Ausprobiert: „Der neue Stadtführer“ für Münster

Im Kuhviertel: bunt und abends bestimmt lustig
Im Kuhviertel: bunt und abends bestimmt lustig

Da bin ich in den vergangenen Monaten so oft in Münster gewesen – aber nie im Friedenssaal im Rathaus. Bis vorgestern wusste ich nicht einmal, dass man da einfach so rein kann. Aber dann habe ich „Münster: Der neue Stadtführer“, ein Buch, das mir der Münstermitte Medienverlag zur Rezension geschickt hat, quergelesen, und hatte ein Aha-Erlebnis: Man muss nämlich nur ins Rathaus am Prinzipalmarkt gehen, zwei Euro bezahlen, die dicke Tür öffnen, und schon steht man mitten drin im geschichtsträchtigsten Raum der Stadt. Hier und in Osnabrück wurde 1648 nämlich gleichzeitig der Westfälische Frieden geschlossen, und darum ist 2018 auch in beiden Städten zum Friedensjahr ausgerufen worden.

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Mit dem Stadtführer vom Prinzipalmarkt zum Kuhviertel

Dank des Reiseführers lerne ich aber noch mehr: An der Lamberti-Kirche einige Meter weiter ist eine Statue mit dem Kopf von Schiller, und eine mit dem Kopf Goethes geschmückt. Warum weiß man zwar nicht, aber ohne das Buch wäre mir das nie aufgefallen. Schon recht angetan mache ich mich auf den Weg zum zweiten Stadtspaziergang, er führt mich vom Kiepenkerl zum Kuhviertel.

Vorbei am Kiepenkerl

Kiepenkerl ist der Name für einen Mann, der einen schweren Korb mit Eiern, Milch oder Wurst vom Land in die Stadt schleppte, um sie dort zu verkaufen oder gegen Salz und Stoff zu tauschen. Dieser traditionellen Gestalt ist auf dem Platz zwischen den zwei Kiepenkerl-Restaurants ein Denkmal gewidmet. Hier, im Herzen Münsters, war es auch, wo im Frühjahr 2018 ein Auto in die draußen sitzenden Menschen fuhr. Ein Ereignis, das leider für immer mit diesem schönen Platz verbunden sein wird. Nur einige Meter weiter überquert man die Aa, die aufgrund der Hitze gerade sehr wenig Wasser hat. Was ich nicht wusste: Man kann in beide Richtungen einige Meter am sonst sehr lauschigen Ufer entlangbummeln, oder auch auf einer Bank sitzen. Ich freue mich über diesen Tipp aus dem Stadtführer und gehe weiter bis zur Überwasserkirche. Sie steht im Kontrast zur nüchternen Diözesanbibliothek nebenan. Auf der Suche nach einer offenen Tür, die ich leider nicht finde, stoße ich auf ein Miniaturmünster, das die Stadt nach dem zweiten Weltkrieg nachbildet.

Dank Stadtführer Münster zur Altbierbowle

Von hier sind es nur noch wenige Meter bis ins Kuhviertel mit seinen vielen Kneipen. Ich kann mir gut vorstellen, dass hier an Sommerabenden die Hölle los ist. Am Mittwochnachmittag ist es jedoch entspannt. Ich setze mich in die Traditionsbrauerei Pinkus Müller, ein weiterer Tipp aus dem Stadtführer. Dort trinke ich eine Altbierbowle und esse Treberbrot mit Griebenschmalz. Weil Pinkus Müller mit Bioland und sogar Demeter zusammenarbeitet, beschließe ich, Bier mit nach Hause zu nehmen. Zugegeben, der Six-Pack am langen Arm wird auf dem Rückweg ins Hotel doch schwer. Zuhause habe ich dann übrigens bemerkt, dass mir die junge Bedienung statt eines Radlers ein Pils eingepackt hat. Irgendwie passieren mir in Münster immer so merkwürdige Dinge.

