Auf der Chinesischen Mauer

Wachturm an der Chinesischen Mauer
Wachturm an der Chinesischen Mauer

Eines war für mich klar: Ich würde China nicht verlassen, ohne auf der Mauer gewesen zu sein. Das ist leider leichter gesagt als getan – und das obwohl die Chinesische Mauer eine Länge von angeblich rund 21.000 Kilometern hat. Am besten sei sie von Beijing aus zu erreichen, hört man immer, also haben wir uns mit den verschiedenen Möglichkeiten beschäftigt: Man soll mit Bus und Bahn recht weit kommen, steht im Lonely Planet. Wir haben uns trotzdem für die einfachere Variante entschieden und die vom Hotel angebotene Tour gebucht. Preis pro Person: 35 Euro für den Ganztagesausflug.

Das hat Vorteile: Man wird am Hotel abgeholt, setzt sich bequem in einen klimatisierten Bus und lässt sich durch die Gegend fahren. Es hat aber auch Nachteile: Man muss die Macken der Mitreisenden ertragen und Farbrikverkauf über sich ergehen lassen. In unserem Fall ging es in einen Jade- und einen Seidenladen. Letzterer war ganz interessant. Anekdote am Rande: Trotz Stromausfall ging der Verkauf weiter, als ob nichts geschehen sei. Die Verkäuferinnen waren mit Taschenlampen ausgerüstet.

Unser Tour führte uns außerdem zu einem Kaisergrab. Darauf führt eine Allee zu, die rechts und links von übergroßen Steinmenschen, -pferden und -kamelen gesäumt ist. Erst nach einem etwas trockenen Mittagessen kamen wir zur Mauer selbst, und zwar an den Abschnitt in Mutianyu. Die Anfahrt ist kompliziert: Der Tourbus fährt bis zu einem ganz neuen Gebäude. Dort müssen alle aussteigen. Die Tourleiterin besorgte Tickets für den Sessellift, diese 12 Euro pro Person waren nicht im Ausflugspreis enthalten. Dann stellen sich alle in ein Drängelgitter, das sich schier endlos um eine Bushaltestelle windet. Dort hält alle paar Minuten ein großer Shuttle-Bus, der nur so viele Menschen mitnimmt, wie Sitzplätze finden. Er fährt etwa zehn Minuten den Berg hinauf, dann steigen alle aus und stellen sich in die Warteschlange am Sessellift. Dieser trägt die Besucher über Nadelwälder, Berge und Täler nach oben. Jetzt folgt man einem kurzen Zubringweg, steigt einige Treppen hinauf – und steht auf der Chinesischen Mauer.

In meinem Fall war die Aussicht leider schlecht, es war diesig. Den Mauerverlauf und die steilen Berge konnte man nur erahnen. Trotzdem war es für mich ein großer Augenblick. Wir entschieden uns, 30 Minuten in eine Richtung zu gehen, und danach wieder zum Sessellift zurückzukehren. Das waren die wahrscheinlich 60 schweißtreibendsten Minuten meines Lebens: rund 30 Grad, kein Lüftchen, dafür Steigungen. Steile Stufen hinauf und hinunter, manche so niedrig, dass eine alleine keinen Sinn macht, zwei aber fast zu hoch sind. Manche kniehoch, so dass man sich mit den Händen an der Mauer hochziehen muss. Manche so ausgelaufen, dass man in die Löcher derer tritt, die dort ihre Spuren in vielen Jahren hinterlassen haben. Und dann das Ganze zurück, während Shirt und Hose längst am Körper kleben.

Mein Fazit: Obwohl die Sicht schlecht, der Tag lang und der Gang über die Mauer anstrengend war – ich würde es auf jeden Fall wieder tun!

Die Bilder sind übrigens mit Rookie bearbeitet. Was die App kann, erfahrt ihr auf Bild statt Text.

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