Außergewöhnliche Gins in Hülle und Fülle auf der ProWein

Messehalle auf der ProWein viele außergewöhnliche Gins sind hier zu finden.
In Halle 7 gab es auf der ProWein quasi alles außer Wein: zum Beispiel Cider, Craft-Biere und außergewöhnliche Gins.

Ja, die ProWein ist eine Weinmesse. Aber neben den vielen Messehallen mit Wein gibt es eine Halle, in der es um andere Getränke geht. In Halle 7 wurden auf der ProWein dieses Jahr viele Craft-Biere und vor allem Spirituosen vorgestellt. Da ich viel lieber Gin als Wein trinke, habe ich mich daher nur in dieser Halle umgesehen und Bettina den Wein überlassen. Gefunden habe ich viel, vor allem außergewöhnliche Gins.

Ein guter Start mit Cider

Doch bevor ich den ersten außergewöhnlichen Gin probieren konnte, hielt mir ein freundlicher Herr ein Glas Cider hin. Wer Cider oder den französischen Cidre nicht kennt: Das ist eine Art Apfelwein mit ein wenig Kohlensäure, der gerade im Sommer sehr erfrischend ist. Dieser Cider von Ramborn ist der erste seiner Art aus Luxemburg. Er wird nur aus vor Ort geernteten Äpfeln gemacht und war schon ganz lecker. Ich habe Cider das erste Mal in England getrunken und für mich persönlich hängt Cider mit dem Erlebnis „vor Ort“ zusammen. So ging mir das bereits mit mehreren Getränken, die ich im Urlaub kennengelernt und nach Hause mitgenommen habe, der Geschmack ist zuhause „in anderer Stimmung“. Daher verstaubt auch seit Jahren eine Flasche türkischen Rakis in meinem Keller. Aber ich war ja sowieso auf der Suche nach Gin, deshalb konnte ich das zweite Glas Cider guten Gewissen ablehnen.

Gin aus der “Heimat”

Heimat Gin
Einen Gin aus ihrer Heimat haben drei Freunde kreiert.

Äpfel kann man nicht nur im Cider, sondern auch im Gin verwerten. Das tun drei Freunde aus der Nähe von Heilbronn. Sie nennen ihren Gin „Heimat“. Jeder Gin, der heutzutage aus der Masse hervorstechen will, braucht ja eine Art Story und ist am besten lokal, bio und so weiter. Das trifft auch auf Heimat zu. Die drei Freunde wollten ihren eigenen Gin mit Kräutern und Obst von heimischen Wiesen. Dazu gehört beispielsweise, dass die Wiesen nicht einfach vom Bauern gemäht werden, damit vorher noch Gelegenheit besteht, die Kräuter abzuernten. „Das geht halt nur auf dem Land, wo man die Bauern kennt“, verriet mir Marcel, einer der drei Freunde.

Natürlich habe ich gespannt probiert, denn mit Apfel-Gins hatte ich bisher noch kein Glück. Heimat überzeugt, der Geschmack ist leicht mediterran, die Kräuter schmecken wohldosiert, und der Alkohol-Geschmack ist nicht zu stark.

Die Flasche ist für 33 Euro online zu bestellen und auch in gut sortierten Getränkeabteilungen erhältlich. Marcel sprach von Kaufhof – eine Adresse, die ich im Lauf des Tages noch öfter hörte. 

Eine Spielart ist der Barrel Aged Dry Gin. Hier lagerte der Gin noch monatelang in einem Whiskeyfass. Das ändert sowohl die Farbe als auch die Aromen, sie werden milder und beim Riechen kommt der Holzgeruch stark durch. Für dann 70 Euro die Flasche war ich jedoch nicht überzeugt. 

Außergewöhnlicher Zirbel-Gin aus Südtirol

Ein außergewöhnlicher Gin ist der Zirbelgin Z44
Zwei außergewöhnliche Gins: Der Z44 und die Specialedition mit Heide

Ich gestehe, in Biologie war ich eine Niete. Deshalb musste ich auch mehrfach nachfragen, wie der Baum genau heißt, weil ich noch nie von der Zirbelkiefer gehört hatte. Zu meiner Verteidigung: Der Baum wächst nur im Hochgebirge unter anderem in Südtirol, man muss ihn als Flachlandkind also nicht kennen. Wie die Tanne handelt es sich um einen Nadelbaum mit Zapfen. Die Zirbenzapfen werden gepresst und das entstehende Öl mit anderen Kräutern aus den Hochalpen zu einem sehr aromatischen Gin destilliert, dem Z44. Weiterhin sind unter anderem Schafgarbe und Veilchen enthalten. Er erinnerte mich an einen klassischen Kräuterschnaps, ein bisschen wie Medizin, aber alles in allem sehr lecker.