Meine gastronomischen Erfahrungen in Münster mit und ohne Stadtführer

Bei den Gastronomietipps bin ich darum auch etwas zurückhaltend. Das Pinkus Müller war natürlich eine prima Empfehlung. Über das Lux steht im Stadtführer, es sei die schönste Bar Münsters. Das kann ich nicht beurteilen, weil ich nur einmal auf der Terrasse gegessen habe – das war aber sehr gut. Auch das Dell’Isola wird im Buch empfohlen. Zugegeben: Ohne den Tipp wäre ich nicht reingegangen, weil es von außen so unscheinbar aussieht. Meine Spaghetti waren aber fantastisch, nicht zu weich und ausgesprochen würzig. Auch die Pizzeria Mocca d’Or war ein guter Tipp. Sie ist riesig, hat einen ganz netten kleinen Biergarten – und die Pizza war wirklich sehr gut. Ebenso wie das Eis im Firenze beim Picasso-Museum und die Macarons in dem kleinen Laden schräg gegenüber.

Aber im Buch wird auch ein kleines Bistro am Prinzipalmarkt genannt, in dem ich schlechte Erfahrungen gemacht habe. Mein Salat war ziemlich gammelig. Als ich bezahlte, habe ich das dem jungen Herrn an der Kasse auch sehr deutlich gesagt. Seine Reaktion war eher: „Ach ja? Kann passieren!“. Seine Chefin bekam das mit, holte den Salat vom Tisch, schaute mich an, und sagte: „Der war wirklich nicht schön. Das darf nicht passieren. Wir berechnen ihn natürlich nicht.“

In der L’Osteria habe ich neulich leider keine so kulante Reaktion erlebt. Man muss dazu sagen, dass ich eigentlich gerne in die Restaurants der Kette gehe. Im Juni war ich aber das erste und letzte Mal in Münster in einer Filiale. Es dauerte zunächst sehr lange, bis ich eine Bedienung auf mich aufmerksam machen konnte. Dann bestellte ich eine kleine Schorle. Bedienung:“Darf’s eine große sein?“ – „Nein, bitte eine kleine!“. Bedienung bringt eine große Schorle, ich reklamiere sofort. Sie sagt, sie überprüft, wie das ins System eingegeben wurde. Mein Essen kommt, die große Schorle steht noch unberührt vor mir, von der Bedienung habe ich nichts mehr gehört. Ich trinke einen Schluck. Bedienung kommt:“Trinken Sie bitte gerne die große Schorle, sie müssen nur die kleine bezahlen“. Nachdem ich bezahlt hatte, fiel mir auf, dass sehr wohl ein großes Getränk abgerechnet worden war. Also sprach ich die junge Dame an, die bei mir abkassiert hatte, stieß dort aber auf völliges Unverständnis. Schließlich hätte ich ja auch eine große Schorle getrunken, und die andere Bedienung werde erst eingelernt, die könne nichts entscheiden. Auch, dass ich dreimal meinen Wunsch sehr deutlich formuliert hatte, beeindruckte sie nicht. Ich beschwerte mich noch aus dem Hotel über das Formular auf der L’Osteria-Internetseite und bekam eine automatische Nachricht, dass man mir innerhalb der nächsten Tage antworten werde. Es kam leider nichts. Ich beschwerte mich nach zwei Wochen per Mail beim Franchisegeber – nichts. Eine Entschuldigung hätte ich schon nett gefunden.

Stadthotel Münster
Stadthotel Münster

Im Stadtführer werden übrigens auch Tipps für Hotels gegeben. Das Stadthotel, in dem ich dieses Mal, aber auch die nächsten beiden Male in Münster übernachten werde, wird dort auch aufgeführt. Eine gute Empfehlung, genauso wie das Factory, in dem ich vor langer Zeit einmal übernachtet habe. Ich erwähne das, weil ich in diesem Jahr schon in vielen Münsteraner Hotels geschlafen habe, die mir nicht so gefallen haben: zu laut, zu klein, zu üsselig.

Was laut Stadtführer für Münster auf die To do Liste gehört

Dort gibt es allerdings auch einige Tipps, die ich schon gemacht habe:

Mein Fazit: ich bin auch ohne Stadtführer auf einem ganz guten Weg, Münster im Detail kennenzulernen. Aber ganz viele nette Kleinigkeiten hätte ich ohne das Buch so nie entdeckt. Das finde ich toll – und jetzt freue ich mich schon auf meine nächsten Termine in der Stadt.

Als Journalistin halte ich mich an den Pressekodex des Presserats. Dieses Buch habe ich vom Münster Medienverlag kostenlos zur Rezension bekommen. Alle anderen Kosten während meines Aufenthalts habe ich selbst getragen.

Dieser Artikel wurde erstmals am 30. Juli 2018 veröffentlicht.
Am 18. August 2018 haben wir ihn ergänzt.

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