Reiserücktrittversicherung: Die Krux liegt im Detail

Wenn was dazwischenkommt, ist eine Reiserücktrittversicherung trotzdem nicht unbedingt sinnvoll
Wenn was dazwischenkommt, ist eine Reiserücktrittversicherung trotzdem nicht unbedingt sinnvoll

Markus F. (Name geändert) hat noch nie eine Reiserücktrittversicherung abgeschlossen. Wozu auch? Wenn er eine Reise bucht, will er auch verreisen. Natürlich kann immer etwas dazwischen kommen. Die letzten 30 Jahre ist das jedoch nie passiert. Davon abgesehen müsste es schon ziemlich dick kommen, damit er eine geplante und bezahlte Reise nicht antritt. Darum hält er Reiserücktrittversicherungen eigentlich für überflüssig.

„Richtig“, sagt Bianca Boss vom Bund der Versicherten. „Wenn man keine Kinder hat, ist sie meistens nicht nötig.“ Mit Kindern ist das Leben jedoch häufig ein bisschen unberechenbarer. Zweiter guter Grund, eine solche Police abzuschließen: Man hat eine sehr teure Reise gebucht. Jetzt wird Markus hellhörig, denn er will im Winter weit, weit weg – und der Urlaub wird bei gut 4000 Euro liegen. Im Prinzip würde noch immer gelten: Ich habe gebucht – also fahre ich auch. Aber: Markus Mutter ist nicht mehr die Jüngste. Zwar will er den Teufel nicht an die Wand malen, aber man weiß ja nie. Also beschließt er dieses Mal, eine solche Police abzuschließen.

Gekoppelte Policen

Im Internet sucht er nach einem Anbieter. Was er zuerst herausfindet: Spätestens 30 Tage vor Beginn des Urlaubs muss die Versicherung abgeschlossen sein. Sonst hat er im Falle eines Falles Pech gehabt. Schnell kommt er auf eine Seite einer großen Versicherung. Reiserücktritt und –abbruch gibt es dort ab 19 Euro, heißt es. Inklusive sind auch noch eine Reisegepäck sowie eine Reisekrankenversicherung mit Rücktransportoption. „Völlig unnötig“, sagt Bianca Boss. „Von gekoppelten Verträgen raten wir in der Regel ab. Sinnvoll kann höchstens der Abschluss einer Rücktritts- mit einer Abbruchversicherung sein. Die Auslandsreisekrankenversicherung halten wir zwar für die wichtigste der Reiseversicherungen, aber nicht in Kombination mit anderen Verträgen. Von der Reisegepäckversicherung raten wir grundsätzlich ab, denn im Schadensfall gibt es meist Streit um die Entschädigung und letztendlich sichert sie auch kein wirklich existenzielles Risiko ab.“

Markus klickt trotzdem auf „Angebot erstellen“. Jetzt hat er die Wahl: Will er eine Police für beliebig viele Reisen im Jahr? Oder nur für die eine Reise? Er spielt beide Varianten durch: Bei „beliebig viele Reisen“ kann er die Police praktischerweise gleich für zwei Personen abschließen, für sich und seine ständige Begleitung. Doch jetzt muss er einen maximal versicherten Reisepreis angeben. Schwierig. Denn er weiß noch nicht, wie teuer die anderen Reisen in Zukunft ausfallen werden. Bianca Boss sagt dazu: „Achtung: Wenn man einen geringeren Wert wählt, ist eine Reise mit einem höheren Reisepreis nur anteilig bis zu diesem angegebenen Wert versichert“. Überhaupt rät der Bundesverband der Versicherten von Verträgen ab, die sich jährlich verlängern. Denn: „Die Gesellschaften hoffen natürlich mit den Jahresverträgen die Kunden möglichst lange an sich zu binden. Schnell werden nämlich die Kündigungsfristen vergessen und man ist ein weiteres Jahr an den Vertrag gebunden. Und das, obwohl man gar nicht weiß, ob man im kommenden Jahr überhaupt verreisen wird.“

Wie aus 19 Euro 232 Euro werden

Markus ist trotzdem neugierig. Er gibt 4000 Euro als Reisepreis an. Ohne Selbstbeteiligung und inklusive Reiseabbruchversicherung würde ihn das 146 Euro im Jahr kosten. Das ist deutlich mehr als die 19 Euro, die auf der Startseite genannt wurden. Jetzt will er wissen, was es kosten wird, die einzelne Reise zu versichern. Erste Feststellung: Er muss mehr Daten eingeben: Beginn und Ende der Reise, Reiseziel und wieder den Reisepreis. Mit Reiseabbruch und ohne Selbstbeteiligung kommt er jetzt auf 219 Euro. Also kostet das einmalige Versichern ungefähr ein Drittel mehr als der Jahresvertrag. Verlängert sich der Jahresvertrag aber, obwohl er ihn im Jahr darauf gar nicht braucht, ist er schon bei über 300 Euro. Das muss man also gut abwägen.

Wenn man am Urlaub nicht an einem Ziel bleibt

Und dann bekommt er noch einen Tipp: Markus wird sich nämlich in seinem Urlaub fortbewegen. Das ist beispielsweise dann der Fall, wenn man mit dem Auto einen Roadtrip macht, eine Busreise zu mehreren Zielen, oder wenn man eine Kreuzfahrt bucht. Und dann hilft die normale Reiserücktrittversicherung oft nicht weiter. Er findet beim gleichen Anbieter eine Police, die für diese Fälle ab 22 Euro kosten soll. Ohne Krankenschutz und ohne Selbstbeteiligung kommt er letztendlich aber auf 232 Euro für diese eine Reise für sich und seine Begleitung. Dafür könnte er auch schon fast ein Wochenende wegfahren. Er nimmt sich vor, noch einmal über das Thema zu schlafen. Bis Dezember fließt schließlich noch viel Wasser den Rhein hinunter.

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