Warum das Richard Wagner Museum in Bayreuth einen Besuch wert ist

Ludwig II finanzierte viele Wagner-Projekte
Ludwig II finanzierte viele Wagner-Projekte

Siegfried-Frühstück, Tannhäuser-Apotheke, den Liebestrank von Tristan und Isolde als Aperitif – wer in Bayreuth ist, kommt nicht an Richard Wagner vorbei. Der Komponist kam 1872 in die fränkische Stadt und baute sich dort das Festpielhaus, in dem jährlich im Juli und August seine Werke aufgeführt werden. Außerdem ließ er sein Wohnhaus Wahnfried mitten in der Stadt bauen. Dort ist seit 1976 das Richard Wagner Museum untergebracht. „Bis zur Renovierung konnten die Besucher eine Dauerausstellung zu den Festspielen und Richard Wagner ansehen“, erinnert sich Museumsleiter Sven Friedrich. „Zu wenig, wenn man bedenkt, dass Richard Wagner Antisemit, und Adolf Hitler in den Wohnräumen seiner Schwiegertochter ein gern gesehener Gast war“, sagt Friedrich. 2001 gab es darum erste Überlegungen, das Museum zu renovieren, 2008 war klar, dass die Renovierung mehr sein würde als reine Kosmetik: Die Technik wurde modernisiert, ein neues Depot gebaut, das Konzept komplett überarbeitet. 2012 begannen die Bauarbeiten, drei Jahre später, am 26. Juli 2015, heute vor einem Jahr, wurde das neue Richard Wagner Museum der Öffentlichkeit vorgestellt.

Im Keller von Wahnfried kann man jetzt Kostüme aus den Festspielvorführungen sehen, es gibt eine Audiothek, um Wagner zu hören, im Untergeschoss liegt die Originalschrift des Parsifal, im Obergeschoss steht das Sterbesofa des Komponisten. Im Nachbarhaus, in dem Wagners Sohn Siegfried mit seiner Frau Winifred lebte, stehen jetzt längliche Monitore in den Räumen auf dem Boden, auf denen die Geschichte aufgearbeitet wird: Das Verhältnis der Wagners zum Nationalsozialismus wird dort genau so thematisiert wie die Judenfeindlichkeit Richard Wagners und seiner Frau Cosima und deren Folgen für die Festspiele.

Mein Highlight: die interaktive Partitour

Wahnfried, gesehen aus dem Park
Wahnfried, gesehen aus dem Park

Im Untergeschoss, schräg gegenüber von der Schatzkammer mit Wagners Büste und seiner Bibliothek gibt es einen Raum mit einer so genannten interaktiven Partitur. Ich würde sie gerne zeigen, hätte im Museum aber für eine Fotogenehmigung 50 Euro zahlen müssen. Darum kann ich leider nur in Worten beschreiben, was mich im Museum am meisten fasziniert hat: Auf einem Pult liegt eine Projektionsfläche in Form eines überdimensionalen Buches. Durch das Umblättern der wenigen Seiten wechselt man die Kapitel. Mittels Handdruck auf große Schaltflächen auf den Seiten kann man sich beispielsweise anhören und sehen, wo Wagners Musik in modernen Filmen eingesetzt wurde. Oder man hört, wie unterschiedlich Wagners Werke bei den Festspielen interpretiert wurden. Oder man setzt sich mit der Orchestrierung zum Beispiel in der Ouvertüre des Tannhäuser auseinander. Dabei sieht man die Musiker im Orchestergraben und kann sich wahlweise beispielsweise die Pauken oder Trompeten anzeigen lassen und deren Spiel hören.

„Es gibt Besucher, die sagen, dass man unmöglich alles an einem Tag sehen kann“, sagt Sven Friedrich. Andere seien schon zufrieden, wenn sie 30 Minuten durchs Erdgeschoss von Wahnfried gegangen seien – die Ziele der Besucher sind eben so unterschiedlich wie die Ausstellungsobjekte selbst. Schließlich versucht man, die breite Öffentlichkeit zu erreichen. „Allerdings sind wir uns dessen bewusst, dass Richard Wagner Hochkultur ist. Sie ist dementsprechend kein Massenphänomen“. Freunde der Hochkultur finde man eher in der zweiten Lebenshälfte, so der promovierte Theaterwissenschaftler. Darum sei es auch wichtig, dass das Museum barrierefrei ist. Trotzdem entwickle man gerade auch museumspädagogische Projekte für Kinder.

Ob alt oder jung, Wagnerianer oder eher nicht – Sven Friedrichs Tipp für Besucher lautet: „Auf jeden Fall einen Audioguide mitnehmen!“ Denn im Museum selbst gibt es ganz bewusst nur wenige schriftliche Erklärungen. Mit den Audioguides kann man sich aussuchen, zu welchen Objekten man Hintergrundinformationen hören will. Außerdem wird auf den Geräten gezeigt, wie die Wagnerschen Räume früher ausgesehen haben.

Noch viel mehr Wagner

Wem das Museum nicht reicht, der kann den Walk of Wagner gehen. Dabei kommt man auf der Strecke von Wahnfried zum Festspielhaus an vielen Stationen vorbei, die mit Wagners Leben in Bayreuth in Verbindung stehen. Die Strecke ist gekennzeichnet durch einen roten Kreis mit einem weißen W in der Mitte. An den jeweiligen Stationen steht eine kleine Wagner-Statur. Die ersten Figürchen seien oft gestohlen oder zerstört worden, erzählt man uns. Darum gibt es jetzt neue Figuren, die deutlich massiver und damit auch schwerer sind. In der Touristeninformation gibt es weitere Unterlagen dazu.

Am Festspielhaus selbst wurde eine Dauerausstellung im zugehörigen Park installiert, die den jüdischen Künstlern gewidmet ist, die mit den Festspielen verbunden waren. Viele von ihnen konnten während des Nationalsozialismus ins Ausland fliehen. Viel zu viele sind jedoch auch in Konzentrationslagern ermordet worden.

In diesem Jahr gehen die Festpiele vom 25. Juli bis zum 28. August. Seit einigen Jahren kann man die Tickets übrigens auch online kaufen. Aber Achtung, dazu muss man schnell sein. Eine Bayreutherin erzählt:

“Natürlich gehe ich zu den Festspielen, jedes Jahr. Es wird mitgeteilt, an welchem Tag zu welcher Uhrzeit der Vorverkauf beginnt, und dann sitze ich etwa zehn Minuten früher am Computer und habe die Kreditkarte und den Kalender vor mir liegen. Ich klicke dann sofort den entsprechenden Knopf, wenn der Vorverkauf eröffnet ist, nur um dann festzustellen, dass viele andere schneller waren. Dann bewegt man sich in einer digitalen Schlange nach Vorne, und wenn man endlich an der Reihe ist, gibt es oft doch keine Tickets mehr für die Tage, die man sich ausgesucht hat. Dann muss man eben flexibel sein.“

Ich habe nach Vorlage meines Presseausweises keinen Eintritt in das Museum bezahlt.

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