Norwegen: Fünf Stunden in Bergen

Hexen verboten
Hexen verboten

„Es würde mich wundern, wenn es in Bergen nicht regnen würde“, hören wir den Kapitän der Serenade of the Seas bei meiner ersten Kreuzfahrt über den Lautsprecher seine Ankündigung für den nächsten Tag machen. Und er sollte Recht behalten: Es regnete, als wir anlegten. Die Wettervorhersage war jedoch freundlich, kein Regen zwischen 8 und 11. Erfreulicherweise kam es auch genau so, wir hatten also drei trockene, wenn auch keine besonders schönen Stunden in Bergen.

Jörg hatte die sehr gute Idee, die trockene Zeit zu nutzen, um zuerst mit der Floibahn auf den namensgleichen Hausberg zu fahren. Wie gut diese Idee tatsächlich war, zeigte sich jedoch erst am Nachmittag: Während wir eine ziemlich trockene Zeit auf dem Berg verbrachten und sofort ein Ticket und eine Bahn bekam, warteten nach Mittag im strömenden Regen gut hundert Leute in einer Schlange darauf, in sieben Minuten mit der Seilbahn nach oben zu kommen. Darum mein Tipp: Antizyklisch verhalten! Früh am Morgen oder am späten Nachmittag diesen sehr beliebten Ausflug machen. Dann, wenn die Kreuzfahrer noch nicht da oder schon wieder weg sind.

Vom Floyen hat man ein großartiges Panorama über die Stadt und den Hafen. Aber auf dem Berg gibt es noch mehr zu tun – beispielsweise wandern. Einige der ausgeschriebenen Strecken sind sehr kurz: In nur zehn Minuten kommt man zu einem kleinen See, den man umrundet und dann zurückgeht. Andere dauern mehrere Stunden. Wir umrundeten den kleinen See und gingen dann den sehr steilen Weg in etwa 45 Minuten zurück in die Stadt – durch Wald, vorbei an bemoosten Steinen und verwirrenden Schildern wie „Störe nicht den unsichtbaren Hexen-Jäger bei der Arbeit“. Zwischendurch rieselte ein kleines Bächlein über die Steine nach unten, grünes norwegisches Idyll. Wer sich auf dem Weg in die Stadt rechts hält, sobald die Beschilderung aufhört, kommt automatisch ins Altstadtviertel mit seinen weißen Holzhäuschen und den engen Gassen. Entzückend!

Weiter unten stößt man dann auf die Hauptattraktion der Stadt, Bryggen. Das sind die Holzhäuser, die direkt am Wasser stehen und UNESCO Weltkulturerbe sind. Hier trieben die Deutschen vor vielen Jahrhunderten Handel. Hinter den Häusern sind Innenhöfe, die zwar voll mit Touristen, aber trotzdem sehenswert sind. In einigen Häusern kommt man über enge, schmale Stiegen ein Stockwerk nach oben und hat von dort einen besseren Blick von der Galerie auf die verwinkelten Hausvorbauten und auf die Dächer.

Unbedingt gesehen haben muss man in Bergen auch den Fischmarkt, der um die Ecke von Bryggen ist. Zwar sind dort eigentlich nur Touristen, die sich vor der Walwurst ekeln und die Riesenkrabben fotografieren. Eine Verkäuferin sagt:“Wenn ich für jedes Foto Geld verlangen würde, wäre ich so reich, dass ich meinen Stand schließen könnte.“ Mich interessieren außerdem die blauen, etwa 20 Zentimeter langen Tuben mit dem gelben Deckel. Rund sechs Euro soll eine Tube kosten, enthalten ist eine Kaviarpaste. „Kaviar aus der Tube?“, frage ich. Und „Kaviarzahnpasta“ antwortet der Verkäufer. Natürlich ist ein Fischbrötchen als Snack am Mittag hier Pflicht. Unseres hieß Armani und war mit Krebs, Lachs und Krabben belegt.

Bestimmt sind auch das Hanseatische Museum und das Lepramuseum sehr sehenswert oder auch das Freilichtmuseum. In unserem Fall regnete es jedoch über Mittag stark, quasi horizontal. Natürlich kann jetzt jemand sagen, es gebe kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung. Wenn ich jedoch trotz Regenjacke und Schirm durchnässt bin, dann fehlt mir die Lust auf weitere touristische Attraktionen. Darum habe ich in Bergen nur ein Kurzprogramm gemacht. Doch das war ein netter Appetithappen und hat Lust gemacht auf einen längeren Norwegen-Urlaub.

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