Begegnung mit einer Masseurin

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Wellnessdusche
Wellnessdusche. Mit Entspannungsurlauben lässt sich viel Geld verdienen. Die Leute, die den Gästen die Entspannung ermöglichen, verdienen aber oft nur wenig.

Ein großes Hotel in einem Dorf mit nur einigen hundert Einwohnern. Ist das ein Fremdkörper oder integriert es sich? Bringt es dem Ort außer Gewebesteuer noch mehr Vorteile? Gehen die Besucher in die hiesigen Gaststätten und Läden oder bleiben Sie in einem Hotel-Ghetto? Ich komme mit einer Masseurin ins Gespräch, die mir ihre Sicht der Dinge schildert:

„Die Leute, die im Hotel arbeiten, kommen alle hier aus der Gegend. Aber wir sind ein recht kleines Team, insofern ist der wirtschaftliche Nutzen begrenzt. Allerdings muss man auch sagen, dass viele Dorfbewohner hier nicht arbeiten wollen, denn Samstags- und Sonntagsschichten sind Alltag.

Ich bin sehr froh über meine Arbeit. Erstens habe ich früher in der 70 Kilometer entfernten Stadt gearbeitet, da bin ich jeden Tag 140 Kilometer mit dem Auto gefahren. Zweitens mag ich diesen Beruf mit dem Kontakt zu den Menschen. Das ist viel schöner als die Arbeit im Büro früher. Aber sie ist auch körperlich anstrengend. Ich arbeite von zehn bis 18 Uhr mit einigen ganz kurzen Pausen, da bin ich abends fertig. Und ich übernehme auch gerne Wochenendschichten, weil wir ein zweites Auto brauchen. Mein Mann hat mich mit 38 verlassen, meine Kinder sind jetzt zwischen 18 und 26. Drei erwachsene Menschen und ein Auto, das geht auf dem Dorf nicht. Hier fährt einmal die Stunde ein Bus, am Wochenende keiner. Also verzichtet Mama auf den Urlaub und arbeitet noch mehr, um ein zweites Auto zu kaufen.

Überhaupt, Urlaub: Ich könnte mir hier keinen Urlaub leisten. Zehn Jahre lang habe ich oft schlecht geschlafen, weil ich nicht wusste, ob wir am nächsten Tag genügend zum Essen haben würden. Aber ich wollte das Haus nicht aufgeben, um den Kindern nicht auch noch das Zuhause zu nehmen. Jetzt ist es abbezahlt, und ich kann langsam auch wieder an mich denken. Die zehn Jahre haben mich vorzeitig altern lassen. Ob meine Kinder mir diesen Einsatz jemals danken werden, weiß ich nicht. Aber ich bin zumindest mit mir im Reinen.“

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