Begegnung mit einer Russin in China

Wagen 2, Sitz 18 steht auf unseren Zugtickets von Hangzhou nach Shanghai. Doch die Zugbegleiterin verwehrt uns den Zutritt zu Wagen 2, wir sollen in Wagen 11 gehen. Dort gibt es aber keinen Platz 18, also warten wir im Flur auf jemanden, der uns weiter hilft. Eine junge Frau, ebenfalls ein Fahrgast, kommt auf uns zu. Sie trägt Flipflops, eine blaue enge Hose, ein graues weites Oberteil. Die langen hellbraunen Haare hat sie zum Zopf gebunden, ihre Augen schauen sanft. Ich halte sie aufgrund ihres Akzents beim Englischsprechen für eine Französin. Sie hat einen Sitzplatz in Reihe 20, doch die gibt es auch nicht, also wartet sie mit uns. Sie erzählt:

Komischer Tag! Erst bin ich auf der Straße gegen den Bürgersteig gestoßen und musste ins Krankenhaus, weil der Zeh so weh tat. Jetzt habe ich diesen dicken Verband, treffe im Zug Deutsche und habe dieses Problem mit dem Zugticket. Ich bin aus Russland, da kann man aber kein Geld verdienen, darum arbeite ich als Model in China. Erst habe ich vier Jahre in Shanghai gelebt, eine wundervolle Stadt, aber riesig. Jetzt lebe ich in Hangzhou, muss aber zur Arbeit heute nach Shanghai. Ich mag China überhaupt nicht, ich mag die Leute nicht, ich kann das Essen nicht ausstehen, aber hier kann ich Geld verdienen. Ich hoffe, ich kann bald zurück nach Sibirien, mein Freund und ich wollen heiraten. Seid Ihr schon einmal in Russland gewesen? Ihr solltet da mal hin. Moskau ist zwar schrecklich, weil dort immer so viel Stau ist, aber Sankt Petersburg ist wundervoll. Ach, ich möchte nach Hause.

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