der Wand hängen Fotografien von der Produktion. 

Zusätzlich gibt es zwei Hörstationen und eine Videostation, an denen die Werke gehört und gesehen werden können, auf die in den Schaukästen Bezug genommen wird.

Die Sonderausstellung läuft noch bis 3. Oktober, im August und September soll es je ein Konzert geben. Das Museum hat derzeit freitags bis sonntags geöffnet.

Ludwig lebt! in Gronau

Bunter, schriller und plastischer ist die Ausstellung Ludwig lebt! im Rock- und Popmuseum in Gronau. Durch das Museum geht man mit einem Kopfhörer. Aufgrund von Sensoren werden an festgelegten Stellen automatisch Musik abgespielt oder Geschichten erzählt. In der Sonderausstellung zu Ludwig van Beethoven taucht man tief in seine Zeit ein, lernt aber auch, welchen Einfluss er noch heute auf die Musik hat. So gibt es einen Raum, der dem Stück „Für Elise“ gewidmet ist. Und es ist faszinierend, wie viele unterschiedliche Interpretationen Ihr dort hören könnt. 

Auch die vielen Filme, Comics und Bücher, die sich mit ihm beschäftigen, und ausgestellt werden, zeigen, dass Beethoven der möglicherweise echte erste Popstar war. Ludwig lebt! Könnt Ihr ebenfalls bis zum 3. Oktober besuchen.

Beide Sonderausstellungen zu Beethoven finden im Rahmen des wegen der Coronapandemie verlängerten Jubiläumsjahres BTHVN2020 statt.

Bonn und Gronau: zwei Sonderausstellungen zu Beethoven

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