Partnersuche: Der Mann, der nicht Reeser hieß

Singlehochburg Ehrenfeld
Singlehochburg Ehrenfeld

Sie ist nett, intelligent, hübsch – und allein. Manche Menschen finden es nicht schlimm, Single zu sein, sie wollen es vielleicht auch gar nicht anders. Andere leiden darunter. Vor allem, wenn sie nicht mehr in dem Alter sind, in dem die meisten Menschen noch auf der Suche nach dem passenden Partner sind. Nun hat man in der Großstadt eigentlich gute Karten, einen Mann oder eine Frau zu finden, mit dem oder der man sein Leben künftig teilen will. Schließlich lebt in Köln in jedem zweiten Haushalt ein Single, hieß es auf bild.de. Die meisten von ihnen lebten 2013 übrigens in Ehrenfeld.

Außerdem gibt es noch Parship, Tinder und viele andere Möglichkeiten, sein Gegenstück im Netz zu finden. Denn wir sind doch alle ein bisschen digital, und jeder kennt mindestens ein Paar, das sich im Internet gefunden hat. Falls man’s lieber analog mag, gibt es in der viertgrößten Stadt Deutschlands auch Möglichkeiten: Single-Kochkurse beispielsweise. Und wer nicht hier bleiben will, der bucht einen Singleurlaub.

Angesagt ist auch das so genannte Speed Dating: dabei treffen sich Fremde nach festgelegten Regeln. Sie haben jeweils einige Minuten Zeit miteinander zu quatschen, dann tauscht man den Gesprächspartner. Stimmt man selbst und der andere zu, gibt der Veranstalter die Kontaktdaten weiter. So oder so ähnlich laufen diese Veranstaltungen in der Regel ab. Ein ganz besonderes Speed Dating konnte man vor einige Zeit auch im Kölner Stadtmuseum machen: Dort gab es eine Ausstellung zu Preußen, Untertitel: Beziehungsstatus kompliziert. Und während einer speziellen Führung durfte man die anderen Teilnehmer, die auf der Suche nach dem Gegenstück waren, kennenlernen.

„Eine Veranstaltung mit Niveau“, dachte sich unsere Protagonistin. Sicherlich würden keine Kinder dabei sein, keine Idioten, dafür kulturell interessierte Singles. Und Bingo! Ein Kameramann hatte es ihr angetan, beim WDR arbeite er, als Nachname nannte er Reeser. Unsere Singlefrau machte, was jeder heutzutage tut: Sie googlte Kameramann Reeser – und fand nichts. Im Facebookzeitalter ist das schon merkwürdig, bei einem Medienmenschen ist es noch merkwürdiger.

Köln ist ein Dorf

Der Zufall brachte sie einige Wochen später an einen Stammtisch mit ehemaligen Kollegen. Und weil Köln ein Dorf ist, saß mit am Tisch ein Redakteur beim WDR. „Kannst du nicht mal …?“ – und er konnte. Nur einen Tag später bekam sie eine SMS: „Beim WDR arbeitet niemand, der Reeser heißt. Nicht fest, nicht frei, nicht als Kameramann, einfach überhaupt niemand.“ Verarschen kann ich mich selbst, dachte sich unsere Protagonistin. Sie rief den angeblichen Kameramann an, mit dem sie seit dem Speed Dating schon einige Male telefoniert und sich auch schon mehrfach getroffen hatte. Das Telefongespräch fiel kurz aus: „Du heißt entweder nicht Reeser, oder du arbeitest nicht beim WDR“, rief sie erzürnt ins Telefon. Die Antwort kam knapp zurück: „Das stimmt!“. Kameramann Reeser ist nämlich verheiratet. Aber er dachte sich, er könnte doch mal neue Menschen kennenlernen. Was bietet sich da besser an, als ein Speed Dating? Da kann man schließlich sicher sein, auf willige Singles zu stoßen. Dass man damit möglicherweise anderen Menschen falsche Hoffnungen macht – egal. Hauptsache, man hat seinen Spaß. Nicht.

P.S.: Spätestens nach der Veröffentlichung dieses Beitrags sollte sich Kameramann Reeser übrigens einen neuen Namen für seine Eskapaden suchen. Und vielleicht auch einen neuen Beruf.

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