Gesteigert wurde der Geschmack in der Rosa-Variante, in der zusätzlich noch Heide verarbeitet wurde. Für Fachleute: Ericae, die kenne sogar ich. In Deutschland zu beziehen bei Grappashop, hier ist die normale Variante für 44 Euro zu haben. Zwei wirklich außergewöhnliche Gins.

Seetang-Gin aus Kanada

St. Laurent Gin aus Kanada
Fast schon unscheinbar: Der St. Laurent Gin aus Kanada

Eine weitere sehr interessante und außergewöhnliche Kombination bietet der St. Laurent Gin aus dem kanadischen Quebec. Man kann tatsächlich das Meer erschmecken, denn eine der Hauptzutaten ist Seetang, Kombu um genau zu sein. Gleichzeitig ist er sehr citruslastig, dadurch wiederum wirkt er frisch und generell sehr komplex. Ich kann ihn mir gut als Begleiter zu Fischgerichten aller Art vorstellen. 

In Deutschland habe ich ihn zum Beispiel bei Schnapskultur für 39,90 Euro gefunden. Wie beim Heimat-Gin gibt es auch bei St. Laurent eine Version, die ein Jahr in einem Whisky-Fass gelagert hat, den konnte ich aber nicht probieren.

Katzen-Gin mit Katzenminze

Pussanga und Schrödinger's Katzen-Gin
Der Schrödinger’s Katzen Gin (rechts) enthält zwar keine Katzen, dafür wurde er mit Katzenminze destilliert. Ebenfalls ein außergewöhnlicher Gin.

Wieder zeigen sich meine schlechten Biologie-Kenntnisse: Von Katzenminze hatte ich auch noch nie gehört. Angeblich ist dieses Kraut für Katzen sowas wie eine Droge, dann passt es für den Menschen wohl ganz gut in den Alkohol. Die Story hinter dem Schrödinger’s Katzen Gin erscheint mir etwas hanebüchen, im Prinzip geht’s wohl nur um den Namen fürs Marketing, der die Katzen transportieren soll. Der Gin ist dafür richtig gut geworden, er bietet ein außergewöhnliches und leicht scharfes Aroma weit ab von den vielen bekannten Standard-Gins. Die Flasche ist für 34,95 Euro direkt beim Hersteller zu beziehen, kann aber auch im Kaufhof gefunden werden.

Vom selben Hersteller gibt es auch ein anderes interessantes Getränk, von dem ich noch nie gehört hatte: Pussanga. Ich kann es gar nicht richtig einordnen, es geht in Richtung fruchtiger Likör, ist gleichzeitig bitter wie Campari. Hauptzutat ist eine seltene Pflanze aus dem Amazonas-Gebiet, Pussanga. Außergewöhnlich und einen Versuch wert. 

Einmal zum Mond und zurück

Moonshot Gin
Die Zutaten des Moonshot Gin waren einmal im All, wenn es auch nicht bis zum Mond gereicht hat.

Bei vielen Gins zählt ja die Story. Der Moonshot Gin hat eine leichte Kirschnote und ist ansonsten nicht so außergewöhnlich wie die anderen Gins, die ich probiert habe. Der besondere Aspekt ist aber, dass ein Teil der Zutaten vorm Destillieren einmal ins All geflogen sind. Das geht wohl mit Sent into space, der kleine Ausflug in eine Schicht am Rand der Erdatmosphäre mit extrem niedrigem Luftdruck soll den Zutaten noch den besonderen Kick verleihen, so wie das mitdestillierte Mondgestein. Ja, nette Idee, aber eher eine Marketing-Geschichte. Für 36,90 Euro zum Beispiel bei Drinks.de erhältlich. 

