Museum: The Story of Berlin

Ich zögere, die Glastür zur Passage am Kurfürstendamm in Berlin zu öffnen: Dunkel sieht das Gebäude aus und leer. Fast erwarte ich, dass die Türen geschlossen sind, doch die roten Fußspuren auf dem Boden weisen mir den Weg hinein. Außerdem hatte ich vorher im Internet nachgesehen: Das Museum The Story of Berlin hat montags bis 20 Uhr geöffnet. Ich trete also ein, folgen den Wegweisern auf dem Boden, und komme genau richtig zur Bunkerführung, die einmal in der Stunde stattfindet: Im Gebäude, unten beim Parkhaus, ist nämlich der Eingang zu einem von vier Atomschutzbunkern in der Stadt. Die Führung dort ist im Eintrittspreis enthalten.

In den dunklen, aber warmen Räumen bemerke ich, wie alt ich bin: In der fünften und 6. Klasse hatte ich noch ABC-Alarms-Übungen: Wir mussten uns unter die Tische auf den Boden legen und den Schulranzen auf den Kopf drücken. Die Besucher, die mit mir im Bunker sind, sind Anfang 20. Der Kalte Krieg ist für sie ein bedeutungsloses Wort geworden. Sie fragen, wie man denn 14 Tage ohne Dusche hier aushalten soll, und wer das Trinkwasser für sie pumpen wird. Über den Fliegeralarm aus dem zweiten Weltkrieg lächeln sie, hat der Einstieg doch zu viel Ähnlichkeit mit einem Elektrolied für ihre Ohren. Die Dimensionen eines Atomkrieges sind ihnen nicht bewusst.

Mir schon eher, auch den wenigen älteren Besuchern, die bedrückt und schweigsam durch den Bunker gehen: 3600 Leute hätten hier im Falle eines Falles eine Unterkunft. Nicht viel, wenn man bedenkt, dass Berlin vier Millionen Einwohner hat. Es gibt vier Eingänge, die Bürger würden gruppenweise eingelassen, aber erst, nachdem sie geduscht haben. Die radioaktiv verseuchte Kleidung müsste draußen bleiben, mitnehmen dürften sie nichts. Zwei Küchen gibt es im Bunker, die nicht deutlich größer sind als die in einer Eigentumswohnung. Wie sollte man von dort aus 3600 Menschen ernähren? Und überhaupt, was würde im Falle eines Atombombenabwurfs nach zwei Wochen geschehen, dann also, wenn es keine frische Luft mehr gäbe? Lebenswert wäre das Leben außerhalb des Bunkers vermutlich eher nicht.

Spaziergang durch die Geschichte

Ins Museum tritt man ein durch ein Treppenhaus aus vergangener Zeit. Man hört Geräusche aus den Wohnungen, die als Türen angedeutet werden, bis man plötzlich in einem preußischen Wohnzimmer steht. Erster Weltkrieg, Industrialisierung, das kulturelle Berlin – und dann der Abstieg durchs Treppenhaus in den Nationalsozialismus. Vorbei an Künstler- und Gelehrtenporträts, die immer häufiger ersetzt werden durch die Hinweise „Emmigration“ oder „Selbsttötung“. Über Buchrücken, die von während der Nazidiktatur ungeliebten Autoren geschrieben wurden, führt der Weg weiter, vorbei an berstenden Glasscheiben mit der Aufschrift „Juden“. Dann steht man im zerbombten Berlin, geht weiter durch zwei deutsche Wohnzimmer hinein in einen Raum zum 40. Jahrestag der DDR. Hier fährt man mit dem Aufzug wieder nach oben und erreicht die Wiedervereinigung.

Mein Fazit: Machen. Lohnt sich auf jeden Fall.

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