Africologne-Festival endet mit DiversCity-Fest am Ebertplatz

Eine Mischung aus Soul, Funk und Hiphop weht über den Ebertplatz. Vor der Bühne unterhalb der Straße schwingen die Zuhörer mit. Manche sitzen auf den Mäuerchen rundum oder direkt auf dem Boden, andere stehen. Einige essen Hühnchen, Reis, Erdnusssoße und Chapati – denn es werden typische afrikanische Speisen verkauft. Das DiversCity-Fest ist also gegen 19 Uhr in vollem Gang, als die Band Xehay mit der Sängerin Sarah Tsehaye auf der Bühne steht. Schon seit dem frühen Nachmittag und noch bis zum späten Abend gibt es zum Abschluss des AfriCologne-Festival Musik, um die Vielfalt in der Stadt zu fördern.

Vorgestellt haben sich außerdem beispielsweise

  • Tutu Westerhoff von MomentosBox, die unter anderem Armbänder, Taschen und Schlüsselanhänger aus Stoff mit afrikanischen Motiven herstellt.
  • das Afrika FilmFestival, das vom 16. bis 25. September stattfindet. Die Filme werden im Museum Ludwig gezeigt. In diesem Jahr wird es auch um digitale Kunst gehen.
  • das Kölner Forum gegen Rassismus, zu dem unter anderem die AWO gehört, Anyway und das Begegnungs- und Fortbildungszentrum muslimischer Frauen.

Das DiversCity-Fest findet zum dritten Mal, das AfriCologne-Festival fand zum zehnten Mal statt.

Wegen der Corona-Pandemie war es in diesem Jahr geteilt in eine Früh- und eine Spätsommerausgabe mit Theater, Film, Lesungen und Tanz. Mit dabei war beispielsweise die Congo Jazz Band, die in einer Theaterperformance die Geschichte des Kongo zusammenfasste: Das Land wurde vom belgischen König Leopold II kolonialisiert und ab 1885 ausgebeutet: Elfenbein, später Kautschuk sollten den Europäer reich machen – und das auf Kosten der Einheimischen. Der auf Leopold II folgende Diktator Mobutu war für die Bevölkerung keine Verbesserung. Das eigentlich an Bodenschätzen wie Kobalt, Gold, Diamanten oder Uran reiche Land gilt nach der Ausbeutung über ein gutes Jahrhundert heute als eines der ärmsten weltweit. 

Harter Stoff gut rübergebracht

Das ist harter Stoff für den Feierabend, ja. „Aber nicht darüber zu reden, hilft auch keinem weiter“, sagte Criss Niangouna in einem Gespräch mit den Zuschauer*innen. Er spielte bei der Mischung aus Theater und Konzert Leopold II. Das Ensemble trat beim Africologne-Festival in der Alten Feuerwache in Köln auf.

Das war gut investierte Zeit. Denn die Congo Jazz Band unterhielt mit ihrer Musik, die mich kaum stillsitzen ließ. Gleichzeitig schaffte sie es auf beeindruckende Weise, den bedrückenden Inhalt des Stücks so zu vermitteln, dass die Zuschauer*innen ihn nicht nur aushalten konnten, sondern am Ende begeistert waren. Um die zwei Stunden Aufführungsdauer möglichst kurzweilig zu gestalten, wechselten sich Theater und Konzert ab. Durch das Schauspiel führten außerdem ein gespielter Erzähler und eine gespielte Journalistin, die wichtige Themenblöcke zusammenfassten.

Frauenpower beim Africologne-Festival

Das Stück geschrieben hat Mohamed Kacimi, die Regie führte Hassane Kassi Kouyaté. Sein expliziter Wunsch war es, dass eine Frauenband das Stück aufführt. Die Männer sollten die Rollen der Sänger und Tänzer einnehmen, während die Frauen die Instrumente spielen. Schwierig – erzählte das Team, denn im Kongo gibt es üblicherweise keine Frauenbands. Trotzdem hat es für die Congo Jazz Band geklappt. Besonders interessant: Ein Teil des Ensembles hatte bisher keine schauspielerische, der andere keine musikalische Erfahrung. Beides merkt man jedoch nicht: Die sechs Darsteller*innen sind in beidem äußerst souverän

Als Journalistin halte ich mich an die Vorgaben des Pressekodex: Meine Begleitung und ich waren zur Aufführung eingeladen.

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