Bayreuth: Halbzeit bei der Landesgartenschau

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Sonntagmorgen, 11 Uhr. Wir kämpfen uns gegen einen Strom von Besuchern der Landesgartenschau in Bayreuth auf der Auenpromenade zum Ausgang. Es scheint, als ob gerade mehrere Busse ihre Insassen vor dem Eingang Süd ausgespuckt hätten: Teenager mit ihren Eltern, Kleinkinder, die geschoben werden, Senioren – sie alle sind unterwegs, um sich Blumen, Beete und Blüten anzusehen. Wir sind froh, dass wir antizyklisch unterwegs waren: Um 9 Uhr morgens gehörten wir zu den ersten Besuchern, die das Gelände betreten haben. Trocken war es ausnahmsweise, aber auf den Blumenblättern glitzerten noch die Regentropfen der Nacht. Auf dem etwa zwei Kilometer langen Rundweg durch die Landesgartenschau haben wir die Pflanzen fast für uns alleine, im Sportkabinett hüpfen wir wie Kinder im Kletternetz, auf dem Auenlehrpfad schaukeln wir in überdimensionalen Liegen vor und zurück wie in einer Wiege.

Barock-Kostüme
Barock-Kostüme

Überall auf dem Gelände sind Damen und Herren in barocken Kostümen unterwegs, es ist der 3. Juli, der Geburtstag von Wilhelmine von Preußen. 307 Jahre wäre sie heute geworden. Für Bayreuth war die Tochter des Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I ein echter Glücksfall: Mit ihrer Bauwut hat sie Bayreuth zu der Barockperle gemacht hat, die die Stadt heute noch ist. Kein Wunder, dass sie Symbolfigur der Landesgartenschau ist, der Gartenschaupark nach ihr Wilhelminenaue genannt wurde.

Doch auch Wilhelmine als Namenspatronin ist hilflos, wenn Petrus sich vorgenommen hat, den deutschen Sommer immer wieder durch kräftige Regengüße abzukühlen. „Zwei oder drei Mal hatten wir so heftige Unwetter, dass wir das Gelände räumen mussten“, sagt so auch Mirko Streich, Pressesprecher der Landesgartenschau. Die Gefahr für die Besucher ist dann zu groß, dass sie von Bäumen erschlagen oder vom Blitz getroffen werden. Darum müssen die Besucher ab einer bestimmten Warnstufe das Gelände verlassen.

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Trotz des kapriziösen Wetters sei man hochzufrieden, sagt Streich: Zur Halbzeit, die ziemlich genau mit unserem Besuch zusammenfällt, haben bereits weit über 300.000 Gäste die Wilhelminenaue besucht. Zum Glück litt die Ausstellung nicht unter Starkregen, Sturm, und Gewitter, nur einige Wege musste man ausbessern und einige Blumen austauschen. Erstaunlich wenig Schaden also, wenn man bedenkt, dass bei der größten bayrische Landesgartenschau, die es bisher gegeben hat, 250.000 Blumen und 10.000 Bäume gepflanzt wurden.

Natürlich kann eine Landesgartenschau in Bayreuth nicht ohne Bezug zum großen Komponisten Richard Wagner sein. Darum ziehen sich entlang der Auenpromenade die so genannten Wagner-Beete. Mirko Streich beschreibt, was es damit auf sich hat:

Sport und Kultur auf der Landesgartenschau

Neben Blumen und Bäumen gibt es in der Parkanlage auch allerlei für Sport- und Kulturfreunde: eine Dirt-Bike-Anlage beispielsweise auf der Radfahrer mit ihren speziellen Mountainbikes über Erdhügel springen. Oder eben Skulpturen zum Anschauen für diejenigen, die beim Landesgartenschaubesuch nicht ganz so viel Aktion wünschen. „Unser Ziel ist es, ein möglichst breites Publikum zu erreichen“, sagt Mirko Streich. „Nur Blumen und Pflanzen waren möglicherweise vor einigen Jahren noch ausreichend, um Besucher anzulocken. Doch das ist schon lange nicht mehr so. Darum haben wir Sport und Kultur ins Konzept eingeplant.“

Die Landesgartenschau in Bayreuth geht noch bis zum 9. Oktober 2016. Wir haben sie als Pressevertreter besucht, ohne Eintritt zu bezahlen.

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