Animierte Kunst für jedermann in Köln

Wandhohe Kunstwerke
Wandhohe Kunstwerke

Vier Mädchen mit langen Haaren tanzen zur klassischen Musik. In der Ecke rechts, beim Eingang, steht ein Paar, eng aneinandergekuschelt. Auf den wenigen Bänken im Showroom im Barthoniaforum in Köln-Ehrenfeld sind alle Plätze belegt. Manche Besucher der Multimedia-Show From Monet to Klimt sitzen vornübergebeugt, andere lehnen sich entspannt zurück. Egal wie sie sitzen: Alle schauen gebannt auf die Wände. Bis zu vier Meter hoch sind die animierten Kunstwerke von Monet, Klimt und van Gogh, die im Rhythmus klassischer Musik wechseln. Möglich ist das nach zwei Jahren Arbeit durch 45 HD-Beamer, die so programmiert sind, dass sie die vielen kleinen Bilder zum großen Gesamtkunstwerk zusammensetzen. Da soll nochmal jemand sagen, die großen Maler der Vergangenheit seien heute nicht mehr gefragt.

Ganz im Gegenteil macht die moderne Technik möglich, was bisher undenkbar war: Bilder werden im wahrsten Sinne belebt, und die Besucher scheinen mit ihnen zu verschmelzen: Hier drehen sich die Flügel einer Windmühle, Blätter fallen von den Bäumen, die Meeresbrandung rollt langsam an den Strand, erste sanfte Bleistiftstriche skizzieren, was später ein großes Gemälde sein wird. Manche Details wie beispielsweise die Schwertlilien von van Gogh sind fast mannshoch, als sie über die Wände wandern. Wer möchte, kann sogar die einzelnen Pinselstriche erkennen. 45 Minuten geht die Show, bevor sie wieder von Vorne beginnt.

Kaum Werbung für die Show

Besucherinnen
Besucherinnen

Die Besucher kommen und gehen, wie sie wollen, einige bleiben auch mehrere Durchgänge lang im Raum und entdecken doch jedesmal Neues, erzählt mir die junge Dame am Eingang. Die Show, die schon seit April täglich läuft, wurde gerade bis zum 3. Oktober in Köln verlängert – und trotzdem wissen in meinem Umfeld nur wenige, dass es sie überhaupt gibt. „Das liegt auch daran, dass wir keine Plakate aufhängen durften“, sagt Anthony Stavchanskyy, dessen Familie die Show umgesetzt hat.

Die Stadt Köln habe ihn bei seiner Anfrage wegen der Plakatierung an das hiesige Unternehmen verwiesen, das die Werbung in der Stadt verwaltet, dorthin habe man eine weitere Anfrage geschickt, um Plakate aufhängen zu dürfen – und der Kostenvoranschlag für diese Erlaubnis sei deutlich höher gewesen als erwartet. Also habe man darauf verzichtet. Stattdessen setzte man beispielsweise auf Groupon und verkaufte dort Tickets, die ein günstiger sind, als an der Tageskasse. „Eigentlich hatten wir uns das anders vorgestellt“, sagt Anthony, der Business Management und Marketing studiert hat. Er hatte gehofft, dass die Stadt die Ausstellung unterstütze, vielleicht, indem sie einen Ausstellungsraum zur Verfügung stellt. Da das nicht geschehen sei, habe man den Showroom auf eigene Kosten mieten müssen. Mit den Eintrittsgebühren gleiche man mehr oder weniger die Miete aus, Geld verdiene man damit nicht wirklich, sagt Anthony.

2 Jahre, 138 Bilder, 45 Beamer – eine Multimediashow

Anthony und seine Familie sind aus Estland. In Deutschland sind sie vertreten durch die Renaissance GmbH mit Sitz in München, sagt er mir. Diese Firma organisiere Kunstausstellungen. Die Ausstellung From Monet to Klimt verantwortet im Wesentlichen Anthonys Vater, der Regisseur ist, und mit Künstlern und Komponisten zusammen arbeitet. Insgesamt, so sagt er, waren 15 Leute rund zwei Jahre mit der Show beschäftigt. Dazu habe man mit einem guten Dutzend Computerprogrammen gearbeitet, bis man schließlich das gewünschte Ergebnis erzielte. Außerdem wurden die Kunstwerke in 4K gescannt, der derzeit höchstmöglichen Auflösung. Damit sind sie so groß, dass man sie auf 6 x 3 Metern anzeigen kann. Wegen der Urheberrechte musste man sich mit den Museen auseinandersetzen, die die 138 Werke zeigen, und die auch beim so entstandenen neuen animierten Werk ein Mitspracherecht hatten, wie Anthony mir erklärt. Das ist auch ein Grund, warum es so lange gedauert hat, die Show umzusetzen. Ein anderer lag in der Herausforderung, die Software für die Beamer zu schreiben.

Doch Anthonys Familie war es das wert, denn ihr Wunsch ist, Kunst mit anderen zu teilen, und durch die Shows auch diejenigen an Kunst heranzuführen, die normalerweise keinen Zugang dazu haben, oder sich für ein klassisches Museum nicht interessieren. Ab Oktober soll die Show weiter ziehen – zunächst in die USA, dann zurück nach Deutschland: Mit Berlin, Frankfurt, Dresden und München stehe man in Gesprächen, feste Termine gibt es jedoch noch nicht, und auch auf der Homepage steht bisher nichts davon, wie es weitergehen soll. Überhaupt gibt es nicht sehr viele Informationen auf der Webseite, und auch zu Anthonys Familie erfährt man trotz Nachfragen nicht sehr viel. Das aber soll mir in diesem Fall egal sein. Ich finde es schön, dass eine so moderne Ausstellung offenbar generationenübergreifend funktioniert. Und dass Besucher auch ohne große Plakataktion auf From Klimt to Monet aufmerksam werden.

Meine Snapchat-Geschichte

Meine Snapchat-Geschichte

Noch bis zum 2. Oktober könnt Ihr Euch die Multimedia-Show im Barthoniaforum ansehen.

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