Strawberry Balsamico Gin
Außergewöhnliche Zutaten machen einen außergewöhnlichen Gin: Hier Erdbeeren und Balsamico-Essig

Ein anderes Produkt desselben Herstellers ist der Strawberry & Balsamico Gin. Das war für einen Gin dermaßen außergewöhnlich, dass ich den Geschmack noch lange im Gedächtnis hatte. Er schmeckte tatsächlich wie ein weicher, süßer Essig, nur eben mit einer Alkoholnote. Sehr lecker, aber wiederum nichts, wovon ich mir eine Flasche kaufen würde, weil man den wahrscheinlich irgendwann über hat. Ich habe ihn hier für 29,90 Euro gesehen.

The Duke fertig gemischt

The Duke Gin Premixes
Wenn’s schnell gehen soll, greift man zum Fertigmix mit The Duke Gin

Der The Duke-Gin aus Bayern ist weder neu noch als Gin besonders außergewöhnlich, aber jetzt auch in fertig gemischten Longdrinks in der Flasche erhältlich. Die meisten Fertig-Gin-Tonic-Gemische sind dagegen nur in Dosen zu finden. Damit ist man laut eigener Aussage der erste Anbieter, der das in Bioqualität liefert. Die Fläschchen sind für rund 4 Euro bei Kaufhof zu finden. Ich habe den Gin Tonic und den Munich Mule probiert – beide überzeugen. Ob ich sie mir jetzt kaufen würde, weiß ich nicht. Angesichts meiner Gin-Sammlung zuhause mische ich lieber selber. Wobei ich auch gar nicht die Zielgruppe bin, wie man mir am Stand von The Duke verriet: Es geht mehr darum, die Marke in Clubs oder zum Beispiel in Minibars im Hotel zu positionieren.

Ganz ohne Alkohol: The Basil

The Basil Limonade
The Basil als Grundlage für Gin Basil Smash. Dazu wurde der Tonka Gin empfohlen, ebenfalls ein außergewöhnlicher Gin.

Wie ohne Alkohol? The Basil ist zunächst mal eine Basilikum-Limetten-Limonade. Schmeckt pur schon mal ganz gut. Ihr eigentlicher Zweck ist aber die Verwendung im Longdrink Gin Basil Smash. Wer schon mal mühsam einen Basilikumstrauch abgezupft hat, um daraus mit einem Stößel minimale Mengen für den Basil Smash zu gewinnen, wird zu diesem Produkt greifen. Auch hier ist die Zielgruppe eher die Gastronomie, klar, da muss es schneller gehen. Bottlerocket liefert an Endkunden, die Flasche kostet etwa 2 Euro.

Noch ein außergewöhnlicher Schnaps: Ming River

Ming River Sichuan Baijiu
Kein Gin, trotzdem interessant: Ming River Sichuan Baijiu

Es müssen nicht immer Gins sein, manchmal können auch andere alkoholische Getränke interessant sein. Beim letzten Getränk weiß ich auch noch nicht so richtig, was ich da eigentlich getrunken habe, am ehesten war es wohl ein Korn. Der Baijiu sei in China sehr beliebt und dort die meistgetrunkene Spirituose, wurde mir am Stand erklärt, jetzt möchte man Europa und den Rest der Welt unter dem Markenamen Ming River Sichuan Baijiu damit beglücken. Der Geschmack ist interessant exotisch, auch ein bisschen fruchtig und gleichzeitig hat man das Gefühl einen weichen Käse zu trinken. Das wird vielleicht nicht mein Lieblingsgetränk, aber zwischendurch zum Beispiel nach dem Essen beim Chinesen – warum nicht. 

Der Herstellungsprozess beruht auf der Fermentation der Zutaten in Lehmgruben, wo sie bis zu zwei Monate lang vor sich hingären, bevor sie destilliert werden. Mit diesem Verfahren soll bereits 2000 Jahre gearbeitet werden. Der Hersteller Luzhou Laojiao ist nachweislich seit 1573 im Geschäft und gilt damit als Chinas älteste Brennerei. In Deutschland ist die Flasche für 34,90 Euro zum Beispiel bei Urban Drinks erhältlich. 

Fast schon zu viele außergewöhnliche Gins

Messehalle auf der ProWein: viele außergewöhnliche Gins sind hier zu finden.
Einiges los auf der ProWein

Ich bin auf der ProWein sehr auf meine Kosten gekommen. Es gab auch noch viel mehr außergewöhnliche Gins und natürlich andere Sachen zu entdecken, aber trotz immer nur minimaler Probierschlücke war meine Kapazität an Alkoholaufnahme irgendwann erschöpft. Aber es gibt ja nächstes Jahr wieder eine ProWein.

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