Begegnung mit einer Ehrenamtlichen

Schmutz am Strand, hier in Daressalam, Tansania
Schmutz am Strand, hier in Daressalam, Tansania

Sie sah nicht wie typische Volontouristin aus: zwischen 40 und 50, dickes, verschwitztes, gewelltes rot-braunes Haar, füllig. Trekkinghose und zwei Tanktops übereinander, Trekkingsandalen. Ein Tuch, schwarz mit weißen Blüten, das sie mal über die Schulter legte, mal als Halstuch benutzte, weinrote Fleecejacke. Nahezu sechs Stunden schlief sie im Flieger von Dubai kommend neben mir, dann begann sie zu reden:

Ich habe gerade zwei Monate als Ehrenamtliche im malaysischen Teil auf Borneo gearbeitet, und zwar bei einem Projekt, das sich mit Korallen beschäftigt. Außerdem habe ich Schulkinder in ökologischen Fragen unterrichtet. Eigentlich bin ich Chemikerin, aber ich liebe die Natur. Wir haben auf Borneo ein Camp aufgebaut und dort zwei Monate gezeltet. Neulich stand morgens einen Meter vor mir eine Kobra, da zieht man sich besser langsam zurück. Es gab dort viele Kobras und andere Schlangen. Eine hat einem der sieben Hunde Gift in die Augen gespritzt, der musste dann zum Tierarzt. Für so ein Leben muss man gemacht sein. Eine junge US-Amerikanerin war dabei, die hatte schon Angst vor den Hunden, und auch sonst vor jedem noch so kleinen Tier. So kann man nicht zelten. Ich weiß nicht, wieso sie an dem Projekt teilgenommen hat, denn die Umstände waren vorher bekannt.

Ich habe zwei Monate keine Schuhe getragen, die Umstellung fällt mir jetzt richtig schwer. Dafür bin ich von Tausendfüßlern zweimal gebissen worden, sehr schmerzhaft. Ich bin trotzdem immer barfuß gelaufen, auch im Dschungel. Natürlich waren wir auch jeden Tag tauchen. Der Taifun, der auch über den Philippinen war, hat eines Nachts unser Camp platt gemacht, da hieß es am nächsten Tag aufräumen. Das hat einigen der sehr jungen Ehrenamtlichen nicht gefallen. Sie waren nur zwei Wochen da, und eigentlich eher Touristen. Sie hatten überhaupt eine komische Einstellung: Stand auf der To do Liste beispielsweise nicht, dass der Strand von Müll gesäubert werden soll, haben sie ihn einfach liegen lassen.

Anderes Beispiel: Ich habe in meinem Freundeskreis Geld gesammelt für die Schule. Da fragten sie, warum ich das mache, wo ich doch schon für das Volonteering-Programm bezahlte. Sie waren noch sehr jung und haben den Sinn des ehrenamtlichen Engagements nicht verstanden. Denen war es wichtig, für wenig Geld einen Tauchkurs machen zu können, aber mit Volontourismus hatte das leider gar nichts zu tun.

Ich selbst war als Ehrenamtliche 2012 in Tansania. Meine Erfahrungen waren erfreulicherweise nur positiv.

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