Warum ich Karneval in Köln mag

Karneval in Köln
Karneval in Köln

Es ist 11.11 Uhr am 11. November, und im Hemmer in Ehrenfeld ist es noch unerwartet ruhig. Neben einem Hänneschen steht eine Frau mit weißer Hose. Darauf sieht man das Kölner Stadtwappen, Zitate aus Karnevalsliedern und lachende Gesichter. Es sieht aus wie gestickt, doch sie erzählt, sie habe die Bildchen mit Textilfarbe gemalt:“Ich habe mir im Internet die Vorlagen heruntergeladen und schwarz-weiß ausgedruckt. Dann habe ich sie unter den Stoff gelegt und mit Bleistift nachgemalt, schließlich mit Textilfarbe richtig aufgetragen. Und dann natürlich gebügelt, so kann ich die Hose auch waschen.“

Auch zwei Herren tragen auffällige Anzüge, als sie mit einer großen Gruppe Jungs später ins Hemmer kommen: Türkis und rosa sind ihre Anzüge, aus glänzendem Stoff – und sie sitzen 1a. Maßgeschneidert, vermute ich, und einer der beiden bestätigt mir:“Ja, wir haben sie anfertigen lassen. Das sind unsere Hochzeitsanzüge. Wir haben am 11.11.2011 geheiratet und haben uns diese hier schneidern lassen für zusammen 4000 Euro“. Auf meine Frage, ob er denn noch glücklich sei an seinem vierten Hochzeitstag lächelt er und sagt mit sanfter Stimme:“Oh ja, er ist der Beste!“.

Ein Scheich, ein Hippie und ein echter Tansanier

Dann unterhalte ich mich mit einem arabischen Scheich, der seit Jahrzehnten am 11.11. ins Hemmer kommt, über seine Gründe dafür:“Die Stimmung und die Musik sind gut – und es sind zum Glück nicht nur Kinder da.“ Da hat er Recht, obwohl viele Anfangs-20er im Hemmer sind, gibt es auch noch viele jenseits der 40, die hier tanzen, singen und lachen. Neben mir steht so einer, verkleidet als Hippie, aber seine Dreadlocks sind echt, obwohl er die 40 schon hinter sich hat. Er erzählt mir, dass er auch einen Joint dabei hat, damit das Kostüm wirklich authentisch ist. „Bio-Gras ist da drin, angebaut von einem Kumpel von mir, garantiert ohne chemische Zusätze.“ Mit einem Vertriebler von Baumaschinen plaudere ich über die Leverkusener Brücke: nieten oder schweißen? Seine Maschinen verbinden Metall noch auf eine dritte Art, die ist aber für den Brückenbau zu wenig flexibel.

Schließlich kommt an der Seite einer großen, blonden, schlanken Frau ein Mann herein, tiefschwarz und mit Dreadlocks. Er kommt aus Tansania, erfahre ich, und er sei kein Flüchtling, betont die junge Frau. Es sei sein erster Karneval, und er sei begeistert, weil alles in Deutschland so einfach ist. Ich krame den letzten Satz Kisuahili aus meinem Gedächtnis, an den ich mich erinnern kann: Nina toka Ugerumani. Ich komme aus Deutschland. Er lacht. Ich wünsche ihm noch viel Spaß, doch dann muss ich gehen. Morgen ist der 12. November. Da wird alles wieder so sein, als ob diese Gespräche nie stattgefunden hätten.

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