2020: Beethovenjahr in Bonn

Die lächelnden Beethoven waren nur der Auftakt fürs Jubiläumsjahr

Es dauert gar nicht mehr lange: Ab Dezember 2019 wird Bonn endgültig im Beethovenfieber sein. Die ersten Anzeichen für das Beethovenjahr gibt es schon: Gestern hat das Beethoven Orchester seine Pläne fürs Jubiläumsjahr bekannt gegeben. Aber 2020 ist rund um Ludwig van Beethoven in Bonn noch eine ganze Menge mehr los.

Was das Beethovenjahr 2020 musikalisch bringen wird

Sehr spannend dürfte der Beethoven-Marathon am 21. Dezember  werden: Dann sollen alle Sinfonien an verschiedenen Orten in der Stadt gespielt werden: in der Rotunde auf dem Petersberg, in der Telekom-Zentrale oder im Opernhaus. Außerdem fährt ein Musikfrachter von Bonn nach Wien, an Bord das Orchester. Und wo er vor Anker liegt, da wird es Musik geben. Eines der Ziele auf der Strecke ist übrigens auch Würzburg, dort findet jedes Jahr um diese Zeit das Mozartfest statt.

Beethovens Musik soll im Jubiläumsjahr jedoch nicht nur klassisch interpretiert werden: Es wird Mitmachkonzerte mit Laienmusikern geben, Gesprächsrunden mit Jazzmusikern und vielen anderen Gästen oder ein Elektrofest. Außerdem ist eine türkische Musikgruppe in Bonn, und es gibt Synchronkonzerte an unterschiedlichen Orten, die live übertragen werden.

Fast unglaublich aber irgendwie gar nicht mehr so schlimm ist, dass ausgerechnet die Beethovenhalle in Bonn nicht rechtzeitig zum Jubiläumsjahr fertig renoviert sein wird. „Denn“, sagt Dirk Kaftan, Generaldirektor des Beethoven Orchesters Bonn bei einem Treffen mit Journalisten und Bloggern im Rahmen einer Pressereise des Maritim Hotels Bonn im Mai, „darin liegt auch eine große Chance“. Jetzt könne man Beethovens Musik in der ganzen Stadt spielen, auch an Orten, die sehr ungewöhnlich sind. Es wird Konzerte in Kirchen und Aulen geben, in Privatwohnungen – auch in Berlin oder Hamburg, und in Hotels: Auf dem Petersberg wird es im September im Rahmen von BTHVN2020  ein Konzert geben, im Maritim am 8. August: Das Bundesjugendorchester und der Weltjugendchor beginnen dort ihre Sommertournee und kombinieren Beethovens „Meisterwerk“ mit einer Uraufführung von Tan Dun, einem chinesischstämmigen Dirigenten aus New York, der unter anderem bereits einen Oscar für seine Musik gewonnen hat.

Beethoven in klein auf dem Münsterplatz

Die ersten Anzeichen des Beethoven-Fiebers waren aber noch früher zu entdecken: Schon im Mai und Anfang Juni standen auf dem Münsterplatz, vor dem alten Postamt, rund um die große Beethovenstatue 698 kleine Beethovens – lächelnd, und ganz in Grün oder Gold.

Die Idee einer Installation hatte das City-Marketing Bonn bereits 2015. Man nahm dann Kontakt auf zu Ottmar Hörl, Künstler, der ähnliche Skulpturinstallationen schon in einigen anderen Städten gemacht hat. „Unsere Vorgabe war, dass man Beethoven wiedererkennen sollte“, sagt die ehrenamtliche Geschäftsführerin des City-Marketing Bonn, Maike Reinhardt. Dann kam Hörl mit dem lächelnden Beethoven, die Mitglieder des City-Marketing waren begeistert. Aber es blieb die Frage der Finanzierung. Zwar wurde Bürger für Beethoven Partner – aber schnell war klar, dass sich die ganze Aktion trotzdem erst rechnen würde, wenn man bis Ende 2018 mindestens 500 Figuren bestellen könnte. „Letztendlich sind es viel mehr geworden“, sagt Maike Reinhardt. „Allerdings hatten wir auch nicht mit den Folgekosten gerechnet für Sicherheitspersonal, eine Spedition oder 3000 Meter Dachlatten, um das Gerüst für die Figuren auf dem Münsterplatz zu fertigen“. Aber es fanden sich an vielen Ecken und Enden Helfer und Sponsoren. Die Bonner und Beethoven-Fans aus aller Welt sind so begeistert von der Aktion, dass vier der kleinen Ludwigs aus ihrer Vier-Schrauben-Verankerung gerissen und mitgenommen worden waren. Einen brachte die Polizei zurück, ein zweiter wurde zurückgegeben, zwei haben neue Besitzer. Darum standen auf dem Münsterplatz schließlich auch nur 699 Figuren.

