Als ich fast mit zwei Flüchtlingen zusammenstieß

Ehrenfeld
Ehrenfeld

“Vorhin”, so erzählte ich einem Freund, „hätte ich mit einem Fahrrad fast zwei Flüchtlinge umgefahren.“ Er schaut mich fragend an, ich rede weiter:”Ich kam vom Sport und fuhr die Subbelrather Straße entlang, auf dem Fahrradweg natürlich. Vor mir sah ich zwei dunkelhäutige junge Männer auf dem Fahrradweg gehen. Ich klingelte. Die Reaktion war verblüffend: Beide erstarrten zu Salzsäulen. Leider standen somit noch immer auf dem Fahrradweg, also klingelte ich nochmals. Sie drehten sich um, dann sprang der eine nach links in den Grünstreifen, der andere presste sich an die Hauswand. Jetzt hätten drei Fahrräder nebeneinander fahren können. Im Vorbeifahren lächelte ich sie an. Der Kleinere der beiden murmelte ein leises ‚Entschuldigung‘, und er schien es wirklich so zu meinen. An der nächsten Kreuzung war die Fahrrad- und Fußgängerampel rot, ich hielt an. Die beiden Jungs kamen dazu. Ich lächelte sie wieder an, sie lächelten schüchtern zurück. Der Kleinere legte die rechte Hand aufs Herz, blickte zu Boden und murmelte nochmals ‚Entschuldigung‘. Ich lächelte und sagte: ‚Alles gut! Kein Problem!‘. Er versuchte, das zu wiederholen, was etwas holprig klang. Dann wurde es grün und ich war weg.“

“Und wieso denkst du, die beiden waren Flüchtlinge?”

“Nun. Erstens war es in der Nähe der Flüchtlingsunterkunft in der Herkulesstraße. Zweitens sprachen sie offensichtlich nicht viel Deutsch. Drittens habe ich noch nie eine solche Reaktion auf eine Fahrradklingel gesehen. Ich schätze, das Konzept des Fahrradweges war neu für sie. Und viertens, und das ist ausschlaggebend, haben sie sich bei mir entschuldigt. Sie müssen also neu in Köln sein. Jeder andere hätte mich angepisst ‘Ey Alteeeeeer! Was klingelst du mich an, nur weil ich auf dem Fahrradweg rumstehe? Kannst du nicht um mich rumfahren, oder was?'”.

Stimmt. Sagte mein Freund. Und wir mussten beide ein bisschen grinsen.

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