25 Jahre Mauerfall: Begegnung mit einem Mexikaner

Ich sitze im ICE von Berlin nach Köln. In Bielefeld steigt ein Mann ein mit einem runden, dunklen Gesicht, seine lockigen Haare sind im Nacken zusammengefasst. Er trägt eine Brille mit dickem grauen Rand, um den Hals eine Kette aus großen Pflanzensamen. Sein Rucksack ist hinten beklebt ist mit den Stoffflaggen von Deutschland, Vietnam, Kuba, Mexiko und anderen Ländern. Kurz vor Köln fragt mich der junge Mann:

„Sprechen Sie Englisch? Ist es schwierig, am Kölner Bahnhof umzusteigen? Ich muss nach Brüssel. Ach, es ist ein kleiner Bahnhof? Ich hatte Angst, er sei vielleicht so groß wie in London.

Nein, ich mache keinen Urlaub in Brüssel, und ich lebe auch nicht dort. Ich fliege morgen früh von dort nach Mexiko, nach Cancun. Ich bin Mexikaner. Absurderweise lebe und arbeite ich aber in Deutschland, ich bin Programmierer. Aber weil ich den ganzen Tag auf Englisch programmiere und ich kein Sozialleben habe, spreche ich kaum Deutsch. Nur ein bisschen. Aber meine Freundin spricht Englisch, also brauche ich nicht unbedingt Deutsch. Hier sprechen ja sowieso alle Englisch. Allerdings nicht im Osten.

Nein, es geht gar nicht darum, dass sie kein Englisch können, sie mögen dort einfach keine Menschen, darum sprechen sie nicht. Sie hassen mich dort. Der Osten Deutschlands ist ganz anders als der Westen. Es ist, als ob es zwei unterschiedliche Länder wären. Ich bin nicht gern im Osten. Naja, vielen Dank für Ihre Hilfe! Gute Reise noch!“

25 Jahre Mauerfall, 24 Jahre Deutsche Einheit. Ein junger Mann aus einem fernen Land, der die deutsche Geschichte wenn überhaupt nur aus den Büchern kennt. Schmerzhafte Einschätzung, finde ich.

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