Gefertigt wurden und werden die 4,5 Kilogramm schweren lächelnden Ludwigs aus PVC von einer Firma in Coburg mit einer Gussform. 80 Beethovens können so pro Woche gefertigt werden. Bis also alle Vorbestellungen abgearbeitet sind, wird es noch ein bisschen dauern.

Auf Beethoventour durch Bonn

Natürlich gibt es auch Stadtführungen zum Thema Beethoven durch Bonn.

Beethovens Leben in Bonn

Um ehrlich zu sein, ist es fast ein bisschen erstaunlich, dass Beethoven heute so sehr geschätzt wird. Alexander von Humboldt beispielsweise soll 1845, als dem Musiker ein Denkmal auf dem Münsterplatz gesetzt wurde, über ihn gesagt haben: „Er war schon zu Lebzeiten ein grober Kerl“. Das erfahre ich bei einer Führung auf Beethovens Spuren durch die Bundesstadt. Und allgemein bekannt war außerdem, dass er einen „Raptus“ hatte – heute würde man sagen: einen Rappel. Aber vielleicht hing das auch mit seiner Schwerhörigkeit zusammen.

Münsterplatz mit Beethoven
Münsterplatz mit Beethoven

Ludwig van Beethoven, kein Adliger, wie viele denken, hat es übrigens seinem Großvater zu verdanken, dass er in Bonn geboren wurde. Der nämlich zog mit seiner Familie von Flandern nach Bonn, um dort als Sänger und Hofkapellmeister zu arbeiten. Im Dezember 1770 wurde Beethoven über dem Taufstein getauft, der heute in der Remigiuskirche steht. Dann hatte er eine Grundausbildung in der Schule, schräg gegenüber seines Geburtshauses. Mit 12 Jahren war er bereits stellvertretender Hoforganist und verdiente 150 Gulden im Jahr. Im Poppelsdorfer Schloss spielte er für den Kurfürsten Bratsche und Orgel. Und auch das Kurfürstliche Residenzschloss, das heute Universität ist, war sein Arbeitsplatz.

Wo man Beethoven in Bonn findet

Wer keine Lust auf eine Tour durch Beethovens Bonn hat, wird ihn trotzdem an vielen Stellen finden: Sein Denkmal steht auf dem Münsterplatz, kurz vor seinem Geburtshaus ist sein Gesicht in den Boden eingelassen. Der so genannte Bonner Walk of Fame zeigt wichtige Personen der Stadtgeschichte, darunter auch August Macke oder Willy Brandt. Und schließlich gibt es eben noch das Geburtshaus, das anlässlich des Beethovenjahres gerade renoviert wird, und pünktlich im Dezember nach einem ganz neuen Konzept wiedereröffnet werden soll. Malte Böcker, Direktor des Beethoven-Haus, erklärt die Idee der neuen Struktur: „Jeder Raum soll eine Geschichte erzählen“, sagt er beim Treffen mit Journalisten und Bloggern im Mai. „Es wird Wechselausstellungen geben und eine Schatzkammer mit Originalgegenständen.“ Schließlich besitze man alle Streichinstrumente Beethovens, Porträts und Originalhandschriften. Geplant ist, dass ab September 2019 das Geburtshaus des Musikers sukzessive wiedereröffnet wird. Bis es soweit ist, müssen Besucher mit einigen wenigen Exponaten im Kammermusiksaal vorliebnehmen.

Außerdem wird Ludwig van Beethoven ab Dezember 2019 bis Ende April 2020 die Ausstellung Welt.Bürger.Musik in der Bundeskunsthalle gewidmet sein.

Als Journalistin halte ich mich an den Pressekodex des Presserats. Ich war vom Maritim Hotel Bonn zu diesem Städtetrip eingeladen. Das Unternehmen hat die Kosten für die Unterkunft und Verpflegung übernommen.

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