Seemannsgeschichten von Borkum

Borkum: Leuchtturm
Borkum: Leuchtturm

Borkum ist zwar die größte der sieben ostfriesischen Inseln – aber ob eine Ortsführung hier nötig ist, frage ich mich selbst, bevor ich mit einer Gruppe von rund 20 Leuten gut zwei Stunden durch den Ort laufe. Die Zeit vergeht wie im Flug – denn tatsächlich gibt es viele nette Geschichten rund um Borkum zu hören.

Wirklich weit kommen wir in den zwei Stunden nicht: Wir bewegen uns von der Strandpromenade zum Leuchtturm, weiter zu einer Kirche und einem Friedhof, vorbei am Platz, an dem der Maibaum aufgestellt wird – und landen wieder in der Fußgängerzone am Bahnhof. Die Insel ist zwar die größte der sieben ostfriesischen Inseln, aber alles in allem ist sie doch klein. Besonders, da weite Flächen unter Naturschutz stehen: Dort dürfen weder Autos, noch Fußgänger oder Fahrradfahrer hinein. Doch auch wenn sich die Insel in einer Woche prima erkunden lässt – viele Dinge werden die Touristen nicht wahrnehmen, wenn man sie nicht darauf stößt.

Wir werden von einem echten Insulaner geführt, einem der wenigen, der noch auf Borkum geboren ist. Heute müssen schwangere Frauen rechtzeitig aufs Festland, um ihre Kinder zur Welt zu bringen. Unser Ortsführer erzählt uns von Schiffen, die am Borkumer Riff aufliefen und untergingen. Ordentlich begraben wurden jedoch nur die Seeleute, die angespült wurden und einen goldenen Ohrring trugen. Den ließen sich, so sagt er, Matrosen so schnell wie möglich stechen. Denn keiner wollte anonym in fremder Erde bestattet werden.

Für die Schiffsteile, die mit den Matrosen angespült wurden, hatten die Borkumer Verwendung: Einige der alten Häuser, ja selbst der Hotels, haben Dachstühle aus den Masten untergegangener Schiffe. Um den Seeleuten den Weg vorbei am Borkumer Riff zu weisen, baute man schließlich einen Leuchtturm: Er besteht aus 4,7 Millionen Steinen, die alle mit dem Boot nach Borkum gebracht worden waren. Sein Licht sieht man heute 76 Kilometer weit, also sogar noch auf Helgoland. Man erkenne Borkum an den Pausen zwischen den Lichtblitzen, erklärt unser Ortsführer: 2S12 laute die Kennung – Lichtblitz, zwei Sekunden Pause – Lichtblitz, zwölf Sekunden Pause.

Bei den Seefahrern bleiben wir auch, als wir eine Kirche besuchen: Ihre Lampen sitzen auf den alten Steuerrädern von Schiffen. Folgt man der Kirchallee, die anderswo eher Kirchgasse heißen würde, weiter, kommt man an einem Haus vorbei, das einen Zaun aus Walfischkieferknochen hat. An einer Stelle ist eine neue weiße Bruchkante. Ein Tourist hat wohl das Schild „Denkmalschutz“ übersehen und wollte sich sein ganz individuelles Souvenir ins Wohnzimmer stellen. Schade.

Die Screenshots stammen aus dem digitalen Magazin über Borkum, das mit der App Slipp gemacht wurde.

Unser Ortsführer erzählt uns auch, dass der große Dichter Wilhelm Busch häufig zu Gast auf Borkum war. Schräg gegenüber vom Bahnhof, in der Sandstraße, da soll er gewohnt haben. Seine Vermieterin, die Hermine, soll ihn gebeten haben, ein Gedicht über Borkum zu schreiben. Und das hat er auch getan. So gibt es viele Geschichten und Geschichtchen rund um den kleinen Ort auf der ostfriesischen Insel. So viele, dass eine zweistündige Tour fast zu kurz zu sein scheint. Dabei verharrt man in Ostfriesland nicht nur in der Vergangenheit mit Seemannsgeschichten und vielleicht auch Seemannsgarn. Wer es etwas moderner wünscht, sollte einen Blick in die Ostfriesland-App werfen. Damit lässt sich der nächste Urlaub auf den Inseln schon heute planen.

Um das Kurkonzert, den Applaus der Zuhörer und das Meeresrauschen zu hören, bitte auf die Kreise im Bild klicken.


Wie man ein solches Jamsnap macht, erfahrt Ihr auf Bild statt Text.

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